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Trockene Nase

Salzlösungen wirken zweifach

Bei vielen Menschen beginnt ein Schnupfen mit trockener Nasenschleimhaut. Hinter den Beschwerden können aber auch andere – zum Teil ernste – Ursachen stecken.
Maria Pues
24.08.2012
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Ein einheitliches Krankheitsbild ist die Trockene Nase, lateinisch Rhinitis sicca, nicht. Vielmehr handelt es sich um ein Geschehen, das durch zahlreiche Faktoren beeinflusst wird. Wesentliche Komponenten sind eine chronische Entzündung sowie eine nicht mehr ausreichende Produktion funktionsfähigen Nasensekrets. Dieses wird in von den Becherzellen gebildet, von denen sich etwa 5000 auf jedem Quadratmillimeter Nasenschleimhaut befinden. Das Nasensekret hält die Nasenschleimhaut feucht und reinigt beim Abfließen das Innere der Nase, indem es Partikel abtransportiert.

Mediziner unterscheiden die Rhinitis sicca anterior, die primäre Rhinitis atrophicans und die sekundäre Rhinitis atrophicans. Die akute Rhinitis sicca anterior, wie sie sich auch bei einem beginnenden Erkältungsschnupfen einstellen kann, ist die häufigste und meist vorübergehende Form. Unter Umständen entwickelt sich daraus die chronische Form, die atrophische Rhinopathie oder Rhinitis atrophicans. Eine chronische Form der trockenen Nase liegt definitionsgemäß dann vor, wenn die Beschwerden zusammengerechnet mehr als drei Monate im Jahr bestehen. In schweren Fällen führt die atrophische Rhinopathie zur Bildung übelriechender, meist grünlich-gelber Beläge. Man spricht dann von einer sogenannten Stinknase (Ozaena). Die Betroffenen selbst können diesen Geruch nicht wahrnehmen, da ihr Geruchsempfinden aufgrund der trockenen Nase ohnehin stark beeinträchtigt ist. Außerdem gilt hier wie auch sonst: Wenn die Nase – auch eine gesunde – Gerüchen dauerhaft ausgesetzt ist, nimmt sie diese einfach nicht mehr wahr.

 

Luftfeuchte zu niedrig

Beginnender Erkältungsschnupfen ist jedoch nur einer von zahlreichen möglichen Auslösern einer trocknenden Nasenschleimhaut. Des Weiteren zählen höheres Lebensalter sowie eine lokale mechanische Belastung wie häufiges »Nasebohren« dazu. Im Sommer spielen kühlende Klimaanlagen eine Rolle, im Winter zu trockene, beheizte Raumluft. Liegt die relative Luftfeuchte unter 50 Prozent, begünstigt dies das Austrocknen der Nasenschleimhäute. Auch sind Angehörige mancher Berufe besonders oft betroffen, vor allem wenn die Arbeit mit einer hohen Staubbelastung einhergeht, wie etwa bei Bäckern.

 

Bei Konsumenten von Kokain oder Schnupftabak ist das Risiko ebenfalls erhöht, außerdem bei Patienten, die bestimmte Arzneimittel anwenden müssen. Hier sind vor allem Sympathomimetika zu nennen, die systemisch oder lokal angewendet die Gefäße zusammenziehen und die Durchblutung der Schleimhäute reduzieren. Außerdem können Psychopharmaka wie Doxepin, Antihistaminika der ersten Generation wie Dimenhydrinat oder Dimetinden, aber auch eine Nasensonde zur Sauerstoffgabe oder eine Strahlentherapie im Bereich der Nase zu einer trockenen Nasenschleimhaut führen.

 

Viele mögliche Ursachen

Eine trockene Nase tritt aber auch als Begleiterscheinung verschiedener Erkrankungen auf und weist möglicherweise sogar auf diese hin. Wer an allergischer Rhinitis leidet, wird nicht nur anfallsweise von einer plötzlich laufenden Nase geplagt. Ist diese Phase vorüber, stellt sich häufig der umgekehrte Fall ein: Die Nase ist gereizt und »wie ausgedörrt«, häufig tritt zusätzlich ein brennendes Gefühl auf. Besonders Patienten mit Hausstaubmilbenallergie leiden auch an einer trockenen Nase.

 

Dies gilt ebenso für Patienten mit Morbus Sjögren. Für diese Erkrankung ist vor allem eine Unterfunktion der Tränendrüsen charakteristisch. Treten beide Beschwerden gleichzeitig auf, sollte ein Arzt dies differentialdiagnostisch abklären. Außerdem begünstigen endokrine Erkrankungen wie Schilddrüsenfehlfunktionen eine trockene Nasenschleimhaut. Daneben tritt diese häufig zusammen mit Erkrankungen aus der Gruppe der Kollagenosen auf, zum Beispiel der Sklerodermie, des Morbus Wegener und der Sarkoidose. Zu den Infektionskrankheiten, die als Auslöser infrage kommen, zählen die Tuberkulose und die Syphilis.

 

Patienten mit schweren Formen einer trockenen Nase leiden außerdem nicht selten an einem Trockenheitsgefühl im Rachen, wenn sich die Schleimhautreizungen und -schädigungen bis in diesen Bereich hinein fortsetzen. Dies führt dazu, dass die Betroffenen sich häufig räuspern. Ihnen hilft neben einer Befeuchtung der Nasenschleimhaut die zusätzliche Befeuchtung der Rachenschleimhaut, zum Beispiel durch Pastillen mit Isländisch Moos (Isla Moos®).

 

Zahlreiche Symptome

Riechstörungen sind nur eine der vielen Folgen, die sich bei trockenen Nasenschleimhäuten einstellen. Häufig klagen Patienten darüber, dass sie durch die verstopfte Nase nicht wie gewohnt frei atmen können. Dies verleitet manchen dazu, abschwellende Nasentropfen anzuwenden, um – vor allem in der Nacht – wieder durchatmen zu können. Die befreite Atmung erkaufen manche Patienten allerdings zu einem hohen Preis: Durch zu häufige Anwendung riskieren sie, dass sich die Beschwerden langfristig noch verstärken.