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Hyaluronsäure

Vielseitiger Anti-Aging-Wirkstoff

24.08.2012
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Von Verena Arzbach / Arthrose, Aphthen, trockenes Auge: Das sind nur einige Einsatzgebiete des Multitalents Hyaluronsäure. Auch aus der Kosmetik ist der Feuchtigkeitsspender und Anti- Falten-Wirkstoff nicht mehr wegzudenken.

Der Name Hyaluronsäure leitet sich von dem griechischen hyalos ab (hyalos bedeutet soviel wie »gläsern«). Die Biochemiker Karl Meyer und John Palmer nannten die Verbindung so, nachdem sie die Hyaluronsäure erstmalig 1934 im Glaskörper von Rinderaugen identifiziert hatten. Der Glaskörper des Auges ist eine gelartige Masse, die zu etwa 98 Prozent aus Wasser und circa 2 Prozent Hyaluronsäure sowie einem Netz von Kollagenfasern besteht. Er verleiht dem Auge seine Form. Hyaluronsäure ist auch Bestandteil des Bindegewebes und sorgt als Schmiermittel für die Beweglichkeit der Gelenke. Zudem interagiert sie mit verschiedenen Rezeptoren auf der Zelloberfläche, moduliert so Entzündungsreaktionen und beschleunigt die Wundheilung.

Chemisch betrachtet handelt es sich bei Hyaluronsäure um ein Glykosaminoglykan, eine lange Kette aus Zuckermolekülen mit bis zu 50 000 Grundeinheiten, bestehend aus N-Acetylglu­cos­amin und D-Glucuronsäure. In den Körperzel­- len wird das Polysaccharid von speziellen Membranproteinen aus Glucose synthetisiert. Früher wurde der Wirkstoff aus Hahnenkämmen gewonnen. Da die so isolierte Hyaluronsäure jedoch ein hohes Allergiepotenzial besitzt, erfolgt die Herstellung heute praktisch nur noch biotechnologisch mithilfe von Mikroorganismen.

Die Verbindung ist in der Lage, wie ein Schwamm große Mengen an Wasser aufzunehmen. Dabei lagern sich die Wassermoleküle zwischen die Polysaccharidketten. Ein Gramm bindet bis zu sechs Liter Feuchtigkeit. Aus diesem Grund zählt die Hyaluronsäure zur Gruppe der »natural moisturizer« – zu den natürlichen Feuchthaltemittel in der Haut. Eine wichtige Funktion erfüllt die Hyaluronsäure auch bei der Stabilisierung des Hautgerüsts: Sie bindet an den Rezeptor CD44 auf der Zelloberfläche und stimuliert die Fibroblastenaktivität sowie die Bildung von Kollagen und Elastin. Durch Radikalfänger­eigenschaften schützt sie zusätzlich vor schädigenden freien Radikalen.

Gegen Falten

Etwa ab dem 25. Lebensjahr baut der Körper Hyaluronsäure immer mehr ab – die Haut wird trockener, verliert an Spannkraft und Elastizität und Falten graben sich tiefer ein. In der Dermokosmetik ist das Glykosaminoglykan deshalb als Anti-Falten-Wirkstoff beliebt. Viele Anti-Aging-Cremes und Augengele enthalten Hyaluron­säure als Na­triumsalz oder Fragment (zum Beispiel Avene® Eluage, Eucerin® HyaluronFiller, Eubos® Anti Age, Frei®Anti Age + Hyaluron, Lierac® Exclusive Serum, Louis Widmer® Extrait Liposomal, Nuxe Crème Merveillance®, Vichy® Liftactiv). Nach Auftragen der Cremes verbindet sich die Hyaluronsäure über Wasserstoffbrücken mit dem Keratin der Hautoberfläche. Beim Verdunsten des Wassers entsteht eine leichte Spannung, die die Haut glatter und frischer erscheinen lässt.

Zusätzliche Anti-Aging Tipps

PTA und Apotheker können ihren Kunden noch zusätzliche Tipps gegen die Hautalterung mit auf den Weg geben:

  • Nicht rauchen Nicotin verengt die Gefäße und greift stützendes Kollagen in der Haut an.
  • Ausschlafen Im Schlaf arbeiten die Wachstumshormone: Sie beschleunigen die Zellteilung und Bildung von Kollagenfasern und füllen die Wasserspeicher auf.
  • Auf Sonnenschutz achten Vor allem UV-A-Strahlen verur­sachen Falten. Einige Tagescremes enthalten aber nur einen UV-B-Schutz, daher auf zusätzlichen UV-A-Schutz achten. Auch Solarien­besuche möglichst vermeiden.
  • Gesund ernähren Vitamin C und A wirken antioxidativ, fangen freie Radikale ab und fördern die Zellerneuerung.
  • Entspannen Dauerhaft gestresste Menschen altern sichtbar ­schneller.

Längst hat auch die ästhetische Kosmetik den Naturstoff für sich entdeckt. Bei Faltenaufpolsterungen spritzt der Arzt Hyaluronsäure als Gel oder Lösung direkt unter die Falte. Dies polstert die Haut von unten auf und lässt sie dadurch glatter erscheinen. Auch bei einer Lippenvergrößerung wird der Wasserbindungs- und Aufpolsterungs­effekt genutzt. Die Wirkung hält durchschnittlich sechs Monate an, da körpereigene Enzyme die Hyaluronsäure wieder abbauen.

Um diesen Nachteil zu beseitigen, modifiziert man das Polysaccharid heute chemisch. Mit der NASHA-Technologie (NASHA = nicht-animalische stabilisierte Hyaluronsäure) beispielsweise werden die einzelnen Hyaluronstränge miteinander vernetzt und der enzymatische Abbau so erschwert. Für die äußerliche Hautpflege ist das jedoch wenig sinnvoll: Hier sind eher kleinere Bruchstücke gefragt, die leichter als die langen Ketten in tiefere Hautschichten eindringen können.

Eine alternative Strategie besteht darin, die Produktion hauteigener Hya­luronsäure anzukurbeln. Soja-Extrakt oder die Kombination von Rotklee- und Mäusedornextrakt sollen beispielsweise die Hyaluronsäuresynthese stimulieren. Verantwortlich für die Wirkung sind vor allem die enthaltenen Saponine. Ein Vorteil: Die kleineren Moleküle penetrieren wesentlich leichter in die Haut als die langkettige Hyaluronsäure. Mit Produkten der pflegenden Kosmetik wird versucht, den Hyaluronsäure-Abbau durch Hemmung des entsprechenden Enzyms zu verhindern. Heparin, pflanzliche Pektine und Alginsäuren aus Braunalgen inhibieren die Wirkung der Hyaluronidase und sollen die Haut so länger frisch und straff halten. /

Hilfsstoff bei Aktinischer Keratose

Ärzte setzen Hyaluronsäure als Hilfsstoff auch erfolgreich bei einer Hautkrebs-Vorstufe ein: Solaraze® 3% Gel ist zur Behandlung der aktinischen Keratose zugelassen. Diese Hautveränderungen werden durch UV-Licht verursacht und können unbehandelt langsam in bösartige Tumore wie das Plattenepithelkarzinom übergehen. In dem verschreibungspflichtigen Präparat liegt der Wirkstoff Diclofenac in einem 2,5-prozentigen Hyaluronsäure-Gel vor. Durch ihr enormes Wasserbindevermögen weicht die Hyaluronsäure verhornte Zellen auf und ermöglicht dem Wirkstoff so ein leichteres Eindringen in die Haut. In der Epidermis bildet das Hyaluronsäure-Gel außerdem ein Depot, das nach und nach Diclofenac freisetzt. Patienten müssen das farblose Gel bis zu 90 Tage lang zweimal täglich auf die betroffenen Hautstellen auftragen.

E-Mail-Adresse der Verfasserin

arzbach(at)govi.de