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Repellentien

Plagegeister austricksen

30.10.2013  10:06 Uhr

Von Andreas Melhorn / Repellentien bieten einen guten Schutz vor blutsaugenden Schädlingen wie Mücken und Zecken. Im Gegen­satz zu Insektiziden töten Repellentien die Tiere nicht, sondern vertreiben sie lediglich. Die Produkte werden auf die Haut oder – seltener – auf die Kleidung aufgetragen oder aufgesprüht. Wegen der guten Verträglichkeit können auch empfindliche Menschen sie regelmäßig anwenden.

Die genaue Wirkung von Repellentien ist bis heute nicht exakt geklärt. Dass sie aber wirken, konnte in verschiedenen Versuchsanordnungen nachgewiesen werden. So reicherten Forscher beispielsweise einen Luftstrom mit einem zu testenden Wirkstoff an und beobachteten dann die Flugbahn von Mücken. Wie sich in den Tests zeigte, fliegen die Tiere zwar zunächst in den Luftstrom hinein, aber sofort wieder heraus.

Ein ähnliches Verhalten lässt sich bei Versuchen mit Menschen beobachten: Hält eine Versuchsperson ihren Arm, der zuvor mit einem Wirkstoff behandelt wurde, für eine festgelegte Zeit in eine Box mit stechwilligen Mücken, so setzen sich die Insekten zwar auf die behandelte Haut, verlassen diese aber wieder, ohne zu stechen.

Andere Tests finden in der freien Natur statt. Zu einer Zeit, in der die Mücken besonders gern stechen – bekanntermaßen bevorzugt in der Dämmerung – setzen sich Testpersonen den Tieren aus. Eine Gruppe hat das zu testenden Repellent auf die Beine aufgebracht, die andere, unbehandelte Gruppe hält sich in der unmittelbaren Nähe auf. Forscher beobachten dann das Stechverhalten der Mücken und werten es statistisch aus.

Substanzen, die möglicherweise als Repellentien in Frage kommen, wurden in den USA mithilfe eines Screenings auf verschiedene Eigenschaften getestet. Daraus ergab sich, dass die Stoffe neben besonderen chemischen Eigenschaften einen hohen Dampfdruck bei niedriger Verdampfungsrate aufweisen müssen. Letzteres stellt sicher, dass die Wirkstoffe sich nicht sofort von der Haut verflüchtigen. Untersuchungen ergaben, dass nur eine sehr geringe Wirkstoffkonzentration in der Gasphase über der Haut nötig ist, um die Wirkung sicherzustellen. Ein als Repellent wirksamer Stoff verdampft also und fungiert über der Haut als eine Art Schutzschild.

Alt bewährte Substanz

Nach wie vor gilt DEET (Diethyltoluamid), das bereits im Jahre 1956 auf dem Markt eingeführt wurde, als einer der wirksamsten und effektivsten Wirkstoffe zur Abwehr von Blutsaugern. DEET ist allgemein gut verträglich. Schon minimale verdampfte Mengen über der Haut (etwa 60 µg/cm2) sind für eine Wirkung ausreichend. Gegen Mücken schützt DEET über mehrere Stunden. Die Wirkdauer ist allerdings stark von den Umständen abhängig: Wasser (Regen, Schwimmen, Duschen) und Schweiß waschen DEET von der Haut, Kleidung und Wind reiben den Wirkstoff ab. Außerdem ist die Schutzwirkung von der aufgetragenen Menge und der Art der Parasiten abhängig. Am schlechtesten wehrt DEET Zecken ab. Hier reicht der Schutzeffekt höchstens zwei Stunden.

DEET wird gut durch die Haut aufgenommen, aber schnell über die Nieren wieder ausgeschieden. Nach zwölf Stunden ist der Wirkstoff praktisch vollständig eliminiert. Trotz der hohen Resorptionsrate zeigt DEET nur bei hohen Konzentrationen Nebenwirkungen. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde, Centers for Disease Control and Prevention (CDC), hat aus diesem Grund Formulierungen mit bis zu 30 Prozent DEET als sicher erklärt. Untersuchungen legen nahe, dass sogar Schwangere im 2. oder 3. Trimenon den Wirkstoff anwenden können. Aus Sicherheitsgründen sollten Schwangere und Stillende jedoch trotzdem darauf verzichten. Außerdem eignet sich die Behandlung mit DEET nicht für Kinder unter zwei Jahren.

Zwar ist DEET sehr gut hautverträglich, reizt allerdings die Augen und Schleimhäute. Von Nachteil ist, dass DEET einige Kunststoffe löst. Um hier kein Risiko einzugehen, sollten die Präparate beispielsweise nicht mit Kunststofffasern oder Brillenetuis in Kontakt kommen.

Neuere Wirkstoffe

Das neuere Repellent Icaridin (auch Bayrepel®) zeigt eine vergleichbar gute Wirkung wie DEET, ist aber noch besser verträglich. Deswegen können auch Schwangere und Stillende es anwenden. Im Gegensatz zu DEET beschädigt Icaridin keine Kunststoffe.

Citriodiol® (p-Menthan -3,8-diol, beispielsweise in Anti Brumm® Naturell oder Mosquito) ist Bestandteil ätherischer Öle und wirkt auch als Repellent. Die Wirksamkeit ätherischer Öle ist jedoch eher begrenzt. Zudem stört manche Anwender der starke Geruch der Präparate.

Darüber hinaus bietet der Handel diverse Alternativen wie Duftkerzen oder verschiedene Öle zum Auftragen auf die Haut an. Die Wirkung der meisten dieser Produkte kann sich mit den bewährten Substanzen nicht messen. In der Apotheke fragen Kunden gelegentlich nach Vitamin-B1-Kapseln zum Einnehmen. Das Vitamin soll den Körpergeruch so verändern, dass er Mücken abschreckt. Allerdings empfinden viele Mitmenschen diesen Effekt störender als die Blutsauger.

Außerhalb Deutschlands sprechen viele blutsaugende Parasiten nicht gut auf die hierzulande verbreiteten Repellentien an. Beispielsweise helfen DEET oder Icaridin wenig gegen die Sandflys in Neuseeland, gegen schottische Midges oder schwedische Mücken. Reisende sollten sich aus diesem Grund erkundigen, welche Repellentien am Urlausort empfohlen werden. Häufig sind andere Substanzen dort wirksamer als die klassischen Wirkstoffe.

Grundsätzlich sollten PTA und Apotheker in der Beratung empfehlen, Repellentien immer möglichst lückenlos aufzutragen, da die Insekten auch kleine unbehandelte Stellen finden und dort stechen oder beißen.

Immer mehrfach schützen

Mücken werden ebenso wie andere Insekten durch verschiedene Reize angelockt wie Licht, Luftfeuchtigkeit, Wärme, Formen und Farben sowie den CO2-Gehalt. Um den Schutz zu optimieren und die Anzahl der Stiche und Bisse zu minimieren, sind zusätzlich zu den Repellentien weitere Maßnahmen empfehlenswert. Da dunkle Kleidung Mücken und Zecken anzieht, ist helle, weite, geschlossene Kleidung empfehlenswert, um keine ungebetenen Parasiten anzulocken. Die Füße nicht vergessen, auch sie brauchen Schutz! Weil Mücken für ihre Vermehrung Wasser brauchen und besonders in der Dämmerung aktiv sind, sollte man sich in dieser Zeit nicht in feuchten Gebieten aufhalten. Zwei weitere Tipps: Keine blumigen Parfüms anwenden, da diese Mücken anlocken. Hohes Gras und Gebüsche meiden, um sich keine Zecke einzufangen.

Wenns doch passiert

Jeder Mückenstich sollte sofort gekühlt werden, um die Schwellung zu minimieren. Bei dicken, großen Quaddeln können PTA und Apotheker dem Kunden eine Hydrocortison-Creme empfehlen. Auch Antihistaminika verringern Schwellung und Juckreiz. Nach dem Stich einer Wespe oder Biene ist der Stachel sofort zu entfernen. Denn aus Bienenstacheln tritt sogar noch Minuten später Gift in die Einstichstelle aus. Danach sollte der Betroffene möglichst umgehend die Stelle kühlen. Für Allergiker ist es wichtig, immer ein Notfall-Set mit sich führen.

Nach dem Aufenthalt im Freien sollten Eltern ihre Kinder und sich selbst auf Zecken absuchen. Finden sie tatsächlich eine Zecke, muss diese unverzüglich mit einer Zeckenkarte oder -zange oder einer spitzen Pinzette vorsichtig entfernt werden. Dabei ist es wichtig, den Hinterleib nicht zu quetschen. Sonst dringt zusätzliche Flüssigkeit aus dem Spinnentier in den Körper. Danach sollte man die Einstichstelle desinfizieren und in den folgenden Tagen beobachten. Ein Tipp: Den Tag des Stichs im Kalender vermerken, um dem Arzt gegebenenfalls Auskunft geben zu können. Wenn sich die Einstichstelle rötet oder in den folgenden Wochen grippeartige Symptome auftreten, sollten die Betroffenen einen Arzt aufsuchen. Dieser wird dann abklären, ob die Zecke möglicherweise Lyme-Borreliose übertragen hat.

Schutz vor Krankheiten

In einigen Gebieten Deutschlands und in anderen europäischen Ländern übertragen Zecken die Frühsommer-Meningoenzephalitis. Da die Infektion zu einer Hirn- und Hirnhautentzündung führen kann, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut allen eine Schutzimpfung, die sich in gefährdeten Gebieten aufhalten. Eine aktuelle Karte der gefährdeten Regionen finden Interessierte auf der Webseite des Robert Koch-Instituts (www.rki.de). Doch auch trotz FSME-Impfung ist nach wie vor ein wirksamer Schutz vor Zeckenstichen erforderlich, weil Zecken auch Lyme-Borreliose übertragen können. Gegen diese Erkrankung gibt es bisher keine Impfung. Meist treten zwei bis vier Wochen nach dem Zeckenbiss die ersten Symptome auf, zunächst nur Beschwerden wie bei einer Erkältung, also Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Fieber. Im klassischen Verlauf entzündet sich die Bissstelle und es entsteht ein roter Fleck um den Biss, der sich kreisrund vergrößert. Obwohl sich die Erreger im Körper verbreiten, klingen die Symptome der Lyme-Borreliose unbehandelt wieder ab.

Im Laufe der Jahre kehren sie jedoch wieder und verschlimmern sich im fortgeschrittenen Stadium. Dann ist die Krankheit nur noch schwer zu behandeln und dauerhafte Schäden können zurückbleiben. Rechtzeitig erkannt, hilft ein Antibiotikum wie Doxycyclin. Dann hängt der Therapieerfolg von zwei Faktoren ab: Der Arzt muss eine ausreichend hohe Dosierung verordnen und der Patient das Antibiotikum genügend lange einnehmen. /

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