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Tiergesundheit

Urlaubszeit ist Parasitenzeit

30.10.2013  09:52 Uhr

Von Stefan Pachnicke / Viele Urlauber zieht es – samt Hund – in den Ferien immer wieder in südliche Gefilde. Dabei unterschätzen manche allerdings allzu häufig die gesundheitlichen Gefahren, die dort von blutsaugenden Parasiten wie beispielsweise Zecken ausgehen. Diese Parasiten können zum Teil lebensbedrohliche Erkrankungen übertragen. Wichtig ist deshalb (nicht nur) bei der Urlaubsvorbereitung auch an einen wirksamen Parasitenschutz zu denken.

Sommerzeit ist Reisezeit. Insbesondere der Mittelmeerraum, Süd- und auch Osteuropa zählen nach wie vor zu den beliebtesten Urlaubsregionen – nicht zuletzt durch gute Anreisemöglichkeiten per Flugzeug, Bahn oder Auto. Und so wollen immer mehr Hundebesitzer im Urlaub auch auf ihren geliebten Vierbeiner nicht verzichten. Aber gerade in diesen Gebieten besteht für diesen ein erhöhtes Gesundheitsrisiko durch sogenannte Vektoren-übertragene Erkrankungen (CVBDs = Canine Vector-Borne Diseases), das heißt, durch Krankheitserreger, die blutsaugende Parasiten (Vektoren) wie Zecken oder Sandmücken auf den Hund übertragen.

Aber auch wer seinen Urlaub nicht so weit weg verbringt, kann sich nicht in Sicherheit vor den Blutsaugern wiegen: Durch verschiedenste Faktoren, unter anderem möglicherweise durch klimatische Veränderungen erleichtert, breiten sich unterschiedliche Zecken- und Mückenarten zudem in eher gemäßigten Klimazonen wie Ungarn oder dem Baltikum aus.

Besondere Vorsicht bei Zecken

Jedoch auch wer hierzulande mit seinem Vierbeiner Urlaub macht oder einfach nur gerne durch die Natur streift, sollte dies nicht schutzlos tun. Zecken sind ebenfalls in heimischen Wälder und Auen sowie in Parks und Gärten weit verbreitet. Daher diagnostizieren Tierärzte sogar in unseren Breitengraden bei Hunden immer häufiger Infektionen, die vor ein paar Jahren noch eher als reine Reisekrankheiten angesehen wurden.

Weitere Informationen

Wer mehr über das Thema »Reisekrankheiten« erfahren und Tierhaltern in der Apotheke mit Tipps für ein gesundes und entspanntes Reisen zur Seite stehen möchte, kann sich online im Bayer-Fernkolleg-Kurs mit dem Thema vertraut machen. 

Zu den wichtigsten CVBDs, die durch Zecken übertragen werden, zählt die Babesiose. Der Erreger ist der Einzeller Babesia mit verschiedenen Arten. Er wird hierzulande hauptsächlich durch die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) übertragen. Diese Zeckenart entstammt ursprünglich eher südlicheren Ländern wie Frankreich und Ungarn. Mittlerweile ist sie jedoch auch in vielen Regionen Deutschlands heimisch, bevorzugt in feuchten Gebieten, naturbelassenen Biotopen, (Au-)Wäldern, Wiesen, Mooren, Laubwäldern, aber ebenso in Parks und Gärten. In den Mittelmeerländern wird die Babesiose hauptsächlich von der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen.

Multiples Organversagen als Folge

Der Krankheitsverlauf kann sich durchaus schwerwiegend darstellen: Der Erreger befällt und zerstört die Erythrozyten, eine hämolytische Anämie ist die Folge. Diese kann mit hohem Fieber, Lethargie, Schwäche sowie Blut im Urin einhergehen, sich im weiteren Verlauf noch verstärken und neben Gelbsucht massive Kreislaufstörungen oder sogar multiples Organversagen verursachen. Unbehandelt kann die Erkrankung innerhalb weniger Tage zum Tod des Hundes führen; es gibt jedoch auch chronische Formen. Wichtig ist deshalb eine möglichst schnelle Diagnose, unter anderem durch eine Blutuntersuchung, sodass das Tier sofort therapiert werden kann.

Eine weitere, von Zecken übertragene Infektionserkrankung ist die Anaplasmose. Der Erreger dieser Erkrankung wird – neben zahlreichen anderen CVBDs – durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), eine weit verbreitete Zeckenart – neben Deutschland auch am Mittelmeer und in Nordwesteuropa, auf Hunde, selten auf Menschen, übertragen. Der Erreger der so bezeichneten Granulozytären Anaplasmose ist das Bakterium Anaplasma phagocytophilum, das sich in den neutrophilen Granulozyten, also bestimmten weißen Blutzellen, einnistet. Mögliche Symptome sind Fieber, Anorexie, Myalgie, gestörte Blutgerinnung, (wechselnde) Lahmheiten und Gelenkentzündungen. In Deutschland tragen viele Hunde den Erreger der Anaplasmose in sich – zu Erkrankungen führen diese jedoch nicht grundsätzlich. Eine exakte Diagnose ist mittels PCR und ­Serologie möglich. Durch eine ­sofortige Antibiotika-Therapie (Doxycyclin) bessert sich die ­Symptomatik bei erkrankten Hunden schnell.

Gut vorbereitet in den Urlaub

Wer in den Ferien nicht auf die Gesellschaft seines Hundes verzichten will, sollte sich gut vorbereitet auf die Reise begeben. Damit der Urlaub von Anfang an entspannt verläuft, sind frühzeitig Vorkehrungen zu treffen beziehungsweise wichtige Informationen über länderspezifische Regelungen einzuholen. In manchem Urlaubsland gelten neben den üblichen Einreisebestimmungen noch Zusatzverordnungen, beispielsweise das Mitführen einer tierärztlichen Bescheinigung über durchgeführte Impfungen. Generell sollten Hundebesitzer wichtige Dokumente mitführen wie EU-Heimtierausweis, Impfausweis, Kranken- und Haftpflichtversicherungsnummer sowie die Visitenkarte des betreuenden Tierarztes.

Zum »tierischen« Reisegepäck gehören neben Alltäglichem wie Futter, Futternapf, Wasserflasche, Leine und Halsband, eventuell Kauknochen, Spielzeug, Decke sowie Gassi-Sets, aber auch Haut- und Fellpflegemittel inklusive Bürste oder Kamm, insbesondere dann, wenn ein Strand- oder Wanderurlaub geplant ist. Daneben darf natürlich die Reiseapotheke nicht fehlen. Diese sollte neben Materialien und Mitteln zur Erstversorgung bei kleineren »Unfällen« (siehe Tabelle) in ausreichender Menge speziell notwendige Medikamente, die eine regelmäßige Einnahme erfordern, beispielsweise bei Hunden mit Herzinsuffizienz, Diabetes oder Osteoarthrosen, enthalten. Nicht zu vergessen sind Mittel zur Abwehr und Abtötung von Parasiten wie Zecken.

In die »tierische« Reiseapotheke gehören:

  • Mildes Wunddesinfektionsmittel
  • Verbandsmaterial: Tupfer, Mull­binde, Heftpflaster, selbstklebende Binde, Polsterwatte, Schere
  • Wund- und Heilsalbe
  • Fieberthermometer (die normale Körpertemperatur beim Hund liegt zwischen 38 bis 39 ºC
  • Zeckenzange
  • Flohkamm
  • Pinzette, zum Beispiel zum Entfernen von Dornen
  • Kohletabletten und Elektrolytlösung als Erste Hilfe bei Durchfall
  • Augenspüllösung (speziell bei Strandurlaub)
  • Ohrenreiniger

Parasitenschutz von Anfang an

Um das Gesundheitsrisiko, beispielsweise durch von Zecken übertragene Erreger, für das Tier von Anfang an so gering wie möglich zu halten, helfen spezielle Schutzmaßnahmen gegen Parasiten. Insbesondere zur Verhinderung von Zeckenstichen und damit einer Übertragung von Krankheitserregern wie denen der Babesiose oder Anaplasmose dienen spezielle Wirkstoffe, die die Zecken nicht nur abtöten, sondern zuvor abwehren (repellieren). Auf diese Weise kommt es erst gar nicht zu einer Blutmahlzeit und damit zur Erregerübertragung durch eine Zecke. Häufig werden dazu sogenannte Spot-On-Produkte eingesetzt. Sehr effektiv schützt ein neues Polymermatrix-Halsband für Hunde mit den Wirkstoffen Imidacloprid und Flumethrin (Seresto®). Seine repellierende und akarizide Wirkung hält gegen Zecken bis zu acht Monate an. Idealerweise sollte der Hund das Halsband bereits vor Beginn der Zeckensaison tragen. Es wirkt neben Zecken auch gegen Flöhe und Haarlinge.

Da es trotz modernster Präparate keinen hundertprozentigen Schutz vor durch Parasiten-übertragenen Erkrankungen gibt, sollte ein Tierarzt nach dem Urlaub einen Gesundheitscheck beim Hund durchführen. So gibt es später auch keine bösen Überraschungen durch Folgen unliebsamer Reisebegleiter. Mit einer Blutuntersuchung kann der Tierarzt die häufigsten der mög­lichen Reisekrankheiten ausschließen. Dadurch erkennt er idealerweise einen Erregerkontakt noch vor Ausbruch der Erkrankung und kann somit frühzeitig effektive Behandlungsmaßnahmen einleiten. /

E-Mail-Adresse der Verfassers
S_Pachnicke(at)gmx.de