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Reiseimpfungen

Gefährlichen Infektionen vorbeugen

05.06.2014
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Von Clara Wildenrath / Immer mehr Urlauber zieht es in der schönsten Zeit des Jahres in die Ferne. Dort warten aber nicht nur Traumstrände, Sonne und fremde Kulturen, sondern oft auch zahlreiche Krankheitserreger. Rechtzeitiges Impfen schützt vor unliebsamen Reiseandenken in Form schwerer Erkrankungen.

Welche Impfungen vor einer Urlaubsreise notwendig und empfehlenswert sind, hängt nicht nur vom Ferienland ab. Eine wichtige Rolle spielt der Reisestil: Übernachtet und isst der Urlauber ausschließlich in gehobenen Hotels? Oder möchte er Land und Leute möglichst »hautnah« und auf eigene Faust kennenlernen? Auch die Jahreszeit, die Reiseroute und der individuelle Gesundheitszustand sind von Bedeutung. Manche Impfstoffe sind beispielsweise für Schwangere, Menschen mit einer Hühnereiweißallergie oder HIV-Infizierte nur eingeschränkt geeignet oder sogar kontraindiziert. Auch für Säuglinge und Kleinkinder sind nicht alle Impfungen zugelassen.

Wichtig ist, für die medizinischen Reisevorbereitungen genügend Vorlauf einzuplanen: Zwischen den einzelnen Impfungen müssen bei Lebendimpfstoffen oft gewisse Zeitabstände eingehalten werden. Spätestens vier bis sechs Wochen vor dem geplanten Urlaub sollte deshalb eine reisemedizinische Beratung beim Arzt oder bei einem Tropeninstitut (siehe Kasten ganz unten) stehen. Doch auch vor einem Last-Minute-Urlaub lassen sich noch einige Impfungen organisieren.

Standardimpfungen

Für die Gesundheit auf Reisen sind die Standardimpfungen nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI) noch wichtiger als daheim. Dazu gehören aktuell Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Poliomyelitis, Hepatitis B, Pneumokokken, Rotaviren, Meningokokken C, Masern, Mumps, Röteln und Varizellen, je nach Alter und Geschlecht auch Influenza und HPV (Humane Papillomviren). Viele Erwachsene wurden allerdings als Kind nicht gegen alle diese Erkrankungen geimpft. Oft fehlen auch notwendige Auffrischimpfungen. Deshalb sollte jeder Reiselustige rechtzeitig vor dem Urlaub prüfen (lassen), wie es um seinen Impfschutz bestellt ist. Denn: In vielen Urlaubsländern sind Erkrankungen wie Polio, Diphtherie oder Masern noch weit verbreitet und die Ansteckungsmöglichkeiten um ein Vielfaches höher als zu Hause. Die Kosten für die Standardimpfungen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Manche, beispielsweise die Hepatitis-B-Impfung, gelten jedoch nur bei Kindern als Standard-, bei Erwachsenen dagegen als Indikations- oder Reiseimpfungen.

Reiseimpfungen müssen die Krankenkassen laut Schutzimpfungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses nicht erstatten. Einige Kassen bezahlen sie dennoch zumindest teilweise – deshalb lohnt eine vorherige Nachfrage.

Gelbfieber

Das Gelbfieber-Virus ist in vielen tropischen und subtropischen Ländern verbreitet. Übertragen wird es durch Mückenstiche. Eine Infektion äußert sich meist durch Fieber, Gelbsucht und verstärkte Blutungsneigung. In etwa 15 Prozent der Fälle endet sie tödlich.

Viele Länder verlangen für die Einreise den Nachweis einer Gelbfieber-Impfung, wenn man aus einem Land mit Gelbfieberinfektionsgebieten kommt. Der Impfschutz setzt nach zehn Tagen ein und hält nach bisherigen Erkenntnissen lebenslang. Die Impfbescheinigung verliert ihre Gültigkeit jedoch nach zehn Jahren. Über die Impfpflicht hinaus empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Impfung für viele Länder in Zentralafrika sowie Mittel- und Südamerika. Durchgeführt wird sie nur in speziellen Gelbfieberimpfstellen. Bei etwa 10 Prozent der Geimpften kommt es nach vier bis sieben Tagen zu grippeähnlichen Symptomen, die aber meist schnell wieder vergehen, wie der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amts betont. Starke körperliche Belastungen, intensive Sonnenbäder und übermäßigen Alkoholgenuss sollte man in der ersten Woche nach der Impfung meiden. Das Risiko schwerer Nebenwirkungen wie Hirnentzündung oder Multiorganversagen steigt mit dem Alter, deshalb sind Gelbfieberimpfungen bei Über-60-Jährigen besonders kritisch abzuwägen.

Hepatitis

Die Hepatitis A ist eine besonders in den Tropen verbreitete Virusinfektion der Leber. Weil die Leber Gallenfarbstoffe nicht mehr abbauen kann, kommt es zur typischen Gelbfärbung des Augapfels und der Haut (Gelbsucht). Die Viren werden über den Darm ausgeschieden; anstecken können sich Reisende durch engen Kontakt mit Infizierten, durch verunreinigtes Wasser oder über Nahrungsmittel. In Ländern mit niedrigem Hygienestandard ist die Gefahr deshalb besonders groß. Nach zwei Impfdosen im Abstand von 6 bis 18 Monaten bleibt der Schutz mindestens zehn Jahre erhalten.

Hepatitis-B-Viren werden dagegen vor allem durch Geschlechtsverkehr übertragen, aber auch durch kontaminierte Blutprodukte oder Spritzen. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Teilimpfungen. Kinder erhalten sie entsprechend der Empfehlungen der STIKO im ersten Lebensjahr als Standardimpfung. Der Impfschutz hält nach bisherigen Erkenntnissen dann vermutlich lebenslang. Laut einer Studie des RKI hat jedoch nur jeder dritte Erwachsene mindestens einmal eine Impfdosis bekommen. Eine Neu- oder Auffrischimpfung gilt bei ihnen als Reiseimpfung.Hepatitis A und B sind außerhalb von Westeuropa, den USA und Australien in fast allen Ländern verbreitet.

Typhus

Jedes Jahr meldet das RKI in Deutschland 50 bis 100 Typhusfälle, die aus dem Ausland eingeschleppt wurden. Krankheitszeichen sind meist hohes Fieber, Durchfall und ein punktförmiger Hautausschlag. Schuld ist das Bakterium Salmonella typhi, das durch Fäkalien und verunreinigte Lebensmittel übertragen wird. Verbreitet ist es vor allem in Ländern mit Hygienemängeln. Es gibt einen Lebendimpfstoff zum Schlucken und einen Totimpfstoff zur Injektion. Der Schutz hält etwa drei Jahre. Wie der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amts mitteilt, wirken aber beide Impfstoffe nur bei etwa 70 Prozent der Impflinge zuverlässig. Unmittelbar vor bis drei Tage nach der Schluckimpfung darf der Patient keine Antibiotika, Sulfonamide, Malariamittel oder Abführmittel einnehmen.

FSME

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine fieberhafte Virusinfektion der Hirnhäute. Bei 10 bis 30 Prozent der Erkrankten bleiben dauerhafte Schäden am Zentralnervensystem zurück. Im Jahr 2013 verzeichnete das RKI in Deutschland 420 Erkrankte, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

Infizierte Zecken übertragen das FSME-Virus auf den Menschen. In Risikogebieten rät die STIKO allen zeckenexponierten Personen zur Impfung: Dazu zählen viele Regionen in Süddeutschland, aber auch einige nord- und osteuropäische sowie asiatische Länder. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfdosen mit inaktivierten FSME-Viren, danach muss alle drei bis fünf Jahre nachgeimpft werden.

Japan-Enzephalitis

Auch die Japan-Enzephalitis ist eine virusbedingte Hirnhautentzündung. Sie kann asymptomatisch verlaufen; schwere Fälle enden jedoch oft tödlich oder hinterlassen bleibende Hirnschäden. Das Virus wird von tagaktiven Mücken übertragen, die in fast allen asiatischen Ländern verbreitet sind – vor allem in der Nähe von Reisanbaugebieten. Eine Impfung empfiehlt die WHO in erster Linie Rucksackreisenden, die während der Mückensaison in ländlichen Gebieten unterwegs sind. Der 2009 zugelassene Totimpfstoff, der in zwei Teildosen verabreicht wird, gilt als gut verträglich.

Meningokokken

Nach den STIKO-Empfehlungen sollen alle Kinder im zweiten Lebensjahr gegen Meningokokken der Serogruppe C geimpft werden. Urlauber treffen unter Umständen jedoch auch auf Meningokokken anderer Serogruppen. Eine Meningokokken-Meningitis äußert sich durch plötzliche starke Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit und Nackensteifigkeit. Sie wird durch direkten Kontakt mit infizierten Personen übertragen. Vor allem im sogenannten Meningitis-Gürtel südlich der Sahara kommt es in den Wintermonaten immer wieder zu größeren Ausbrüchen. Gefährdet sind Reisende mit engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung – zum Beispiel auch bei einer Pilgerreise nach Mekka. In diesen Fällen raten WHO und STIKO zur Impfung mit einem tetravalenten Impfstoff gegen die Serogruppen A, C, Y und W-135. Damit sind die meisten gängigen Meningokokken-Typen abgedeckt.

Cholera

Die Cholera ist eine bakterielle Durchfallerkrankung, die hauptsächlich in Entwicklungsländern Afrikas und Asiens vorkommt. Die Ansteckung erfolgt meist über verunreinigtes Trinkwasser oder Lebensmittel. Gefährlich ist die Erkrankung vor allem für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, etwa durch Mangelernährung. Das Ansteckungsrisiko ist für Reisende extrem gering, solange sie die üblichen Hygieneregeln (siehe Kasten) beachten. Eine Impfung halten deshalb sowohl die WHO als auch das Auswärtige Amt in den meisten Fällen für entbehrlich.

Hygieneregeln auf Reisen

  • Cook it, peel it, or forget it
  • Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte grundsätzlich nur durchgegart verzehren
  • rohes Obst und Gemüse schälen, Speiseeis und frischen Salat meiden
  • nur sicheres Trinkwasser aus ­Flaschen mit intaktem Verschluss verwenden (auch zum Zähne­putzen); auf Eiswürfel verzichten
  • Fliegen von Lebensmitteln ­fernhalten
  • auf ausreichenden Mückenschutz achten
  • nicht in stehenden Gewässern baden (Wurmlarven übertragen Bilharziose)
  • bei sexuellen Kontakten unbedingt Kondome benutzen
  • Wildtiere auf Abstand halten

Tollwut

Das Tollwut-Virus wird über den Speichel infizierter Säugetiere übertragen, zum Beispiel durch einen Biss oder durch Abschlecken verletzter Haut. Unbehandelt verläuft die Erkrankung beim Menschen fast immer tödlich. Die WHO schätzt, dass weltweit jährlich etwa 55 000 Menschen an Tollwut sterben – die meisten in Afrika und Asien. Wer einen Abenteuerurlaub mit vielen Outdoor-Aktivitäten in einem Hochrisikoland plant, dem empfiehlt die WHO eine vorbeugende Impfung. Auch unmittelbar nach einer tollwutverdächtigen Bissverletzung (postexpositionell) kann noch eine aktive und passive Immunisierung erfolgen. Allerdings fehlt in vielen Risikogebieten die dafür notwendige medizinische Infrastruktur, und auch die erforderlichen Immunglobuline sind oft nicht vorhanden.

Malaria

Jedes Jahr registriert das RKI etwa 500 Malariafälle in Deutschland – meist »Importe« aus afrikanischen Ländern. Die Erreger sind einzellige Blut­parasiten, sogenannte Plasmodien. Übertragen werden sie durch die weibliche Anopheles-Mücke. Sorgfältiger Schutz vor Mückenstichen, besonders in der Dämmerung und nachts, trägt deshalb wesentlich zur Infektionsprophylaxe bei.

Gegen Malaria ist derzeit noch kein Impfstoff zugelassen, klinische Studien laufen jedoch bereits (lesen Sie dazu auch: Tropenkrankheit: Update Malaria). Reisende in Hochrisikogebiete sollten sich laut WHO durch eine medikamentöse Prophylaxe schützen. Dafür stehen verschiedene Substanzen zur Verfügung. Welche der Arzt im Einzelnen empfiehlt, hängt von bekannten Resistenzen der Erreger im Reiseland und von möglichen Kontraindikationen ab. Ein ausreichender Schutz ist aber nur gewährleistet, wenn der Urlauber die Medikamente genau nach Vorschrift regelmäßig (täglich oder wöchentlich) einnimmt und – je nach Substanz – dies bis zu vier Wochen nach der Heimkehr fortsetzt.

Die Mitnahme von Standby-Notfallmedikamenten anstelle der Chemoprophylaxe empfiehlt die WHO nur in Gegenden oder Reisezeiten mit geringerem Malariarisiko. Die Krankheitszeichen einer Malaria sind relativ unspezifisch: Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Sicherheit bei der Selbstdiagnose bietet ein mitgeführter Malaria-Schnelltest aus der Apotheke. In jedem Fall sollte der Reisende Diagnose und Behandlung möglichst schnell ärztlich absichern.

Weder Prophylaxe noch Selbstmedikation bieten einen 100-prozentigen Schutz vor der Erkrankung. Jeder Fieberanfall bis zu drei Monate nach einer Reise in ein malariagefährdetes Gebiet sollte deshalb unbedingt medizinisch abgeklärt werden, mahnt die WHO. Unbehandelt ist insbesondere die südlich der Sahara verbreitete Malaria tropica lebensbedrohlich. In den letzten Jahren traten auch immer wieder Fälle einer auf den Menschen übertragenen »Affen-Malaria« (Malaria knowlesi) in Regenwäldern Südostasiens auf, die ebenfalls oft tödlich endet.

Gegen viele andere Infektionskrankheiten, die in tropischen und subtropischen Ländern vorkommen, gibt es bisher noch keine Impfung: etwa gegen Dengue-Fieber, Bilharziose, Brucellose oder Hantavirus-Infektionen. Minimieren lässt sich die Ansteckungsgefahr, wenn die Reisenden unterwegs einige wichtige Hygieneregeln (siehe Kasten weiter oben) einhalten. Treten nach dem Urlaub unklare Beschwerden oder Fieber auf, sollte der Arzt unbedingt auf die zurückliegende Reise hingewiesen werden. /

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