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Tosolin

Neuheit beim Sonnenschutz

05.06.2014  13:04 Uhr

Von Christiane Berg, Hamburg / Schutz plus natürliche Bräune: Das verspricht ein neuer Wirkstoff in Sonnenschutzmitteln. Die Substanz Tosolin soll die Bräunung der Haut verstärken und dadurch ihren Eigenschutz erhöhen.

Tosolin, erklärte der Apotheker Dr. Peter Hansen auf einer Presse­veranstaltung des Unternehmens Stada in Hamburg, schlage »quasi zwei Fliegen mit einer Klappe«. Der Wirkstoffkomplex aus natürlichen Biopolymeren bestehend aus Beta-Glucan, Glucomannan und Hyaluronsäure, ist wirksamer Bestandteil der neuen Produktserie »Schutz und Bräune Plus« des Sonnenschutz-Sortimentes Ladival der Stada Arzneimittel AG. Studien zufolge steigert die Substanz die Melaninbildung in den Melanozyten der tiefen Schichten der Oberhaut. Dadurch werde die hauteigene Pigmentierung angekurbelt. Dies führe nicht nur zu attraktiver Bräune sondern auch zu einer deutlichen »Photoprotektion«, einer Stärkung des Eigenschutzes der Haut vor den schädlichen Auswirkungen der Sonne. Durch diese Eigenaktivität der Haut gewährleisteten moderne Sonnenschutzmittel mit Tosolin gemeinsam mit UVA- und UVB-Filtersystemen noch mehr Sicherheit, sagte Hansen, der Leiter der Produktentwicklung bei Ladival ist.

Schutz durch Bräune

Die Haut werde gemäß Wirksamkeitstests in vitro und in vivo intensiver und schneller gebräunt. Die gesunde Farbe halte länger an. »Wir haben feststellen können, dass Tosolin die natürliche Hautbräune um zehn Tage verlängert«. Und: »Überraschend sind erstmals auch Personen braun geworden, die sonst stets blass geblieben sind«, sagte Hansen.

Um Irrtümer auszuschließen, betonte Hansen, dass es sich bei Tosolin keinesfalls um einen Selbstbräuner handelt. Diese enthalten zumeist Dihydroxyaceton (DHA) – einen Stoff, der nur oberflächlich mit Proteinen und Aminosäuren der Hornschicht reagiert. Bei der Anwendung von Selbstbräunern färbe sich die Haut »wie ein angeschnittener Apfel, der mit Sauerstoff in Berührung kommt«, nach und nach dunkel, ohne jedoch Schutzmechanismen zu entfalten, erklärte der Apotheker.

Zwar sei die Haut grundsätzlich nicht wehrlos und bei gemäßigter Sonnenbestrahlung selbst zur kurzfristigen Melaninsynthese und Ausbildung einer Lichtschwiele entsprechend einem Lichtschutzfaktor (LSF) 2 bis 4 fähig, so Hansen. Doch sei dieser Eigenschutz erst nach zwei bis drei Wochen aufgebaut und zudem abhängig vom Pigmentierungstyp. Menschen mit heller oder blasser Haut, grünen oder blauen Augen beziehungsweise rötlichen oder blonden Haaren (Typ I und II) haben zudem kürzere Eigenschutzzeiten als Menschen mit dunklerem Teint beziehungsweise dunkelbraunen bis schwarzen Augen oder Haaren (Typ III und IV). Ihre Haut muss daher besonders geschützt werden – allemal, wenn sie großen Strahlenbelastungen ausgesetzt ist, sagte der Dermopharmazeut.

Schäden durch Strahlen

Ohne die Sonne gäbe es kein Leben auf der Erde. Ihre gewaltige Glut kann für den Menschen jedoch auch zur Gefahr werden. Wie groß diese ist, zeigt der Vergleich, dass der Feuerball pro Sekunde mehr Energie freisetzt als alle Kernkraftwerke der Erde in 800 000 Jahren.

Bekannt ist, dass die Sonnenstrahlung im ultravioletten Bereich für Akutschäden der menschlichen Haut verantwortlich ist. Diese Strahlung liegt bei Wellenlängen von 290 bis 320 nm und somit also im kurzwelligen Strahlungsbereich (UVB). UVB-Licht gelangt bis in die Basalschicht der Epidermis und kann mit Sonnenbränden einhergehen, die Verbrennungen ersten Grades gleichen. Gleichermaßen kann UVB-Strahlung zu Hautkrebs, Schädigungen der Zellkerne mit Veränderungen der DNA, Immunsuppression (Lippenherpes) oder Augenschäden wie Hornhauterythemen führen.

Die Entstehung chronischer Lichtschäden und -dermatosen wird hingegen überwiegend auf die Einwirkung von Strahlung im UVA-Bereich von 320 bis 400 nm zurückgeführt. Die langwelligeren UVA-Strahlen dringen sehr viel tiefer bis in die Lederhaut vor, deren Elastizität und Wasserbindungsfähigkeit verloren geht. Es kommt zur Hautalterung und Faltenbildung, aber auch zu indirekten DNA-Schäden durch freie Radikale.

Noch weiter, bis in die Subkutis der Haut, können Infrarot-A-(IR-A)-Strahlen (760 bis 1400 nm) gelangen. Auch sie begünstigen eine vorzeitige Hautalterung, da sie in den Hautzellen die Expression von Matrixmetalloproteinasen (MMP-1) veranlassen. Die Enzyme katalysieren den Abbau von Kollagen und Elastin, was zu einem Abnahme von Bindegewebsfasern führt.

State of the art

Obwohl ein Drittel der solaren Energie auf der Erdoberfläche Infrarot-A-Strahlung ist, wurde ihr hautschädigendes Potenzial erst spät erkannt. Hansen betonte, dass dem »State of the art« gerecht werdende Sonnenschutz-Präparate heute daher sowohl gegen UVA und UVB als auch gegen IR-A-Strahlen schützen müssen. Die Wahl des Lichtschutzfaktors, dessen Bandbreite von 6 bis 50 + reicht, richtet sich dabei nach Hauttyp, Aufenthaltsort und Aufenthaltsdauer der Sonne.

Die Formulierung von Sonnenschutzprodukten gilt als große dermopharmazeutische Herausforderung, da ihre galenischen Eigenschaften auf die UV-Filter abgestimmt werden müssen. So muss beim Einsatz organischer UV-Filter wie Ethylhexyl-Triazon oder Bis-ethyloxyphenol-methoxyphenyl-Triazin, die das energiereiche Sonnenlicht absorbieren und durch Umwandlung in Wärmestrahlung abschwächen, in der Regel eine Produktgrundlage gewählt werden, in der sich die Filtersubstanz vollständig löst. Anorganische mineralische Filter – Mikropigmente wie Titandioxid und Zinkoxid – reflektieren das Licht auf der Hautoberfläche wie ein Spiegel. Bei ihrer Verarbeitung sind Wechselwirkungen mit anderen Inhaltsstoffen der Zubereitung zu vermeiden, da es ansonsten zu Produktverfärbungen oder Agglomerationserscheinungen kommen kann. Es versteht sich von selbst, dass die spezifischen Schutzmittel außerdem stets den individuellen Besonderheiten der Haut ihres Anwenders gerecht werden müssen.

Bereits 1984 brachte Stada ein fett- und emulgatorfreies Sonnenschutzmittel gegen die damals so gefürchtete Mallorca-Akne auf den Markt. War dieses Produkt zu Anfang noch extrem klebrig, so entwickelte das Unternehmen in den Folgejahren ein spezifisches, nicht pappiges Hydrodispersionsgel ohne Fett und Emulgatoren, das noch heute in den Produkten für allergische Haut zu finden ist. 1992 folgte eine spezielle Rezeptur für Menschen mit empfindlicher Haut, die pflanzliche Wirkstoffe, insbesondere Kokosöl, enthielt. Zum Ausgleich von Irritationen durch die UV-Belastung kommen heute auch hautberuhigende und epithelisierungsfördernde Wirkstoffe wie Dexpanthenol zum Einsatz.

Speziell für Kinder

Die Haut vergisst nie: Aufgrund der Gefahr von Spätschäden und maligner Melanome ist es besonders wichtig, Sonnenbrände im Kindesalter zu vermeiden. Seit 1994 bringt Stada bereits Sonnenschutzpräparate für diese spezielle Zielgruppe auf den Markt, die die sensible Kinderhaut schützen soll. Die bei dem Bad Vilbeler Unternehmen speziell entwickelten, spezifisch abgestimmten Filterkombinationen aus synthetischen Filtern und Mikropigmenten sind auch bei kindlicher Neurodermitis geeignet. In einer Studie mit 222 Kindern im Alter von zwei bis 13 Jahren attestierten Eltern und Ärzte in 90 Prozent der Fälle eine gute Verträglichkeit. Auch die Zahl der Neurodermitis-Schübe hat im Untersuchungszeitraum deutlich abgenommen.

Enzym repariert DNA

Hansen hat gemeinsam mit Professor Dr. Jean Krutmann von der Hautklinik der Universität Düsseldorf auch gezeigt, dass DNA-Reparatur-Enzyme der Alge, sogenannte Photolyasen, durch UVB-Strahlung hervorgerufene DNA-Schäden der menschlichen Hautzellen zur Regeneration anregen können. Seit 2001 gibt es ein medizinisches Sonnenschutzmittel mit diesem Inhaltsstoff.

Seit 2007 wird außerdem ein von Krutmann entwickelter spezifischer IR-A-Schutz mit Antioxidanzien wie Ubiquinon (Coenzym Q10) und Tocopherol eingesetzt. Krutmann konnte nachweisen, dass dieser Zellschutzkomplex die durch IR-A-Strahlung hervorgerufene vermehrte Produktion von MMP-1 in der menschlichen Haut signifikant mindern kann.

Ob normale, empfindliche, allergische, reife oder kindliche Haut, Gesicht, Körper oder Lippen, Sonnen- oder Kälteschutz, Milch, Creme, Fluidum oder Spray: Hansen hob hervor, dass die Sortimentsbreite von Ladival das Ergebnis jahrzehntelanger Entwicklungsarbeit ist. Alle Ladival-Produkte sind auch seit jeher frei von Polyethylenglykol-(PEG)-Emulgatoren sowie auch von Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen beziehungsweise Parabenen. /