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Tropenkrankheit

Update Malaria

05.06.2014
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Von Verena Arzbach / Malaria ist in vielen Regionen der Welt noch immer ein großes Problem. Die Forschung im Kampf gegen die Infektionskrankheit läuft auf Hochtouren: Wissenschaftler wollen Malaria mit einem Impfstoff und genmanipulierten Mücken bekämpfen.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich im Jahr 2012 weltweit 207 Millionen Menschen mit Malaria infiziert. 627 000 Erkrankte starben, hauptsächlich Kinder unter fünf Jahren. Nach Angaben der WHO ist die Infektionsgefahr aber in 19 von 97 Ländern, in denen 2013 noch Menschen an Malaria erkrankten, dort bald gebannt. Ein weiterer Erfolg: In den vergangenen Jahren erklärte die WHO die Vereinigten Arabischen Emirate, Marokko, Turkmenistan und Armenien für Malaria-frei.

Langfristig möchte die WHO Malaria komplett ausrotten. Die Organisation hat dazu einen Leitfaden publiziert, der die Länder dabei unterstützen soll. Viele Regionen scheinen auf dem rechten Weg zu sein, denn die Zahl der Todesfälle sank in den Jahren von 2000 bis 2012 um 42 Prozent. In Afrika starben fast 50 Prozent weniger Menschen an Malaria.

Malaria-Erreger

Dennoch: Von einer kompletten Ausrottung kann noch lange keine Rede sein. Malaria ist nach wie vor eine gefährliche Erkrankung, die tödlich enden kann. Der gefürchtete Erreger ist der einzellige Parasit Plasmodium, den nur bestimmte Anopheles-Mücken übertragen. Vier Spezies des Parasiten sind für den Menschen pathogen: Plasmodium falciparum (verursacht Malaria tropica), Plasmodium vivax, Plasmodium ovale (beide verantwortlich für Malaria tertiana) und Plasmodium malariae (überträgt Malaria quartana). Die gefährlichste Form ist die Malaria tropica, die ohne Behandlung schnell lebensbedrohlich verlaufen kann.

Sticht ein infiziertes Anopheles-Weibchen einen Menschen, gelangen die Plasmodien als Sichelkeime (Sporozoiten) in die Blutbahn. Der Mensch spürt zunächst meist nur ein leichtes Jucken oder Brennen wie bei einen normalem Mückenstich. In seinem Körper vermehren sich die Erreger aber ziemlich rasant: Die Sporozoiten nisten sich in der Leber ein. Dort wachsen sie zu vielkernigen Gebilden, den sogenannten Schizonten, heran. Nach nur wenigen Tagen spalten sich die Schizonten wiederum in viele einkernige Zellen. In diesem Stadium heißen die Plasmodien Merozoiten (siehe Grafik). Bei den Spezies Plasmodium vivax und Plasmodium ovale gelangen nicht alle Merozoiten in die Blutbahn. Ein Teil bleibt als Hypnozoiten in den Leberzellen – häufig Monate oder Jahre. Irgendwann entwickeln sich die die Hypnozoiten dann aber doch zu Schizonten, werden freigesetzt und führen bei Patienten mit Malaria tertiana zu den typischen Rückfällen.

Die in die Blutbahn freigesetzten Merozoiten befallen schließlich Erythrozyten, die roten Blutkörperchen, und durchlaufen dort verschiedene Entwicklungsstadien. Am Ende platzen die Erythrozyten. Die neuen Merozoiten gelangen wieder in die Blutbahn und in rote Blutkörperchen. Ein Teil der Erreger entwickelt sich neben diesem Kreislauf zu einer geschlechtlichen Form, den Gametozyten. Diese können Anopheles-Mücken beim Blutsaugen aufnehmen und auf andere Menschen übertragen.

Bei der Zerstörung der Blutkörperchen werden Fieber-auslösende Stoffe (Pyrogene) freigesetzt und es kommt zu den typischen Fieberschüben. Malaria heißt deshalb auch Wechselfieber. Die Entwicklung des Erregers dauert unterschiedlich lange: Plasmodium vivax und Plasmodium ovale durchlaufen einen Entwicklungszyklus innerhalb von 48 Stunden. Dementsprechend leidet der Patient alle 48 Stunden unter einem Fieberschub.

Verwandlungskünstler

Dass die Plasmodien in so vielen verschiedenen Formen und Entwicklungsstadien im Körper auftreten, erschwert es dem Immunsystem, die Erreger in Schach zu halten. Kaum hat der Körper Antikörper gegen den Parasiten gebildet, ändert der sein Aussehen. Ein Großteil der erwachsenen Einwohner in Malaria-Risikogebieten hat sich bereits einmal mit Malaria infiziert und ist daher teilweise immun gegen die Plasmodien. Zwar können die Einwohner erneut an Malaria erkranken, meist jedoch nicht mehr so schwer. Bei Menschen, die sich noch nie mit Plasmodien infiziert haben, reichen die Abwehrkräfte jedoch oft nicht aus. Daher sind besonders Touristen in Risikogebieten gefährdet. Gerade bei Kindern, deren Immunsystem noch nicht ausgereift ist, verläuft die Erkrankung oft schwer.

Die wichtigste Maßnahme für Touristen ist der konsequente Mückenschutz mit Repellentien, langer Kleidung und Moskitonetzen. In Gebieten mit eher geringem Malariarisiko können Reisende Medikamente zur Notfall-Selbstbehandlung (Stand-by-Therapie) mit sich führen. In Gebieten mit höherem Risiko kann es sinnvoll sein, vor und während der Reise Medikamente zur Prophylaxe einzunehmen. Welche Variante in welchen Land und bei welchen Reisebedingungen sinnvoll ist, sollten Reisende mit ihrem Arzt besprechen.

Zur Vorbeugung oder Therapie bewährt haben sich beispielsweise die Kombinationen Atovaquon/Proguanil, Artemether/Lumefantrin, Dihydroartemisinin/Piperaquin sowie Mefloquin oder Doxycyclin als Monotherapie. Das Antibiotikum Doxycyclin ist in Deutschland aber nicht zur Malariaprophylaxe zugelassen. Chloroquin eignet sich nur in Gebieten, in denen die Erreger nicht gegen diesen Arzneistoff resistent sind. Bei einer schwereren Verlaufsform muss der Patient sofort auf einer Intensivstation versorgt werden. Achtung: Vom Einsatz homöopathischer Präparate zur Malariaprophylaxe raten Experten dringend ab! Damit gefährden Reisende unter Umständen ihr Leben.

Neue Möglichkeiten

Schon seit einigen Jahren arbeiten Wissenschaftler verstärkt an einer Impfung gegen Malaria. Nun könnte 2015 möglicherweise der erste Malariaimpfstoff auf den Markt kommen. Der schon in klinischen Studien getestete Impfstoff RTS,S enthält ein Protein des Malaria-Erregers Plasmodium falciparum sowie einen Wirkverstärker. Er soll dem menschlichen Immunsystem dabei helfen, Antikörper gegen Sporozoiten zu bilden, und verhindern, dass diese die Leber erreichen. Zudem soll er die T-Zell-Antwort verstärken, sodass bereits infizierte Leberzellen abgetötet werden.

Ein zweiter Ansatz im Kampf gegen die Tropenkrankheit ist möglicherweise ebenfalls erfolgversprechend. Eine britische Biotechfirma hat männliche Mücken genetisch so verändert, dass sie ein »Selbstmordgen« auf Weibchen übertragen. Dieses Gen ist nur für die stechenden Weibchen gefährlich. Wenn die freigesetzten Männchen sich mit Weibchen paaren, kreuzen sie das Gen in die Folgepopulation ein. Alle weiblichen Nachkommen sterben, denn Mücken mit dem vererbten Selbstmordgen produzieren große Mengen eines speziellen Proteins, bis ihr Stoffwechsel entgleist und sie sich selbst zerstören.

Mit einem ähnlichen Verfahren ist es Forschern bereits gelungen, auf der afrikanischen Insel Sansibar innerhalb einiger Jahre die Tse-Tse-Fliege und damit die von ihr übertragene Schlafkrankheit auszurotten. Ob diese Methode auch auf dem Festland zu Erfolg führt, bezweifeln manche Wissenschaftler. Relativ sicher scheint der Einsatz der männlichen Genmücken aber zu sein. Dass die Männchen das manipulierte Gen auf andere Tiere oder den Menschen übertragen, halten Experten für sehr unwahrscheinlich. /