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Blasenentzündung

Was tun, wenn’s brennt?

05.06.2014  13:04 Uhr

Von Ewelina Zmyslowska / Die Blasenentzündung gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Jede zweite Frau erkrankt mindestens einmal in ihrem Leben daran. Männer sind zwar seltener betroffen, bleiben aber auch nicht verschont.

Die Sonne scheint, blauer Himmel, schönstes Badewetter. Wer denkt da schon an eine Verkühlung oder an eine Blasenentzündung? Silvia Aschenbrenner aus München kennt den Zusammenhang und weiß, dass man im Sommer besonders leichtsinnig wird: »Da vergisst man einmal, den Bikini sofort nach dem Schwimmen zu wechseln, oder hat zu lange auf einem kalten Steinboden gesessen, und schon ist es passiert.« Am nächsten Tag zwingt ihre Blase sie etwa alle 20 Minuten auf die Toilette. Das Wasserlassen wird zur Herausforderung. »Durch den häufigen Toilettengang kommen zwar nur wenige Tropfen heraus, aber jeder einzelne brennt«, schildert die Münchnerin die typische Symptomatik einer unkomplizierten Harnwegsinfektion (HWI). Studien zufolge erkranken jährlich etwa 15 Prozent der 15- bis 39-jährigen Frauen mindestens einmal daran. Abhängig vom Infektionsort im Harntrakt unterscheiden Ärzte zwischen der akuten unkomplizierten Zystitis (Blasenentzündung) und der akuten unkomplizierten Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung).

Für 75 bis 95 Prozent aller Blasenentzündungen sind uropathogene Escherichichia-coli-Bakterien verantwortlich, die meist aus der eigenen Darmflora stammen. Andere Bakterienarten, zum Beispiel Staphylokokken, können ebenfalls eine Zystitis auslösen. Nur in seltenen Fällen liegt die Ursache in einer Pilz- oder Virusinfektion. Insgesamt hat über die Hälfte aller Frauen schon einmal eine HWI durchgemacht. Bei den Männern ist hingegen nur ein Bruchteil betroffen. Der Grund dafür ist die unterschiedliche Anatomie von Mann und Frau. Der Infektionsweg verläuft von unten nach oben – also durch die Harnröhre hindurch in die Blase. Da die Harnröhre bei Frauen lediglich 4 Zentimeter misst (bei Männern sind es 20 Zentimeter), müssen die Erreger nur einen kurzen Weg zurücklegen.

Wann zum Arzt?

Die gereizte Blasenwand löst nicht nur Schmerzen aus, sie reagiert auch empfindlicher auf Dehnungsreize und gibt dem Körper daher häufiger das Signal, die Blase zu entleeren. Dennoch verlaufen Blaseninfektionen in der Regel unkompliziert. Dr. Matthias Keller, Arzt am RoMed Klinikum Rosenheim, erläutert: »Gefährlich wird es nur, wenn es zu einem weiteren Aufsteigen der Bakterien in die oberen Harnwege und zu einer Nierenbeteiligung kommt.« Kommen Symptome wie Blut im Urin, Fieber, Flankenschmerzen und/oder Klopfschmerzen der Nierenlager hinzu, sollten die Betroffenen einen Hausarzt aufsuchen. Studien zufolge liegt das Risiko, dass sich die Blasenentzündung zu einer Nierenbeckenentzündung ausweitet, bei lediglich 2 Prozent. Schwangere, Kinder und Menschen mit Diabetes mellitus oder Immunschwäche sollten aber in jedem Fall frühzeitig einen Arzt konsultieren. »Auch bei gehäuft auftretenden Blasenentzündungen, mehr als zweimal pro Jahr, sollte ein Urologe aufgesucht werden«, rät Keller.

Männern, die über typische Symptome einer Blasenentzündung berichten, sollten PTA oder Apotheker ebenfalls empfehlen, sich sofort an einen Arzt zu wenden. »Blasenentzündungen bei Männern bedürfen in jedem Fall der Abklärung bezüglich der prädisponierenden Faktoren«, betont Keller. »Es muss untersucht werden, ob eine Harnröhrenenge, Vorhautverengung oder Prostatavergrößerung vorliegt.«

Entzündungen vorbeugen

Nach der ersten Infektion der unteren Harnwege kommt es bei etwa einem Viertel der Patientinnen zu einer erneuten Erkrankung der Blase, schreibt die Deutsche Nierenstiftung. Aschenbrenner leidet seit ihrem 17. Lebensjahr unter einer wiederkehrenden Zystitis. Früher wurde sie fast monatlich von einer Blasenentzündung geplagt. Mittlerweile kennt die Münchnerin die zahlreichen begünstigenden Faktoren einer Harnwegsinfektion und weiß, wie sie vorbeugen kann.

Das größte Risiko stellt der Geschlechtsverkehr dar, da dabei Darmbakterien aus dem Analbereich leichter zur Harnröhre gelangen. Frauen sollten daher – wenn auch etwas unromantisch – sofort nach dem Geschlechtsverkehr auf die Toilette gehen. Auch die Verhütungsmethode hat Einfluss auf das Infektionsrisiko. Während Kondome vor Blasenentzündungen schützen, können Diaphragma, Spirale und Spermizide das Risiko erhöhen. »Ansonsten versuche ich, möglichst 2 bis 3 Liter pro Tag zu trinken, und auch meine Mode habe ich etwas angepasst«, erzählt Aschenbrenner. »Ich ziehe immer Oberteile an, die meinen Nieren- und Beckenbereich bedecken und wärmen.« Auch mit der richtigen Wischtechnik nach dem Stuhlgang – von vorne nach hinten – können Frauen Harnwegsinfekten vorbeugen. Cranberry-Präparate eignen sich ebenfalls zur Prophylaxe. Hier profitieren besonders Frauen, die sehr häufig Rezidive erleiden.

Antibiotika zur Therapie von

Schwangere, Frauen in und nach den Wechseljahren, Menschen mit einer Immunschwäche oder Diabetes mellitus sind besonders gefährdet, an einer Blasenentzündung zu erkranken. »Neben diesen Risikofaktoren scheint auch eine genetische Disposition eine Rolle zu spielen«, führt Keller die Liste fort. »Auch ein Harnwegsinfekt im Kindes- oder Jugendalter scheint eine erhöhte Anfälligkeit im Erwachsenenalter zu bedingen.«

Alternativen zu Antibiotika

Da die Zystitis meist durch Bakterien ausgelöst wird, ist ein Antibiotikum noch heute Mittel der ersten Wahl (siehe Kasten). »Das Resistenzniveau von Erregern unkomplizierter HWI hat sich in letzter Zeit signifikant erhöht«, mahnt Dr. Florian M.E. Wagenlehner im Deutschen Ärzteblatt und plädiert für eine umsichtige Verschreibung von Antibiotika. So ist laut aktueller S3-Leitline auch eine symptomatische Therapie ohne Antibiotika ebenfalls eine Behandlungsoption.

Senföle der Kapuzinerkresse und des Meerrettichs (in Angocin® Anti-Infekt N) können bei einem unkomplizierten HWI wirksam Hilfe leisten. Studien haben belegt, dass Senföle neben 13 verschiedenen, teilweise multiresistenten Bakterien auch Pilze und Viren abtöten. Da sie bereits im oberen Darmabschnitt ins Blut gelangen, belasten Senföle nicht die Darmflora und können auch vorbeugend eingenommen werden.

Tipps zur Vorbeugung einer Blasenentzündung

  • Viel trinken, mindestens 2 Liter pro Tag
  • Häufig zur Toilette gehen, um Keime auszuspülen, den Urin nicht zu lange einhalten
  • Nach dem Toilettengang von vorne (Scheide) nach hinten (After) abwischen, damit keine Bakterien vom After in die Harnröhre gelangen
  • Unterkühlung vermeiden. Nicht auf kalten Untergrund setzen, nassen Bikini oder Badeanzug nach dem Schwimmen wechseln; kalte Füße vermeiden
  • Nach dem Geschlechtsverkehr innerhalb von 15 Minuten die Blase entleeren
  • Kondome verwenden

»Blasen- und Nierentees enthalten unter anderem Bärentraubenblätter, denen eine antibakterielle Wirkung nachgesagt wird«, sagt Keller. Außerdem wirken die pflanzlichen Inhaltsstoffe häufig harntreibend. Goldrutenkraut löst zudem Krämpfe. Aber auch Brennnessel, Wachholder, Schachtelhalm, Birke und Orthosiphon können auf Grund ihrer harntreibenden Wirkung bei einer Blasenentzündung Linderung verschaffen. Doch nicht für jeden ist solch eine Trinkkur geeignet, warnt der Arzt: »Menschen mit einer Herzschwäche oder chronischen Nierenerkrankungen sollten die Trinkmengenrestriktion des behandelnden Internisten nicht missachten.«

Neben Blasen- und Nierentees stehen pflanzliche Präparate auch als Kapseln oder Lösung zur Verfügung. Das Präparat Canephron® enthält drei Heilkräuter: Rosmarin und Tausendgüldenkraut wirken entzündungshemmend, antibakteriell und entspannend auf die Blase. Liebstöckel hat darüber hinaus eine harntreibende Wirkung. Cystinol akut® Dragees und Cystinol® Lösung enthalten Bärentraubenblätter, Cystinol long® Hartkapseln Goldrutenkraut.

Aschenbrenner schwört auch auf altbewährte Hausmittel: »Wenn die Schmerzen wieder richtig schlimm werden, ist die gute, alte Wärmflasche oder das Kirschkernkissen nicht wegzudenken.« Die wohlige Wärme wirkt entspannend auf die verkrampfte Muskulatur und bringt auf sanfte Weise Linderung. /