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Katarakt

Sehen wie durch ein Milchglas

27.04.2015
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Von Brigitte M. Gensthaler / Weltweit erblinden die meisten Menschen aufgrund des grauen Stars, auch Katarakt genannt. Damit bezeichnen Augenärzte Krankheiten, bei denen sich die Augenlinse trübt.

In seltenen Fällen ist der graue Star angeboren, manchmal entsteht er auch infolge von Verletzungen des Auges, Diabetes oder nach langjähriger Einnahme von Corticosteroiden.

Die Augenlinse, die hinter der Regenbogenhaut durch feinste Fasern aufgehängt ist, besteht aus speziellen durchsichtigen Proteinen mit besonderen optischen Brechungseigenschaften. Die Linsenkapsel, eine feine durchsichtige Membran, umgibt die Augenlinse. Und eine weitere Besonderheit: Die Linse wird nicht von Blutgefäßen versorgt und enthält auch keine Nerven, da diese die Transparenz stören würden.

Auch die Linse altert

Der sogenannte Altersstar ist die mit Abstand häufigste Form der Katarakt. Mit zunehmendem Alter trübt sich die Augenlinse. Dann können Lichtstrahlen die Linse nicht mehr ungehindert passieren, sondern werden gestreut. Daher sehen die Betroffenen ihre Umgebung wie durch eine schmutzige Fensterscheibe. Viele Patienten berichten, dass sie bei ungünstigen Lichtverhältnissen leicht geblendet werden, Doppelbilder sehen, ihre Sehschärfe nachlässt und sie das Lesen mehr anstrengt. Oft verblassen Farben und Kontraste.

PTA und Apotheker sollten Kunden, die solche Beschwerden schildern, umgehend an den Augenarzt verweisen. Entwickelt sich eine Katarakt auf beiden Augen gleichzeitig, nehmen Patienten die meist schleichenden Veränderungen nicht richtig wahr. Das kann zum Beispiel beim Autofahren gefährlich werden.

Im späten Stadium der Katarakt sieht der Patient wie durch eine Milchglasscheibe. Unbehandelt schreitet die Erkrankung stetig fort, sodass die Menschen nur noch Schemen erkennen.

Therapie der Wahl

»Es gibt keine Evidenz für eine medikamentöse Prophylaxe der Katarakt«, betonte Professor Dr. Hansjürgen Agos­tini von der Uniklinik Freiburg beim Frühjahrskongress der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg im Schwarzwald. Dies gilt auch für die Therapie. Die einzig sinnvolle Behandlung sei die Operation. Dabei betäubt der Augenarzt das Auge zunächst örtlich, entfernt dann die getrübte Linse und setzt eine künstliche Linse (Intraokularlinse) ein.

Der Ophthalmologe wies auf die zunehmende Vielfalt an Kunstlinsen hin. Standard sind monofokale Linsen, die scharfes Sehen ohne Brille entweder in der Nähe oder in der Ferne ermöglichen. Heutzutage habe jede Linse einen UV-Filter, betonte Agostini. Als Premium-Linsen würden zum Beispiel Blaufilter-, multifokale oder torische Linsen angeboten. Über die jeweiligen Vor- und Nachteile müsse der Augenarzt mit dem Patienten sprechen.

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 600 000 Patienten – meist ambulant – wegen eines grauen Stars operiert. Im Allgemeinen ist dieser Eingriff sicher, 90 bis 95 Prozent der Patienten haben anschließend keine Probleme. Als wichtigste Komplikation nannte Agostini die Endophthalmitis. Hierbei handelt es sich im eine gefährliche Entzündung des Augeninneren. Patienten, bei denen sich nach der Operation das Auge rötet, müssten sofort zum Augenarzt. Ein anderes Problem sei der »Nachstar«, der mit Laserlicht korrigiert werden kann.

Bei neun von zehn Patienten bessert sich nach der Operation das Sehvermögen erheblich. Anders ist es, wenn zusätzlich weitere Augenkrankheiten vorliegen, beispielsweise eine altersabhängige Makuladegeneration (AMD), eine Netzhauterkrankung aufgrund eines Diabetes oder ein Glaukom. Diese Mehrfacherkrankungen nehmen zu, informierte Agostini.

Nach der OP zu beachten

Nach der Operation muss der Patient über Nacht einen Augenverband tragen. Am nächsten Tag kontrolliert der Arzt das Auge. Um Infektionen zu vermeiden, erhält der Operierte antientzündlich und antibiotisch wirkende Augentropfen.

In den nächsten Wochen soll der Patient Augenreizungen, zum Beispiel durch Wind, Überanstrengung und helles Sonnenlicht strikt meiden. Gleiches gilt für heftiges Reiben des Auges. Darauf kann auch das Apothekenteam den Patienten hinweisen. Bei Schmerzen, Sehverschlechterung, Lichtblitzen oder gerötetem Auge muss der Patient sich sofort zum Augenarzt oder zum augenärztlichen Notdienst begeben!

In der Regel ist das Auge nach sechs bis acht Wochen verheilt. Falls erforderlich erhält der Patient dann eine neue Brille. /