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Apotheker noch nicht am Ziel

09.05.2016
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Von Daniel Rücker / Fritz Becker ist nicht zu beneiden. Der ­Vor­sitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) kämpft seit Jahren für bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Apotheker und deren Angestellte. Obwohl die Forderungen des DAV in der Regel angemessen sind, ist es ein zähes Geschäft. Das belegte auch Beckers Rede zur Eröffnung des DAV-Wirtschafts­forums in Berlin.

Ein echter Aufreger ist für Becker ein gemeinsames Positionspapier der Gesundheitspolitiker von Union und SPD. Vor allem der Plan, bei teuren Arzneimitteln das Honorar für die Apotheke zu deckeln. Eigentlich erhalten die Apotheker zusätzlich zum Fixpreis von 8,35 Euro eine feste Spanne von 3 Prozent des Arzneimittelpreises. Bei sehr teuren Medikamenten kann also die Marge recht hoch sein. Auf der anderen Seite müssen die Apotheker teure Medikamente vorfinanzieren, deshalb sei der Vorschlag der Gesundheitspolitiker indiskutabel, so Becker. »Dieses Ansinnen ist nicht nur eine Provoka­tion für uns Apotheker, es ist schlichtweg eine Missachtung unserer Arbeit.« Es sei inakzeptabel, wenn die Regierungsfraktionen die auf Fixum und prozentuale Vergütung basierende und bewährte Mischkalkulation in Frage stellen.

Auch an anderer Stelle ist Becker noch nicht am Ziel seiner Wünsche angekommen. Die Apotheker hatten zwar im vergangen Jahr erreicht, dass der Rabatt an die Krankenkassen auf 1,77 Euro festgesetzt wird und die Apotheken damit mehr Planungssicherheit erhalten. Eine weitaus wichtigere Forderung hat die Bundesregierung aber bislang nicht erfüllt. Nach wie vor gebe es keinen verbindlichen Anpassungsprozess für das Apothekenhonorar, kritisierte der DAV-Vorsitzende. Stattdessen will das Gesundheits­ministerium in einem auf zwei Jahre festgesetzten Forschungsprozess die Modalitäten dafür entwickeln. Für die Apotheker bedeutet dies: Bis 2018 wird sich an ihrem Fixhonorar nichts ändern. Da sei es nur ein kleiner Trost, dass im Sommer die Honorare für ­Rezepturen und Betäubungsmittel-Versorgung angehoben werden sollen.

Trotz einiger Erfolge gibt es in Beckers Bilanz der vergangenen zwölf Monate viel Schatten. Dazu gehört auch der Nacht- und Notdienstfonds. Grundsätzlich sei dieser zwar ein Erfolg. Seit dessen Einführung hätten die Apotheker jedoch in keinem Jahr die zugesagten 120 Millionen Euro für diese Dienstleistung erhalten. Auch bei den Null-Retaxationen haben die Apotheker ihr Ziel noch nicht erreicht. In der zweiten Maihälfte findet vor der Schiedsstelle die vierte Verhandlungsrunde der Apotheker mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung statt. Die Apotheker hoffen auf eine Einigung.

Keine Exklusivverträge

Auch bei den Rabattverträgen sind die Apotheker noch nicht am Ziel. Immer wieder provozieren die Vereinbarungen zwischen Arzneimittelherstellern und Krankenkassen Lieferengpässe, die es den Apothekern und PTA schwer machen, ihre Patienten angemessen zu versorgen. Becker warb deshalb in ­seiner Rede dafür, die Kassen sollten anstelle von Exklusiverträgen mit nur einem Lieferanten pro Präparat Ausschreibungen mit mehreren Lieferanten starten. So ließen sich die bislang häufigen Lieferschwierigkeiten deutlich reduzieren. Wenn immer mindestens drei Bieter an einem Vertrag ­beteiligt würden, dann könnten die Apotheker »das Problem bei Rabattarzneimitteln fast vollständig ausräumen, sagte Becker.

Deutliche Kritik übte Becker auch an den Zytostatika-Ausschreibungen. Große Anbieter würden die lokalen Strukturen schnell zerstören. Der DAV-Chef sieht hier ernste Gefahren für die flächendeckende und ortsnahe Versorgung der Patienten. Für Becker steht deshalb fest: »Im Sinne der Pa­tienten und einer flächendeckenden Versorgung müssen Ausschreibungen von Zytostatika verboten werden.«

In seiner Rede ging Becker noch auf drei große Projekte der Apotheker ein: Medikationsplan, Armin und Securpharm. Beim Medikationsplan sind die Weichen gestellt. Die Apotheker haben immerhin erreicht, dass sie auf Wunsch des Patienten den Plan ergänzen können. Vollständig gleichberechtigt mit den Ärzten sind sie aber nicht. Bei ARMIN, der Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen sind die Vorarbeiten erledigt. In wenigen Wochen startet mit dem Medikationsmanagement die dritte Stufe des Modellprojektes. In der Spur ist laut Becker auch das Projekt Securpharm, mit dem in Zukunft Arzneimittelfälschungen zuverlässig erkannt und aus der Warenkette herausgenommen werden sollen. Bis zum Regelbetrieb werden noch drei Jahre vergehen. Damit liegt das Gemeinschaftsprojekt von Apothekern, Herstellern und Großhandel exakt im Zeitplan. Ab 2019 soll es dann einen maximalen Schutz vor Arzneimittelfälschungen geben. Becker betonte die Notwendigkeit eines Schutzes. ­Securpharm sei wichtig, obwohl in ­öffentlichen Apotheken so gut wie keine Fälschungen auftreten, sagt der DAV-Vorsitzende. Securpharm sei ­nötig, damit die Situation so bleibe, wie sie ist. /