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Glutamat unter Verdacht

09.05.2016  10:58 Uhr

Von Annette van Gessel / Manche Menschen scheinen besonders empfindlich auf Natriumglutamat zu reagieren, das als Geschmacksverstärker unter anderem in chinesischen Speisen häufig enthalten ist. 

Das sogenannte China-Restaurant-Syndrom beschrieb im Jahr 1968 erstmals ein US-amerikanischer Arzt, der nach Besuchen in Chinarestaurants regelmäßig unter diversen Beschwerden litt. Allerdings konnte der Zusammenhang bisher nie eindeutig bewiesen werden.

Nun waren Ärzte um Professor Bernd Kieseier in der Notfallaufnahme der Universität Düsseldorf mit einem aktuellen Fall konfrontiert: Ein 53-jähriger Mann hatte die Klinik aufgesucht, weil er wegen heftigen Schwindels nicht mehr selbstständig gehen konnte. Er berichtete, die Symptome seien 30 Minuten nach dem Verzehr scharfer chinesischer Würstchen aufgetreten. Durch eine ausführliche Diagnostik konnten die Mediziner mögliche Ursachen für den Schwindel wie Hirninfarkt oder einen Tumor ausschließen. Außerdem waren sie völlig überrascht, dass der Schwindel nach einer Stunde komplett verschwand. »Es wäre daher durchaus plausibel, wenn Natriumglutamat direkt auf das vestibuläre System einwirkt und Schwindel verursacht«, erläutern die Düsseldorfer Neurologen und verweisen auf die hohe Dichte von Delta-1-Glutamatrezeptoren vor allem im Bereich der inneren Haarzellen des Innenohres.

In den meisten EU-Ländern ist Glutamat als Geschmacksverstärker praktisch uneingeschränkt zugelassen, Tageshöchstdosen existieren nicht. Allerdings hat Deutschland den Zusatz von Natriumglutamat zu Babynahrung verboten. Verbraucher erkennen den Geschmacksverstärker an den E-Nummern E 620 bis E 625. /