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Markteinführung

Zwei Kinasehemmer, zwei Indikationen

09.05.2017
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Von Sven Siebenand / Anfang Mai kamen mit Alectinib (Alecensa® 150 mg Hartkapseln, Roche Pharma) und Tofacitinib (Xeljanz® 5 mg Filmtabletten, Pfizer) zwei neue Tyrosinkinase-Hemmer auf den deutschen Markt. Alectinib kann bei bestimmten Lungenkrebs-Patienten zum Einsatz kommen. Tofacitinib ist nach Baricitinib (Olumiant®), das im April in den Handel kam, der zweite Januskinase-Inhibitor mit der Indikation Rheumatoide Arthritis.

Januskinasen (JAK) spielen eine wichtige Rolle bei der Entzündung und Schädigung der Gelenke im Rahmen einer Rheumatoiden Arthritis (RA). JAK-Inhibitoren unterbrechen im Zellinneren den Signalweg dieser Enzyme.

Das Einsatzgebiet von Tofacitinib und Baricitinib ist in den Fachinformationen fast wortgleich formuliert. Ärzte dürfen die Kinasehemmer erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver Rheumatoider Arthritis verordnen, denen ein oder mehrere krankheitsmodifizierende Antirheumatika nicht geholfen oder die diese Arzneimittel nicht vertragen haben. JAK-Inhibitoren können Ärzte entweder als Monotherapeutikum einsetzen oder mit Methotrexat kombinieren.

 

Wie Baricitinib nehmen Patienten auch Tofacitinib oral ein. Die empfohlene Dosis beträgt zweimal täglich 5 mg. PTA und Apotheker können bei der Abgabe von Xeljanz darauf hinweisen, dass die Einnahme unabhängig von einer Mahlzeit erfolgen kann. Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung und Patienten mit mittelschwerer Leberfunktionsstörung sollten nur einmal täglich 5 mg erhalten. Falls der Patient unter Tofacitinib an einer schwerwiegenden Infektion erkrankt, muss die Behandlung so lange unterbrochen werden, bis die Infektion unter Kontrolle ist. Auch anomale Laborbefunde können den Arzt dazu veranlassen, die Therapie zu unterbrechen. Kontrain­diziert ist Tofacitinib bei Patienten mit aktiver Tuberkulose, schweren Infek­tionen wie Sepsis, schwerer Leberfunktionsstörung sowie bei Schwangeren und Stillenden. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und nach der Therapie mit Xeljanz mindestens vier Wochen lang zuverlässig verhüten Dass Tofacitinib durch CYP3A4 metabolisiert wird, spielt im Hinblick auf Wechselwirkungen eine wichtige Rolle: Erhalten Patienten starke Inhibitoren von CYP3A4, sollte die Tofacitinib- Dosis auf einmal täglich 5 mg reduziert werden. Dasselbe gilt bei Patienten, die gleichzeitig mindestens ein Arzneimittel einnehmen, das CYP3A4 mittelstark und CYP2C19 stark hemmt.

 

Vor Beginn der Therapie mit dem neuen JAK-Inhibitor sollte der Impf­status der Patienten entsprechend den aktuellen Impfempfehlungen auf den neuesten Stand gebracht werden. Der Hersteller empfiehlt, Lebendimpfstoffe nicht gleichzeitig mit Tofacitinib anzuwenden – eine solche Impfung sollte mindestens zwei, besser noch vier Wochen vor Therapiebeginn liegen.

 

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien während der ersten drei Monate waren Kopfschmerzen, Infektionen der oberen Atemwege, Nasopharyngitis, Durchfall, Übelkeit und Bluthochdruck. Als häufigste schwere Nebenwirkungen wurden im Zusammenhang mit Xeljanz schwere Infektionen wie Pneumonie, Gürtelrose und Harnwegsinfekte beobachtet.

Neue Therapieoption bei Lungenkrebs

Den Kinasehemmer Alectinib dürfen Ärzte zur Behandlung von Erwachsenen mit ALK-positivem, nicht kleinzel­ligem Bronchialkarzinom (NSCLC) einsetzen, wenn die Erkrankung fort­geschritten ist und die Patienten zuvor bereits mit dem seit 2012 verfügbaren Tyrosinkinase-Hemmer Crizotinib (Xalkori®) behandelt wurden. ALK ist eine Abkürzung für das Enzym Anaplastische Lymphom-Kinase. Diese Tyrosinkinase ist bei etwa 5 Prozent aller NSCLC-Patienten überaktiv und sorgt dafür, dass Krebszellen wachsen und sich vermehren. Wie Crizotinib und das 2015 eingeführte Ceritinib (Zykadia®) hemmt auch Alectinib das Enzym ALK und vermindert so Wachstum und Ausbreitung des Tumors.

 

Die empfohlene Dosis beträgt zweimal täglich vier Kapseln à 150 mg während einer Mahlzeit. Wer eine Dosis von Alecensa versäumt hat, kann diese nachholen, es sei denn, er muss die nächste Dosis innerhalb der nächsten sechs Stunden einnehmen.

Treten Nebenwirkungen auf, kann der Arzt die Dosis reduzieren oder die Behandlung vorübergehend aussetzen. In bestimmten Fällen muss er die Behandlung beenden. Der Hersteller empfiehlt, Alecensa bei Patienten mit mittlerer bis schwerer Leberfunktionsstörung nicht anzuwenden. Vor Therapiebeginn und unter der Behandlung sollte der Arzt regelmäßig die Leberfunktion des Patienten überprüfen sowie die Patienten grundsätzlich auch hinsichtlich pulmonaler Symptome, die auf eine Pneumonie hinweisen, überwachen. In der Fachinformation rät der Hersteller dazu, Patienten, die gleichzeitig starke CYP3A-Induktoren oder -Inhibitoren einnehmen, angemessen zu überwachen. PTA und Apotheker können die Patienten darauf hinweisen, dass sie während der Anwendung und noch mindestens sieben Tage danach auf längere Sonnenbäder verzichten und eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor auftragen, da der neue Kinasehemmer die Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht erhöht.

 

Patientinnen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit Alecensa und mindestens drei Monate nach der letzten Dosis wirksam eine Schwangerschaft verhindern. Aufgrund seines Wirkmechanismus kann Alectinib den Fetus schädigen. Tier­experimentelle Studien ergaben eine Reproduktionstoxizität. Werden Patientinnen dennoch während der Anwendung oder bis zu drei Monate nach der letzten Alecensa-Dosis schwanger, müssen sie ihren Arzt kontaktieren. Dieser wird sie dann auf die potenzielle Schädigung des Fetus hinweisen. Da ferner nicht bekannt ist, ob Alectinib und seine Metabolite in die Muttermilch übertreten, lässt sich ein Risiko für das Kind nicht ausschließen. Daher sollten Frauen während der Behandlung mit Alecensa nicht stillen.

 

Die am häufigsten registrierten Nebenwirkungen des neuen Wirkstoffs waren Verstopfung, Ödeme, Übelkeit und Muskelschmerzen. Die Patienten sollten den Hinweis erhalten, dass sie ihren Arzt über unerklärliche Muskelschmerzen, Druckempfindlichkeit oder Schwächegefühl informieren. /