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Plausibilitätsprüfung

Creme mit Erythromycin und Zinkoxid

08.05.2018
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Von Andreas Melhorn / Manche Rezepturformeln müssen mit Augenmaß bewertet werden. Liegen keine Untersuchungen zur Stabilität und Wirksamkeit vor, obliegt es der Apotheke, über die Machbarkeit des Rezepturarzneimittels zu entscheiden.

Eine PTA findet morgens das abgebildete Rezept im Labor der Apotheke vor. Die Kollegin, die es angenommen hat, notierte die Telefonnummer der Patientin und fügte einen Vermerk hinzu, die Creme solle am nächsten Tag abgeholt werden. Die PTA hat schon mit Erythromycin gearbeitet und weiß, dass die Stabilität des Antibiotikums häufig ein Problem darstellt. Mit Zinkoxid hat sie es noch nie kombiniert. Sie macht sich also zunächst daran, die Plausibilität zu prüfen.

Zinkoxid wirkt schwach antimikrobiell, antiphlogistisch, adstringierend und fördert die Wundheilung. Seltener wird es auch als Farbpigment eingesetzt. In wässrigen Lösungen beeinflusst es den pH-Wert. Die PTA erinnert sich, dass die Stabilität von Erythromycin stark vom pH-Wert abhängt. Das Zinkoxid wird die Stabilität der Creme also vermutlich negativ beeinflussen. Im Rezepturhinweis von »Zinkoxid« des DAC/NRF findet die PTA keine weiteren Angaben zu einer Kombination mit Erythromycin, sondern nur einen Hinweis auf den entsprechenden Rezepturhinweis des Antibiotikums.

 

Erythromycin kommt auf der Haut meist gegen Akne zum Einsatz. Eine äußerliche Anwendung bei Rosacea wird wegen der Gefahr einer Resistenzentwicklung und Sensibilisierung nicht mehr empfohlen.

 

Ein Blick auf die Spezifikationen der Rezeptursubstanz zeigt, dass der ­Gehalt mit minimal 93 Prozent recht niedrig ausfallen kann und darf. Der erlaubte Wassergehalt ist mit 6,5 Prozent angegeben. Früher wurden pauschal 10 Prozent zur Einwaage addiert. Dies ist heute überholt. Stattdessen wird für jede Charge der Einwaagekorrekturfaktor bestimmt und bei der Herstellung berücksichtigt.

pH-Wert nicht korrekt erfassbar

Die PTA liest, was sie erwartet hat: Die Stabilität von Erythromycin in der rezepturmäßigen Verarbeitung bereitet häufig Probleme. Sie findet bestätigt, dass der pH-Wert der Zubereitung eine entscheidende Rolle für die Stabilität spielt. Der Wirkstoff hat sein Wirk- und Stabilitätsmaximum im engen pH-Bereich von 8 bis 8,5. Der rezeptierbare Bereich liegt bei 7 bis 10. In wässriger und alkoholischer Lösung zersetzt sich das Antibiotikum recht schnell. In Cremes, in denen es teilweise suspendiert vorliegt, ist die Stabilität höher. Der Wassergehalt der Rezeptur wirkt sich ebenfalls stark auf die Stabilität aus, ebenso wie die Konzentration des Wirkstoffs, die beeinflusst, wie viel gelöst und wie viel suspendiert vorliegt.

 

Der pH-Wert müsste für die vorliegende Zubereitung eigentlich recht genau eingestellt werden. Die Bestimmung des pH-Wertes einer Zubereitung gestaltet sich in der Apotheke allerdings oft schwierig. Das DAC/NRF stellt einen eigenen Rezepturhinweis zur Verfügung, der sich mit der pH-Messung befasst. Bei hydrophilen Cremes ist es von Vorteil, wenn das Indikatorstäbchen zunächst mit Wasser befeuchtet wird und anschließend die Creme mehrere Minuten damit Kontakt hat. Doch auch dann bleibt die Bestimmung relativ ungenau und dürfte im vorliegenden Fall kaum ausreichen, da sowohl das Zinkoxid als auch das Erythromycin selbst Einfluss darauf haben. Generell wird darauf hingewiesen, dass freie Kombinationen von verschiedenen Rezeptursubstanzen kaum einschätzbar sind und aus diesem Grund zu Gunsten von standardisierten Rezepturen vermieden werden sollten.

 

Der Rezepturhinweis »Erythromycin« betrachtet verschiedene Kombinationen, die immer wieder gewünscht werden, und bewertet diese soweit wie möglich. Zinkoxid findet Erwähnung. Leider wurden für die Kombination keine Stabilitätsuntersuchungen durchgeführt. Das in Wasser basisch reagierende Erythromycin kann einen pH-Wert von 10 erzeugen, was von sich aus bereits über dem Optimum liegt. Ein Ansäuern erhöht allerdings die Löslichkeit und senkt damit wiederum die Stabilität.

 

Der Rezepturhinweis gibt an, dass eine Aufbrauchfrist von vier Wochen unter Umständen als plausibel angesehen werden kann. In diesem Fall sollte die standardisierte Rezepturvorschrift »Hydrophile Erythromycin-Creme 1 % / 2 % / 4 % (NRF 11.77.)« als Grundlage verwendet und Zinkoxid entsprechend zugemischt werden. Zink-Ionen sollen die Haltbarkeit von gelöstem Erythromycin erhöhen.

Nach Fakten entscheiden

Eine abschließende Beurteilung obliegt der Apotheke. Die PTA sucht die Vorschrift für die NRF 11.77. heraus. Basiscreme DAC dient dort ebenfalls als Grundlage. Die Creme wird mit Citronensäure-Lösung 0,5% angesäuert und mit Gereinigtem Wasser verdünnt. Ein Zusatz von Propylenglycol konserviert die Wasserphase. Auf die Verdünnung kann verzichtet werden, solange die Citronensäure-Lösung trotzdem zugesetzt wird. Die PTA bespricht sich mit dem diensthabenden Apotheker. Sie beschließen, den Dermatologen anzurufen und mit ihm zu klären, ob eventuell auf Zinkoxid verzichtet werden kann und ob die Verdünnung ein Problem darstellt. Der Arzt legt Wert auf das Zinkoxid, hat aber gegen eine Verdünnung nichts einzuwenden. Eine Aufbrauchfrist von vier Wochen sieht er als unproblematisch an. Die Patientin soll ohnehin zur Kontrolle kommen.

Die endgültige Rezeptur ist unten abgebildet. Eine Anpassung der Menge an Propylenglycol ist nicht notwendig.

Agglomerate vermeiden

Erythromycin neigt zur Agglomeratbildung und wird aus diesem Grund angerieben. Die Vorschrift benutzt hierfür die angegebenen Mittelkettigen Triglyceride. Laut Angaben des DAC/NRF hat es sich bewährt, die Grundlage nach dem Anreiben in größeren Teilen hinzuzugeben und nicht wie üblich in kleinen Anteilen. Die Vorschrift beschreibt, dass die Basiscreme DAC in zwei gleich großen Anteilen hinzugegeben werden soll. Gereinigtes Wasser und die Citronensäure-Lösung 0,5% werden anschließend wie gewohnt in kleinen Anteilen eingearbeitet. In der Inprozesskontrolle wird bei jedem Herstellungsschritt visuell auf Agglomerate geprüft. /

Neue Rezeptur

Erythromycin (mikrofein gepulvert)1,0 g Mittelkettige Triglyceride1,0 g Basiscreme DAC49,0 g Citronensäure-Lösung 0,5 %8,0 g Propylenglycol10,0 g Zinkoxid5,0 g Gereinigtes Wasserzu 100,0 g

2x täglich auf die betroffenen Stellen auftragen