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Selbstmedikation bei Fieber

Zäpfchen, Saft oder Wadenwickel

30.10.2008
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Selbstmedikation bei Fieber

Zäpfchen, Saft oder Wadenwickel

von Christiane Eickhoff

Fieber ist »nur« ein Symptom, oft Begleitrscheinung einer Erkrankung. Geht das Fieber eines Kindes schnell vorbei, innerhalb eines Tages oder einer Nacht, finden Eltern häufig anschließend die Ursache nicht heraus. Eine länger erhöhte Temperatur müssen sie ernst nehmen, denn das weist auf eine Erkrankung hin.

Die menschliche Körpertemperatur beträgt durchschnittlich 36,6°C, erst ab 38°C sprechen Mediziner von Fieber. Allerdings ist die Temperatur in den Körperregionen unterschiedlich. Als zuverlässigster Wert gilt die sogenannte Körperkern-Temperatur, die im After gemessen wird, bei Erwachsenen auch unter der Zunge. Unter der Achsel liegt die Körpertemperatur im Vergleich dazu im allgemeinen 0,2 bis 0,4°C niedriger. 

Bei jedem Gesunden schwankt die Körpertemperatur während des Tages um 0,5°C. Gegen 18 Uhr ist sie am höchsten und frühmorgens gegen 4 Uhr am niedrigsten. Manchmal ist die Körpertemperatur auch kurzfristig erhöht, zum Beispiel wenn Kinder herumgetobt haben oder zu warm gekleidet sind. Deshalb sollten Eltern bei einem zu hohen Wert die Temperatur eine halbe Stunde später noch einmal messen. Erst danach wissen sie, ob ihr Kind tatsächlich Fieber hat. 

Definition der Grenzen

Normaltemperatur: 36-37°C
erhöhte Temperatur: 37-38°C
Fieber: ab 38°C
hohes Fieber: > 39°C bei Erwachsenen und > 40°C bei Kindern

(Temperaturmessung im After)

Praxistipps zur Fiebermessung

Die zuverlässigste Art, Fieber zu messen, ist die Bestimmung im After. Dazu sollte das Thermometer etwa 1,5 cm tief eingeführt werden. Ein Tipp für die Praxis: Am besten die Spitze des Thermometers vorher mit etwas Vaseline bestreichen. Digitale Thermometer sind geeigneter, da die Messung schneller geht. In jedem Fall sollten Mutter oder Vater während der Messung sicherstellen, dass das Thermometer nicht verrutscht. 

Sehr beliebt ist die Messung der Temperatur im Ohr, da sie einfach und gut funktioniert und nur eine Sekunde dauert. Die Ergebnisse liegen etwa 0,5°C unter den im After gemessenen Werten. Wichtig: Bitte darauf achten, dass das Ohr etwas nach oben gezogen wird, damit das Thermometer ausreichend tief in den Gehörgang hineinreicht. 

Die Messung unter der Achsel ist bei Kindern zu ungenau, unter der Zunge zu messen, ist viel zu gefährlich. Kleine Kinder könnten auf das Thermometer beißen und sich dabei verletzen. 

Bei einem kranken Kind sollten die Eltern morgens und abends die Temperatur kontrollieren, bei hohem Fieber oder im Fieberanstieg besser häufiger. Jedoch sollten sie den kleinen Patienten nicht durch zu häufiges Fiebermessen quälen oder gar wecken.  

Fieber ist ein Zeichen dafür, dass sich der Körper mit Krankheitserregern auseinander setzt. Durch die Temperaturerhöhung laufen die biochemischen Prozesse schneller ab, die für die Abwehrreaktion der Erreger wichtig sind. Fieber ist also keine eigenständige Erkrankung, sondern eine sinnvolle und meist harmlose Reaktion des Körpers. Gerade in den ersten Lebensjahren haben Kinder häufig Fieber. Oft-verursachen unkomplizierte Erkältungen den Temperaturanstieg. Etwa in der Hälfte der Fälle sind virale Infekte die Auslöser; so sind denn folgende Krankheiten häufig der Grund für Fieber:

  • Blasenentzündung
  • Blinddarmentzündung
  • Bronchitis
  • Infekte der oberen Luftwege
  • Lungenentzündung
  • Magen-Darm-Infekte
  • Meningitis
  • Mittelohrentzündung
  • Pfeiffersches Drüsenfieber
  • Virusinfektionen (viele Kinderkrankheiten, zum Beispiel das Dreitagefieber)

Fieber nimmt alle Kraft 

Der Fieberanstieg ist von charakteristischen Symptomen begleitet: So wird die Haut schlechter durchblutet, um die Wärmeabgabe zu vermindern; die Haut färbt sich blass; Hände und Füße werden kalt. Der Körper erzeugt oft zusätzlich Wärme durch Muskelzittern, was sich in Schüttelfrost und Zähneklappern äußern kann. Friert ihr Kind, sollten die Eltern es in eine warme Decke packen und mit einer Wärmflasche versorgen. 

Fiebernde Kinder nörgeln häufig und haben keinen Appetit mehr. Das Fieber macht sie müde und schlapp. Viele klagen über schwere oder schmerzende Beine und Hände oder über Kopfweh. 

Fällt das Fieber, werden die kleinen Blutgefäße weit gestellt, um die Wärmeabgabe zu erleichtern. Die Haut rötet sich, und erwachsene Patienten schwitzen. Kinder und Säuglinge schwitzen dagegen nur wenig oder gar nicht, denn bei ihnen funktioniert die Wärmeregulation noch nicht so gut. Hier können Eltern dem Kind helfen, indem sie es von warmen Decken befreien und für eine kühle Raumtemperatur sorgen. Viele Kinder haben außerdem ständig Durst und sollten ausreichend Getränke erhalten. 

Fieberkrämpfe meist harmlos 

In seltenen Fällen treten Fieberkrämpfe auf, insbesondere bei sehr hohem Fieber oder einem raschen Fieberanstieg oder -abfall. Das Ereignis sieht dramatisch aus und beunruhigt Eltern meist zutiefst. Die betroffenen Kinder werden bewusstlos und verdrehen die Augen. Ihr Körper versteift sich und zuckt dann oft rhythmisch. Ein Fieberkrampf dauert normalerweise wenige Minuten. Die Kinder sind anschließend oft müde und erinnern sich an nichts mehr. Meist betrifft es Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. Das Wichtigste ist, in solchen Fällen die Ruhe zu bewahren und das Kind nicht allein zu lassen. Erbricht das Kind, sollten die Eltern es auf die Seite drehen. Anschließend muss ein Kinderarzt das Kind untersuchen. Notärztliche Hilfe ist nur erforderlich, wenn der Krampf länger andauert. 

Die meisten Fieberkrämpfe verlaufen unproblematisch. Die Eltern brauchen nicht zu befürchten, dass der Fieberkrampf das Gehirn dauerhaft schädigt. Die oft geäußerte Sorge, dass durch den Krampf ein Anfallsleiden (Epilepsie) ausgelöst wird, ist unbegründet. Wenn allerdings eine Disposition zur Epilepsie besteht, kann sich diese in einem Fieberkrampf erstmals äußern. 

Arztbesuch empfehlen

Eltern müssen nicht grundsätzlich den Arzt aufsuchen, wenn ihr Kind fiebert. Meist verschwinden die Beschwerden nach wenigen Tagen und ohne weitere Probleme von selbst. 

Ein Arztbesuch ist aber beispielsweise anzuraten bei: 

  • einer Temperatur über 39°C (rektal gemessen),
  • Fieber, das ohne erkennbare Ursache länger als drei Tage andauert, 
  • Säuglingen unter sechs Monaten, 
  • Fieber, das trotz Antibiotikatherapie länger als drei Tage andauert, 
  • Verschlechterung der Symptome innerhalb von einem Tag trotz fiebersenkender Maßnahmen, beispielsweise mit Paracetamol, 
  • weiteren Symptomen wie Hautveränderungen, Bauchschmerzen, anhaltendem Durchfall oder Erbrechen,
  • Fieber verbunden mit Schmerzen, zum Beispiel Kopfschmerzen bei Kindern unter sieben Jahren,
  • Fieber, das das Kind sehr schwächt und müde macht. 

Das Fieber mit Arzneimitteln zu senken, bessert zwar das Befinden des Kindes, es beschleunigt aber nicht die Gesundung, da die Arzneisubstanzen die Krankheitsursache nicht bekämpfen. Manchmal erschwert die Fiebersenkung jedoch die Diagnose des Kinderarztes. Nachteilig ist ebenfalls, wenn sich Kinder zu früh gesund fühlen und dann überanstrengen. Der Griff zum Arzneimittel sollte deshalb (wie immer) nicht automatisch erfolgen, sondern gut bedacht sein. 

Fiebersenkende Arzneimittel sollten die Eltern einsetzen, wenn das Kind bei hohem Fieber zunehmend erschöpft wirkt oder stark leidet, nicht mehr ausreichend trinkt und das Fieber länger anhält sowie wenn der Arzt die Arzneimittel angeordnet hat, zum Beispiel bei bekannten Fieberkrämpfen (ab 38,5°C, eventuell sogar früher). 

Selbstmedikation möglich

Eine Selbstmedikation sollte nur erfolgen, wenn die Eltern die Ursache des Fiebers kennen. Grundsätzlich sollten sie die Arzneimittel nur kurzfristig, das heißt maximal zwei bis drei Tage, in der vorgeschriebenen Dosierung anwenden. Reicht die Dosis nicht aus, sollten sie diese keinesfalls erhöhen, denn eine bessere Wirkung ist davon nicht zu erwarten. Stattdessen sollten sie einen Arzt aufsuchen. Dies gilt ebenfalls, wenn das Fieber nach 24 Stunden nicht nachlässt oder erneut auftritt. 

Für Kinder eignen sich Säfte und Zäpfchen besonders gut. Säfte sind einfach applizierbar und flexibel zu dosieren. Viele sind gesüßt, damit sie den kleinen Patienten besser schmecken. 

Zäpfchen werden möglichst nach dem Stuhlgang tief in den After eingeführt. Damit sie sich leichter einführen lassen, können Mutter oder Vater sie kurz unter warmes Wasser halten oder an der Spitze mit etwas Vaseline versehen. Zäpfchen sind hervorragend geeignet, wenn das Kind unter Übelkeit oder Erbrechen leidet. Ältere Kinder lehnen Zäpfchen jedoch oftmals ab. 

Am häufigsten werden zur Fiebersenkung Paracetamol und Ibuprofen angewendet. PTA oder Apotheker sollten daran denken, dass Ibuprofen für die Selbstmedikation erst ab einem Alter von sechs Monaten zugelassen ist. Für Fieber, das mit Schmerzen oder Entzündungen einhergeht, eignet sich Ibuprofen besser als Paracetamol. Außerdem wirkt Ibuprofen länger. 

Bei der Empfehlung eines der beiden Wirkstoffe sollten PTA oder Apotheker mögliche Kontraindikationen beachten, zum Beispiel Arzneimittelallergien oder andere Erkrankungen. Kleine Patienten mit Asthma oder Blutungsstörungen dürfen keine steroidalen Antirheumatika wie Ibuprofen einnehmen. 

ASS ist bei Kindern unter sieben Jahren für die Selbstmedikation nicht geeignet wegen der Gefahr eines Reye-Syndroms und gilt als Mittel der 2.Wahl. Die Arzneisubstanzen sollten immer nach dem Körpergewicht und nicht nach dem Alter dosiert werden, da Kinder gleichen Alters oft sehr unterschiedlich schwer und groß sind. 

Bei Ibuprofen liegt die orale Einzeldosis bei 7 bis 10 mg/kg Körpergewicht, die Maximaldosis pro Tag beträgt 30 mg/kg Körpergewicht, das Dosierungsintervall sollte sechs Stunden nicht unterschreiten. Die empfohlenen Dosierungen für die rektale Anwendung enthält die Tabelle 1.

Tabelle 1: Dosierungsempfehlungen für die rektale Anwendung von Ibuprofen

Dosierung Körpergewicht Alter Einzeldosis Anzahl Zäpfchen max. Tagesdosis Anzahl Zäpfchen (mg)
60 mg 6-7 kg
8-11 kg
5-8 Monate
9-12 Monate
1 3 (180 mg)
4 (240 mg)
75 mg 7,5-9 kg
10-12 kg
8-12 Monate
1-2 Jahre
1 3 (225 mg)
4 (300 mg)
125 mg 12,5-16 kg
17-20 kg
2-3,5 Jahre
3,5-6 Jahre
1 3 (375 mg)
4 (500 mg)
150 mg 15-19 kg
20-29 kg
3-5 Jahre
6-9 Jahre
1 3 (450 mg)
4 (600 mg)
600 mg > 60 kg 1 3 (1800 mg)

Paracetamol stand dieses Jahr im Fokus der Diskussion, nachdem aufgrund von Überdosierungen gehäuft akute Leberversagen bei Patienten auftraten. In der Folge hat die Zulassungsbehörde (BfArM) Packungen mit einem Gehalt von insgesamt mehr als 10 g Paracetamol der Verschreibungspflicht unterstellt.

Neue Dosierungen für Paracetamol

Außerdem wurden die Dosierungsempfehlungen herabgesetzt, um Überdosierungen zu verhindern. Wegen der bekannten Risiken müssen PTA oder Apotheker bei der Abgabe von Paracetamol immer auf die begrenzte Anwendungsdauer (maximal drei Tage) und die Notwendigkeit der richtigen Dosierung hinweisen. 

Bei Paracetamol liegt die orale Einzeldosis zwischen 10 und 15 mg/kg Körpergewicht, die Maximaldosis pro Tag bei 60 mg/kg Körpergewicht und das Dosierungsintervall sollte mindestens vier besser sechs Stunden betragen, bei rektaler Gabe bei unter drei Monate alten Säuglingen, die weniger als 3 bis 4 kg wiegen, sogar mindestens acht Stunden. Einzeldosis und maximale Tagesdosis für die rektale Anwendung siehe Tabelle 2.

Tabelle 2: Dosierungsempfehlungen für die rektale Anwendung von Paracetamol

Dosierung Körpergewicht Alter Einzeldosis Anzahl Zäpfchen max. Tagesdosis Anzahl Zäpfchen (mg)
75 mg 3-4 kg
4-5 kg
4 kg
5-6 kg
< 3 Monate
< 3 Monate
> 3 Monate
> 3 Monate
1
1
1
1
1 alle 8-12 Stunden
1 alle 6-8 Stunden
1 alle 6-8 Stunden
1 alle 6 Stunden
125 mg 7-8 kg
9-12 kg
6-9 Monate
9 Monate-2 Jahre
1
1
3 (375 mg)
4 (500 mg)
250 mg 13-16 kg
17-25 kg
2-4 Jahre
4-8 Jahre
1
1
3 (750 mg)
4 (1000 mg)
500 mg 26-32 kg
33-43 kg
ab 43 kg
8-11 Jahre
11-12 Jahre
1
1
1-2
3 (1500 mg)
4 (2000 mg)
8 (4000 mg)
1000 mg ab 43 kg ab 12 Jahren 1 4 (4000 mg)

Wadenwickel als Alternative 

Fieber lässt sich auch mit anderen Maßnahmen senken, beispielsweise mit Wadenwickeln. Diese erniedrigen die Körpertemperatur um circa 0,5°C. Dafür werden zwei Tücher mit 20°C warmem Wasser befeuchtet, mäßig ausgewrungen, locker um jeweils eine Wade gewickelt und darüber ein trockenes Tuch gelegt. Tipp für die Praxis: Die Bettdecke zurückschlagen, um die Verdunstung des Wassers und damit die Abkühlung zu ermöglichen. Keinesfalls dürfen die Wickel luftdicht verpackt werden, denn dann kann das Wasser nicht verdampfen und die Wickel wärmen. 

Die Wickel müssen etwa 20 Minuten lang am Bein verbleiben. Dann haben sie erfahrungsgemäß Körpertemperatur erreicht. Nach Bedarf können die Eltern die Wickel mehrfach erneuern. Wadenwickel sollten die Eltern nur dann anwenden, wenn das Kind warme Füße hat. Nicht jedem Kind ist die schnelle Fiebersenkung angenehm, manche reagieren mit Frieren oder Schüttelfrost. In diesem Fall müssen die Eltern die Wickel sofort entfernen. Alternativ helfen auch feuchte Baumwollsocken, über die trockene Wollsocken gezogen werden. 

Kinder mit Fieber haben schulfrei 

Bei leichtem Fieber sollten die Eltern das Kind nicht zwingen, im Bett zu bleiben. Kindergarten oder Schule sind jedoch tabu, schon wegen der möglichen Ansteckungsgefahr. Auch große Anstrengung und sportliche Aktivitäten sind für einige Tage verboten.

Kinder mit Fieber sollten sich ausruhen können. Das Fernsehen kann das Kind zwar ablenken, lässt es aber nicht zur Ruhe kommen. Um den erhöhten Flüssigkeitsbedarf zu decken, sollten die Eltern ihnen ausreichend Flüssigkeit anbieten, bevorzugt Wasser, ungesüßte Tees oder verdünnte Säfte. Der mangelnde Appetit vieler Kinder mit Fieber ist kein Anlass zur Sorge. Leichte fettarme Kost wie Nudeln, Suppen, Obst oder fettarmes Salzgebäck ist empfehlenswert, zum Glück essen die meisten Kinder diese Lebensmittel gerne.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
C.Eickhoff(at)abda.aponet.de