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Apothekertag

Angst um Arbeitsplätze

28.10.2010  14:58 Uhr

Apothekertag

Angst um Arbeitsplätze

Von Daniela Biermann, München / Beim Deutschen Apothekertag in München diskutierten die Apotheker untereinander und mit Politikern über die Zukunft der Pharmazie. Viele Inhaber fürchten aufgrund der geplanten Gesetze um ihre Apotheke – und damit geht es auch um mehrere tausend Arbeitsplätze.

»Stoppt den Raubbau an den Apotheken« – deutlich sichtbar hing die Forderung der pharmazeutischen Berufe an die Politiker im Plenarsaal während des Deutschen Apothekertags (DAT). Diese höchste Versammlung der Apothekerschaft findet jedes Jahr zeitgleich zur Expopharm statt. Die Abgeordneten der Apothekerkammern und -verbände des ganzen Landes kommen zusammen, um über bestehende Probleme bei der Arzneimittelversorgung zu diskutieren und richtungsweisende Entscheidungen für die Apotheken und ihr Personal zu treffen. Eingeladen sind auch immer Gesundheitspolitiker aller Bundestagsfraktionen. Dieses Jahr ging es zum Beispiel um den drohenden Nachwuchsmangel und darum, wie die pharmazeutische Betreuung ausgebaut werden kann.

Eine rundum gute und zeitintensive Beratung ist jedoch nur schwer möglich, wenn die wirtschaftliche Grundlage nicht stimmt. Und an dieser sägen aus Sicht der Apotheker derzeit die Politiker. Stichwort dazu ist das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz, kurz AMNOG. Es soll noch in diesem Jahr verabschiedet werden. Darin ist vorgesehen, rund eine halbe Milliarde Euro beim pharmazeutischen Großhandel einzusparen. Das entspricht einer Kürzung der Spanne um rund 40 Prozent. Die Apotheken sind dagegen nicht explizit genannt. Es würde sie aber trotzdem treffen, tritt das Gesetz in dieser Form in Kraft. Als Folge werde der Großhandel die Funktionsrabatte abschaffen, den Service einschränken und damit die Mehrbelastung an die Apotheker weiterreichen, sagte Heinz-Günter Wolf, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, in seinem Lagebericht.

 

Nach aktuellen Berechnungen der Steuerberatergesellschaft Treuhand Hannover würden die Einsparungen fast ein Drittel aller 21 500 deutschen Apotheken in Existenznöte bringen. Schon jetzt kämen rund 7 Prozent der Apotheken auf ein negatives Betriebsergebnis. Nach Berechnungen der Treuhand senkt die geplante Umstellung der Großhandels-Vergütung das Betriebsergebnis einer typischen Apotheke um 17 Prozent ab. Im Durchschnitt fehlen jeder Apotheke dann 23 000 Euro pro Jahr. Darunter kann der Service der Apotheken nur leiden, waren sich die Delegierten einig.

 

Beim Apothekertag versuchten die Apotheker, Politikern den Ernst der Lage näher zu bringen. Die Koalitionsvertreter Jens Spahn (CDU) und Ulrike Flach (FDP) reagierten zwar nur verhalten auf die Argumente der Apotheker, blieben jedoch diskussionsbereit. Dass gekürzt werden muss, sei unumgänglich, räumten die Apotheker ein. Die Frage sei nur, bei wem und in welchem Ausmaß. So kritisierten sie, dass ihnen Geld genommen wird, während die Ärzte mehr erhalten, wenn deren Zuwächse auch geringer sind als erwartet.

 

Arzneimittelsicherheit gefährdet

 

Die Apotheker beklagten weiterhin die ungleiche Konkurrenz durch den Versandhandel und, in einer speziellen Form, durch die Pick-up-Stellen. Vor allem in Drogeriemärkten können Kunden ihre Rezepte wie bei einer Fotobestellung einreichen und bekommen einige Tage später erst ihr Medikament. Eine Beratung ist nur per Telefon möglich und wird nicht aktiv angeboten. Zudem machen Pick-up-Stellen keinen Nacht- und Notdienst und stellen keine Rezepturen her – alles bei gleicher Vergütung pro Rezept. Die Apotheker sehen darin nicht nur eine Benachteiligung, sondern vor allem die Arzneimittelsicherheit in Gefahr. Sie forderten in einer Resolution erneut die Politik auf, Pick-up-Stellen zu verbieten. Ob dies noch im Zuge des AMNOG geschieht, ist jedoch fraglich. /

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