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Vaginalflora

Das gesunde Milieu erhalten

28.10.2010  15:39 Uhr

Vaginalflora

Das gesunde Milieu erhalten

PTA-Forum / Ähnlich wie in der Mundhöhle leben auch auf der Schleimhaut der Scheide zahlreiche Mikroorganismen in einem fein regulierten Gleichgewicht. Dieses »Ökosystem« reagiert sehr sensibel, zum Beispiel auf weibliche Sexualhormone. Ist die Balance durcheinander geraten, treten vermehrt Infektionen auf.

Auf der gesunden Vaginalschleimhaut siedeln hauptsächlich Milchsäurebakterien, auch Lactobazillen oder nach ihrem Entdecker Döderlein-Flora genannt. In deutlich geringerer Zahl befinden sich dort auch pathogene Keime wie Streptokokken, Clostridien und Pilzsporen von Candida albicans. Vaginalmykosen werden am häufigsten durch Candida albicans verursacht. Die Anzahl der Lactobazillen hängt direkt von der Konzentration an Estrogen ab, da das Hormon die Produktion von Glykogen in der Vaginalschleimhaut anregt. Das Glykogen wiederum verstoffwechseln die Döderlein-Bakterien zu Milchsäure, sodass der pH-Wert bis auf 3,8 absinkt. Normalerweise verhindert dieses saure Milieu am Scheideneingang, dass sich potentiell pathogene Keime zu stark vermehren oder von außen eindringen. Somit ist der stark saure pH-Wert eine wichtige Barriere gegen aufsteigende Infektionen. Nach den Wechseljahren steigt der pH-Wert infolge der nachlassenden Estrogenproduktion auf Werte von 6 bis 7 an.

 

Das weibliche Sexualhormon beeinflusst aber nicht alleine die Zusammensetzung der Schleimhautflora. Auch weitere Faktoren leisten einer vaginalen Dysbalance und anschließender Infektion Vorschub, zum Beispiel die Einnahme von Antibiotika oder eine allgemeine Abwehrschwäche durch Stress oder seelische Belastungen. Bei circa 5 Prozent der Frauen stellen Gynäkologen während einer Vorsorgeuntersuchung fest, dass deren natürliches Scheidenmilieu gestört ist und fremde Bakterien die Oberhand gewonnen haben. Bei 10 bis 20 Prozent der Frauen vor der Menopause weisen sie Candida-Pilze in der Vagina nach. Die Häufigkeit der Candidosen nimmt nach den Wechseljahren deutlich ab, da mit sinkender Estrogenkonzentration die Nährstoffversorgung der Hefepilze mit Glykogen und Glucose nicht mehr ausreicht. Schildert die Frau dem Arzt die typischen Symptome einer Pilzinfektion wie Brennen und Jucken am Scheideneingang oder Ausfluss, verordnet er meist ein lokal wirksames Antimykotikum aus der Gruppe der Imidazole.

 

Flora stoppt Pilzwachstum

 

Ärzte bezeichnen die Candidose auch als »Krankheit der Kranken«. Damit soll zum Ausdruck kommen, dass sich vorhandene Pilze nur aufgrund eines bereits geschwächten Immunsystems kräftig vermehren können. Manche Frauen übertreiben die Intimhygiene und fördern dadurch eine vaginale Dysbalance: Alkalische Seifen oder Intimsprays greifen den Säureschutzmantel der Schleimhaut an und hemmen die Vermehrung der Lactobazillen. Jede Frau sollte wissen, dass Scheidenspülungen und Desinfektionsmittel ebenfalls die Schleimhaut stark reizen und Entzündungen fördern. Dasselbe gilt für lokale Spermizide. Neben einer richtigen Intimhygiene sollten Frauen auf Unterwäsche aus Kunststofffasern, Slipeinlagen mit Kunststoffbeschichtung und zu enge Hose verzichten.

 

Um zu verhindern, dass die Vaginalinfektionen ständig wiederkehren, schwören manche Frauen auf Präparate mit gefriergetrockneten Kulturen von Lactobazillen oder Milchsäure-haltige Vaginalprodukte ein. Die lokal applizierten Lactobazillen sollen die Vaginalschleimhaut besiedeln, durch Bildung von Milchsäure den pH-Wert absenken, die gesunde Vaginalflora wiederherstellen und anschließend aufrecht erhalten. Die Produkte werden entweder als »Kur« 4 bis 7 Tage hintereinander angewendet oder nach Bedarf zwei- bis dreimal in der Woche.

 

Ein so heikles Thema erfordert viel Fingerspitzengefühl bei der Beratung in der Apotheke. PTA oder Apotheker müssen dafür sorgen, dass andere Kunden oder Patienten das Gespräch nicht mitverfolgen können. Vieles lässt sich leichter von »Frau zu Frau« besprechen. /