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Stillzeit

Medikamente in der Muttermilch

Erkrankt die Stillende hingegen an Durchfall, kompensiert sie die Flüssigkeits- und Elektrolytverluste am besten mit Elektrolytlösungen (wie Elotrans® ). Ergänzend sollte sie die Darmflora regenerieren (zum Beispiel mit Perenterol®). Von Loperamid in der Stillzeit raten die pharmazeutischen Hersteller derzeit ab, da die Datenlage dazu zu gering ist.

 

Magenbeschwerden wie Sodbrennen oder Völlegefühl nehmen meist nach der Entbindung ab, weil der Bauch nicht mehr von unten gegen den Magen drückt. Bei Bedarf dürfen Frauen wie in der Schwangerschaft auch in der Stillzeit Antacida wie Magaldrat (Riopan®) oder Hydrotalcit (Talcid®) einnehmen. Bei stärkeren Beschwerden können sie gelegentlich auf H2-Antihistaminika zurückgreifen.

 

Kind im Blick

 

Natürlich sollen Stillende sich genau an die Dosierungsempfehlung eines Arzneimittels halten, immer unter dem Aspekt: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Außerdem ist es ratsam, auch das Verhalten des Säuglings im Blick zu haben. Schläft das Baby mehr als gewöhnlich oder plötzlich kaum noch? Ändert sich sein Trinkverhalten oder verändert sich die Haut? Bemerkt sie Auffälligkeiten, kann sich die Mutter an ihren Kinderarzt, die Hebamme oder eine Stillberaterin wenden. Wenn PTA oder Apotheker sich in das Thema „Arzneimittel in der Stillzeit“ genauer einarbeiten möchten, lohnt ein Blick ins Internet unter www.embryotox.de. Dort befinden sich die Informationsseiten des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie. /

Fallbericht und Konsequenz

Menschen verstoffwechseln Arzneistoffe sehr unterschiedlich: Ihre Gene legen fest, ob sie über bestimmte Enzymsysteme die Arzneistoffe besonders rasch oder eher langsam abbauen. Zu welchem Typ jemand gehört, weiß der Einzelne meist nicht.

 

Tragisch ist deshalb der Fall eines Neugeborenen, das an einer Morphin-Überdosierung starb. Seine Mutter erhielt in therapeutischen Dosen Codein zur Schmerzstillung. Über die Muttermilch nahm auch der Säugling geringe Dosen auf. Aufgrund einer genetischen Besonderheit verstoffwechselte er aber das Codein erheblich schneller, als es normalerweise der Fall ist. Dadurch flutete das Abbauprodukt Morphin im kindlichen Körper so rasch an, dass sich eine letale Blutkonzentration aufbaute. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat im Jahr 2007 die Musterproduktinformation dahingehend geändert, dass Stillende Codein nur einmalig erhalten dürfen, bei wiederholter Gabe jedoch abstillen müssen. Die Food and Drug Administration (FDA) in den USA sieht die Situation weniger streng: Sie rät stillenden Müttern, Codein in möglichst geringer Dosierung nur für eine sehr kurze Zeit anzuwenden und beim Säugling auf mögliche Symptome einer Morphin-Überdosierung zu achten wie Trinkschwäche, abnorme Schläfrigkeit oder Lethargie.