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Schutzimpfungen

Neue Empfehlungen der STIKO

28.10.2010
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Schutzimpfungen

Neue Empfehlungen der STIKO

Von Leonore Dennhöfer / Nach wie vor besteht in Deutschland keine Impfpflicht. Daher muss sich jeder Einzelne bewusst entscheiden, gegen welche Infektionskrankheiten er sich beziehungsweise seine Kinder impfen lässt. Orientierung hierbei bieten die jeweils aktuellen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut, kurz STIKO genannt.

Die modernen, gut verträglichen Impfstoffe schützen nicht nur vor schweren Infek-tionskrankheiten, sondern auch vor den ­lebenslangen Folgeschäden dieser Erkrankungen, manchmal vor dem Tod.

Sind genügend Personen in einer Bevölkerung geimpft, dämmt dies die Ausbreitung der Krankheitserreger ein, im günstigsten Fall werden sie sogar weltweit ausgerottet. So konnte die WHO dies vor Jahren für die Pocken melden und strebt dieselbe Situation bei Poliomyelitis und Masern an.

 

Neues zu Masern und Röteln

 

Auch die deutsche Bevölkerung ist unzureichend vor Maserninfektionen geschützt. Dies zeigten in den letzten Jahren lokale Epidemien mit hunderten Erkrankten, zahlreichen schweren Verläufen und einigen Todesfällen. Vielen Menschen sind die Folgeerkrankungen der Masern nicht mehr bewusst, beispielsweise die Gefahr einer Mittelohr-, Lungen- oder Gehirnentzündung (Enzephalitis). Aus diesem Grund verharmlosen sie die Erkrankung und sehen den Sinn der Impfung oft nicht ein. Seit Juli 2010 empfiehlt die STIKO die Masern-Impfung nun allen nach 1970 Geborenen, die bisher noch gar nicht oder nur einmal geimpft worden sind oder deren Impfstatus unklar ist. Hiermit wollen die Experten alle Personen erfassen, bei denen zum Teil erhebliche Impflücken bestehen. Die Empfehlung gilt außerdem für Personen, die im Gesundheitsdienst oder in Gemeinschafts­einrichtungen arbeiten sowie Kontakt mit immunsupprimierten Menschen haben. Die Mitglieder der Impfkommission sind davon überzeugt, dass auch nicht oder unzureichend Geimpfte aus diesen Gruppen zu den Masernausbrüchen beitragen.

 

Eine weitere Neuerung betrifft Frauen im gebärfähigen Alter. Wer noch nicht gegen Röteln geimpft worden ist, soll sich zweimal im Abstand von mindestens vier Wochen impfen lassen. Wer als Kind nur einmal geimpft wurde, soll die zweite Dosis nachholen.

 

Grippeimpfung für Schwangere

 

Besondere Beachtung schenkt die Impfkommission der saisonalen Grippeimpfung. Bei der großen Influenzawelle im Jahr 2009 zeigte sich, dass viele Schwangere erkrankten. Im Vergleich zu anderen Personengruppen wurden diese jungen Frauen besonders oft wegen schwerer Verläufe stationär aufgenommen und litten überdurchschnittlich häufig an einer Lungenentzündung oder anderen Folgeerkrankungen. Daher empfiehlt die STIKO erstmals die saisonale Grippeimpfung während der Influenzasaison allen Schwangeren im zweiten Trimenon sowie sogar im ersten Trimenon, wenn die Frauen eine Grunderkrankung haben. Breit angelegte Studien zeigten, dass die in Deutschland zugelassenen Totimpfstoffe gut verträglich und in jeder Phase der Schwangerschaft unbedenklich sind. So kam es nach der Influenza-Impfung weder zu einer vermehrten Zahl von Frühgeburten noch von Kaiserschnitten. Außerdem schützt die Impfung der Mutter auch das Neugeborene vor einer Ansteckung mit Influenzaviren, denn die Impfstoffe sind nicht für Säuglinge unter sechs Monaten zugelassen. In diesem Jahr ist nur eine einzige Impfung erforderlich, weil der diesjährige Impfstoff neben den drei häufigsten Influenza-Virustypen auch das pandemische Schweinegrippevirus enthält.

 

Kombinationen im Vorteil

 

Nur geringfügig fallen die Änderungen bei den Standardimpfungen aus. Nach Ende des zweiten Lebensmonats ist das Immunsystem eines Säuglings fähig, auf einen Impfreiz zu reagieren. Dann soll das Kind auch schon die erste Dosis eines Kombinationsimpfstoffs gegen Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten), Tetanus, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae Typ B (HiB) und Hepatitis B erhalten. Die STIKO empfiehlt, möglichst Kombinationsimpfstoffe einzusetzen. Zum einen muss der Kinderarzt die kleinen Patienten seltener stechen, zum anderen verringert sich mit der Zahl der Impfstoffe in einer Spritze auch die Menge der benötigten Begleitstoffe, die unerwünschte Reaktionen auslösen können. Für den Aufbau eines Langzeitschutzes erhält das Kleinkind im Abstand von vier bis sechs Wochen zwei weitere Impfstoffdosen und im zweiten Jahr die vierte.

 

Spätere Auffrischungen

 

Der Schutz gegen Diphtherie, Pertussis, ­Tetanus und Poliomyelitis soll – wie schon in den früheren Impfempfehlungen – bei den Kindern im Alter von fünf bis sechs Jahren mit einer Dosis eines Kombinationsimpfstoffs noch einmal für viele Jahre verlängert werden.

 

Gegen Tetanus und Diphtherie soll später lebenslang alle zehn Jahre eine Auffrischung erfolgen, gegen Keuchhusten lediglich einmal im Laufe des Lebens. Die letzte Empfehlung für die Keuchhustenimpfung gilt besonders für Schwangere und Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung, die noch ungeimpfte Babys anstecken könnten. Gegen Haemophilus influenzae Typ B (HiB) und Poliomyelitis entfallen in der Regel weitere Auffrischimpfungen. Bei Jugendlichen sollte der Impfstatus gegen Hepatitis B überprüft werden, so die Experten der Impfkommission, denn die Infektionsgefahr steigt mit der Zahl der Sexualkontakte.

Im zweiten Lebensjahr stehen mit einem Abstand von vier bis sechs Wochen die Regelimpfungen gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) sowie gegen Varizellen auf dem Impfplan der STIKO. Wichtig: Für einen sicheren und belastbaren Impfschutz ist die zweite Impfdosis unbedingt erforderlich.

 

Meningo- und Pneumokkoken

 

Säuglinge, die durch eine angeborene Erkrankung besonders gefährdet sind, können schon ab dem zweiten Lebensmonat gegen Meningokokken Typ C geimpft werden. Üblicherweise erhalten alle Kleinkinder erst im zweiten Lebensjahr eine Dosis des Konjugat-Impfstoffs mit vier Serotypen des Bakteriums. Hier hat die STIKO den neu zugelassenen tetravalenten Konjugat­impfstoff Menveo® berücksichtigt. Sind die Kinder älter als zwei Jahre, verwendet der Kinderarzt meist den Polysaccharid-Impfstoff gegen die vier Erregertypen.

 

Unverändert blieb das Schema bei der Pneumokokken-Impfung, für die zwei Impfstoffe zur Verfügung stehen. Die Kleinkinder erhalten im ersten Lebensjahr dreimal eine Dosis des modernen Konjugat-Impfstoffs im Abstand von vier Wochen und schließlich eine vierte im zweiten Lebensjahr.

 

Bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wird der Pneumokokkenschutz hingegen mit dem Polysaccharid-Impfstoff aufgebaut. Dieser wird auch für die Regelimpfung aller Menschen ab dem 60. Lebensjahr eingesetzt, um diese vor einer Lungenentzündung zu schützen.

 

Impfungen im Überblick

 

Alle Empfehlungen fasst der Impfkalender des Robert-Koch-Instituts zusammen, nachzulesen unter www.rki.de. Auf der Grundlage dieser offiziellen Veröffentlichung geben die obersten Gesundheitsbehörden der einzelnen Bundesländer ihrerseits »öffentliche Empfehlungen« heraus, und die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen dann die Kosten aller Standard­impfungen. Diese sollte jeder Bundesbürger erhalten, weil sie nicht nur für sein individuelles Wohlbefinden wichtig sind, sondern auch für die Gesundheit der Gesamtbevölkerung.

 

Die Aufklärung über den Sinn der verschiedenen Schutzimpfungen ist eine wichtige Aufgabe sowohl für den Arzt als auch für PTA und Apotheker. /

Anschrift der Verfasserin

Dr. Leonore Dennhöfer
Hochstraße 2a
76530 Baden-Baden