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Dermatologie

Schuppen – meist nur ein ästhetisches Problem

28.10.2010  14:54 Uhr

Dermatologie

Schuppen – meist nur ein ästhetisches Problem

Von Tanja Schweig / Jeder Mensch reagiert anders auf Kopfschuppen: Den einen nerven bereits wenige Schuppen auf dem Anzug, einen anderen stört sogar massiver Schuppenbefall nicht. Wer seine Schuppen loswerden will, der rückt dem Problem am besten mit einem guten Shampoo zu Leibe. Bei der Empfehlung eines Produktes müssen PTA oder Apotheker wissen, ob die Kopfhaut des Kunden trocken oder fettig ist.

Kopfschuppen bestehen aus Hornzellen, die sich von der Kopfhaut lösen und durch Talg aneinander haften. Jeder Mensch verliert täglich Schuppen. Da sich die Haut permanent regeneriert und dabei die oberen toten Hornhautzellen abstößt, ist dieser Prozess ganz natürlich.

Meist fallen die Schuppen nicht auf. Erst wenn sich größere Konglomerate bilden, werden sie sichtbar. Manche Menschen werden das Problem rasch los, bei anderen kehrt es regelmäßig, sogar nach jahrelanger Pause ­plötzlich wieder. Forscher haben herausgefunden, dass in regelrechten »Schuppenfamilien« fast alle Familienmitglieder mit Kopfschuppen kämpfen. Das legt die Vermutung nahe, dass es eine genetische Veranlagung für Schuppen gibt. Doch unabhängig davon fest steht: Kopfschuppen liegt in der Regel keine Erkrankung zugrunde.

 

Neben den harmlosen, obschon störenden Kopfschuppen gehen aber auch manche Hautkrankheiten mit einer vermehrten Schuppenbildung einher (siehe Kasten). Wenn Patienten über extremen Juckreiz ihrer Kopfhaut klagen, dort nässende Stellen oder Krusten bemerken oder die Zahl der Schuppen plötzlich stark zunimmt, sollten sie den Hautarzt aufsuchen. Der Dermatologe kann feststellen, ob eine Allergie oder ein Hautpilz vorliegt oder der Verhornungsprozess gestört ist.

 

Milde Produkte für trockene Haut

 

Ist geklärt, dass die Kopfschuppen keine pathologische Ursache haben, helfen eine Menge guter Maßnahmen und Tipps. Doch bevor PTA und Apotheker eine Empfehlung aussprechen, sollten sie den Kunden fragen, welche Shampoos und Haarpflegeprodukte er verwendet. Außerdem müssen sie klären, ob der Betroffene eher zu trockener oder zu fettiger Körper- und Kopfhaut neigt.

Hauterkrankungen mit Schuppenbildung der

  • Psoriasis vulgaris
  • seborrhoisches Ekzem
  • atopisches Ekzem
  • kumultativ-toxisches Kontaktekzem (zum Beispiel durch Dauerwellenlösung, Haarfärbemittel)
  • Austrocknungsekzem
  • Ichthyosis vulgaris
  • Parasiten wie Krätzmilben
  • Hautpilze

Menschen mit besonders trockener Haut vertragen sehr oft die üblichen Haarpflegemittel nicht. Das trifft zum Beispiel auf Ältere und Neurodermitiker zu, deren Haut zu wenig Talg produziert. Wenn diese stark entfettende Shampoos verwenden oder die Haare sehr oft waschen, trocknet die Haut noch mehr aus, schuppt und juckt. Die Schuppen sind weiß, sehr fein und fühlen sich trocken an, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt. Diese Menschen müssen unbedingt alle Shampoos mit stark entfettenden Tensiden meiden. Auch viele sogenannte Antischuppen-Shampoos sind dann ungeeignet, weil sie der Kopfhaut noch mehr Fett entziehen.

 

Für diese Patienten heißt die Devise: Haar und Kopfhaut schonen. Sie sollten ihre Haare im 2- bis 3-Tage-Rhythmus lauwarm waschen und stets gründlich ausspülen. Außerdem müssen sie Shampoos mit besonders milden Tensiden oder Tensidkombinationen, einem hautfreundlichen pH-Wert, rückfettenden und pflegenden Zusätzen auswählen (zum Beispiel Physiogel® Plus Shampoo & Spülung, Linola® Shampoo, Eucerin® Shampoo 5% Urea, Ducray extrem mild oder Nutricerat Shampoo, La Roche Posay Kerium extrem mild). Menschen mit kurzen Haaren sollten diese nach dem Waschen am besten an der Luft trocknen lassen. Längere Haare sollten sie mit geringer Hitze halbtrocken föhnen, den Föhn im Abstand von mindestens 15 Zentimetern halten und danach ebenfalls an der Luft trocknen lassen.

 

Pilzbekämpfung auf fettiger Haut

 

Ganz andere Ratschläge gelten für Menschen, deren Haare schon kurz nach der Wäsche wieder fettig und strähnig werden. Dies betrifft vor allem Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren und pubertierende Jugendliche, denn Androgene verändern die Zusammensetzung des Talgs und damit den Hautzustand. Bei diesen Menschen bilden sich regelrechte Schuppenherde an der Stirn-Haar-Grenze, entlang des Scheitels und sogar in den Augenbrauen und im äußeren Gehörgang. Dort haften auch immer sichtbar einige Schuppen. Im Unterschied zu Menschen mit trockener Kopfhaut sind diese Schuppen eher gelblich und hinterlassen beim Zerreiben zwischen den Fingern einen fettigen Film.

Bei Menschen mit fettiger Kopfhaut ist außerdem das Risiko erhöht, dass sich dort der Hefepilz Malassezia furfur mit dem früheren Namen Pityrosporum ovale stark ausbreitet. Der Pilz gehört zwar zur normalen Hautflora eines jeden Menschen. Weil er sich aber von langkettigen Fettsäuren ernährt, vermehrt er sich auf talgreicher Kopfhaut besonders gut. In der Folge reizen seine Stoffwechselprodukte die Kopfhaut und regen die Schuppenbildung an.

 

Den Betroffenen helfen deshalb Präparate mit antimykotischen Wirkstoffen, beispielsweise mit Ketoconazol, sowohl in einer Lösung als zugelassenes Arzneimittel als auch in Medizinalshampoos. Die 2-prozentige Lösung (Terzolin®) oder die Shampoos (wie Ket® Schuppen, Ketozolin® Sensitive) soll der Patient einen Monat lang zweimal wöchentlich anwenden. Wichtig: Die Produkte werden ins feuchte Haar gegeben, dort gut verteilt und müssen danach unbedingt 3 bis 5 Minuten einwirken, bevor sie mit viel lauwarmem Wasser ausgespült werden. Wenn die Schuppenbildung zurückgeht, brauchen die Patienten sich damit nur noch alle 7 oder 14 Tage die Haare zu waschen. Wer einem erneuten Pilzbefall vorbeugen will, kann das Produkt bis zu 6 Monate weiter benutzen.

Auslöser von Kopfschuppen

Innerlich:

  • genetische Veranlagung
  • Androgene
  • Stress

 

Äußerlich:

  • aggressive Haarpflegemittel
  • zu häufige Haarwäsche
  • Hefepilze
  • Ernährung
  • Klima

Übrigens: Schon das tägliche Haarewaschen sorgt für eine Besserung. Zwischen den Anwendungen der Wirkstoffshampoos soll der Patient seine Haare mit einem milden Shampoo waschen. Einigen Shampoos ist neben dem Antimykotikum eine juckreizstillende Komponente zugesetzt, zum Beispiel Polidocanol. In der Anfangsphase empfinden Patienten dies als angenehm. Mit der Zeit lässt der Juckreiz allerdings von alleine nach.

 

Medizinalshampoos gegen Schuppen enthalten auch andere Wirkstoffe, zum Beispiel Zinkpyrithion (wie in de-squaman®), Ciclopiroxolamin (wie in Stieprox® classic oder Stieprox® intensiv), Selendisulfid (wie in Selsun®), Octopirox (auch Pirocton-Olamin genannt, wie in Lygal® Kopfwäsche, sebamed® Antischuppen Shampoo), Climbazol (wie in Eucerin® Anti-Schuppen-Shampoo). Einen wichtigen Hinweis müssen PTA oder Apotheker den Patienten bei der Abgabe eines schuppenreduzierenden Shampoos geben: Bessert sich der Schuppenbefall nicht innerhalb von 3 bis 4 Wochen merklich, sollte der Patient den Hautarzt aufsuchen.

 

Gegen Kopfschuppen sind auch Produkte aus Naturkosmetik-Serien auf dem Markt. Sie pflegen die Kopfhaut langfristig und beugen den Kopfschuppen effektiv vor (zum Beispiel Huflattich Antischuppen-Shampoo gegen normale, trockene Schuppen und Weidenrinden Spezial-Shampoo gegen fettige Schuppen von Rausch).

 

Ernährung, Klima und Stress

 

Neben zu trockener oder fettiger Haut fördern noch weitere Faktoren die Bildung von Kopfschuppen. Weil im Winter deutlich mehr Menschen Schuppen haben, soll auch das Klima eine Rolle spielen. Ungünstig wirke sich die reduzierte Luftfeuchtigkeit während der kalten Jahreszeit aus, so Dermatologen, aber auch der Wechsel zwischen warmer Heizungsluft und kalter Außenluft schade der Haut. Deshalb empfehlen sie den Patienten, bei Kälte eine Mütze zu tragen. Im Sommer ist zum Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung ein Sonnenhut sinnvoll, wenn man Schuppen vorbeugen will.

 

Auch die Ernährung scheint die Schuppenbildung zu beeinflussen. Besonders im Verdacht stehen stark gewürzte Speisen und Alkohol. Sogar der psychische Zustand eines Menschen ist von Bedeutung. Oft verstärkt Stress die Schuppenbildung. Sobald sich der Stresspegel reduziert, gehen auch die Kopfschuppen zurück. Regelmäßige Entspannungspausen im Alltag sorgen also auch für eine gesunde Kopfhaut. /

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