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Interview

Tipps bei Mund- und Körpergeruch

28.10.2010  15:30 Uhr

Interview

Tipps bei Mund- und Körpergeruch

PTA-Forum / Ihren eigenen Geruch nehmen Menschen selten wahr. Meist wundern sie sich, wenn ihr Gesprächspartner plötzlich auf Abstand geht oder sich sogar abwendet. In der Apotheke können PTA oder Apotheker das Thema Mund- oder Körpergeruch diskret ansprechen und ihren Kunden geeignete Maßnahmen sowie Präparate empfehlen. PTA-Forum befragte Dr. York von Rehren, Internist aus Hamburg, zu seinen Erfahrungen aus dem Praxisalltag.

PTA-Forum: Herr Dr. von Rehren, was sind die häufigsten Ursachen für Mund- und Körpergeruch? 

von Rehren: Bei den Ursachen unterscheiden wir zwischen krankheitsbedingten und anderen Faktoren. So kann Körpergeruch ein Begleitsymptom einer systemischen Erkrankung sein. Im Unterschied dazu sind für Mundgeruch häufig lokale Probleme verantwortlich, vor allem Infektionen im Bereich der Mundhöhle. Zudem können entzündliche Erkrankungen der Mandeln und des Rachens für unangenehme Geruchsbildung sorgen. Nicht zu vergessen ist auch die chronisch atrophische Rhinitis. Aber auch fortgeschrittene Tumor­erkrankungen, insbesondere im Kopf-Hals-Bereich, kommen als Ursache für den unangenehmen Geruch in Frage.

 

Viele Patienten mit System- oder Organerkrankungen atmen Geruchsstoffe ab, beispielsweise den typischen urämischen Harngeruch bei der fortgeschrittenen Niereninsuffizienz oder der Acetongeruch beim Coma diabeticum. Außerdem zählen dazu viele Erkrankungen des Verdauungstraktes wie Ausbuchtungen der Speiseröhre, Karzinome und Passagebehinderungen bedingt durch Stenosen oder einen Darmverschuss.

 

PTA-Forum: Welche anderen Faktoren spielen außerdem eine Rolle?

von Rehren: Die nicht krankheitsbedingten Ursachen sind eigentlich jedem bekannt. Wer stark gewürzte Speisen gegessen hat, weiß, dass er anschließend über die Lunge verschiedene Geruchsstoffe abatmet. Nach Knoblauchgenuss werden die charakteristisch riechenden Substanzen zum einen über den Atem, aber auch über die Haut abgegeben. Ebenso ist mangelnde Mund- und Körperhygiene oft Ursache für einen unangenehmen Geruch.

 

PTA-Forum: Fragen Ihre Patienten von sich aus um ärztlichen Rat?

von Rehren: Selten wird man als Arzt zu diesem Thema um Rat gefragt. Nach wie vor handelt es sich um ein Tabuthema, das die Intimsphäre tangiert. Gelegentlich sprechen mich enge Bezugspersonen an. Wenn ich selbst bei einem Patienten, den ich langfristig betreue, eine unangenehme Veränderung des Körpergeruchs bemerke, spreche ich das Thema an.

 

PTA-Forum: Wie beginnen Sie denn das Gespräch?

von Rehren: Viele meiner Patienten haben bereits die leidvolle Erfahrung gemacht, dass andere Menschen auf Abstand gehen. Nicht immer ist ihnen der Grund bewusst. Das Gespräch über Mund- oder Körper­geruch erfordert deshalb viel Feingefühl. Handelt es sich um ein rein hygienisches Problem, habe ich gute Erfahrungen mit einleitenden Worten gemacht wie »Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass sich Ihr Körpergeruch verändert hat«. Ich habe auch festgestellt, dass der professionelle Kontext der Sache ihren Schrecken nimmt. Hinzu kommt, dass ich die Betroffenen oft lange kenne und dadurch auf ihre Krankengeschichte Bezug nehmen kann. Das erleichtert das Gespräch über dieses tabuisierte Thema. In der Regel sind die Patienten sogar dankbar für meine Offenheit – zumal ich den meisten helfen kann.

 

PTA-Forum: Was empfehlen Sie dann Ihren Pa­tienten?

von Rehren: Neben einer ursächlichen Behandlung gebe ich ihnen Tipps, wie sich die Mund- und Körperhygiene optimieren lässt – etwa durch professionelle Zahnpflege, den regelmäßigen Gebrauch von Munddusche und Zahnseide sowie die tägliche Anwendung milder Seifen, Lotionen und Deodorantien. Patienten, die unter Mundtrockenheit leiden, empfehle ich, täglich viel Wasser zu trinken und zuckerfreie Kaugummis zu kauen, denn diese regen den Speichelfluss an. Zusätzlich empfehle ich die Einnahme von Chlorophylldragees. Der Vorteil dieser Dragees: Das Chlorophyll beeinflusst die Aktivität eiweißspaltender Enzyme, sodass unangenehm riechende Verbindungen gar nicht erst entstehen. /