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Honorar

Apotheker nicht zufrieden

21.09.2012
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Von Daniel Rücker / Nach langem Hin und Her steht nun fest: Das Apothekenhonorar wird um 310 Millionen Euro angepasst. Das ist mehr, als die Bundesregierung erst angeboten hatte, aber immer noch deutlich weniger, als von den Apothekern gefordert.

Die Bundesregierung hat in der vergangenen Woche die Anpassung der Arzneimittelpreisverord­nung verabschiedet. Ab dem 1. Januar 2013 bekommen Apotheker pro verordneter Arzneimittel­packung ein Honorar von 8,35 Euro. Insgesamt bedeutet dies eine Erhöhung des Apotheken­honorars von 190 Millionen Euro. Hinzu kommt noch die vor zwei Wochen vereinbarte Umstellung der Notdienstvergütung. In Zukunft sollen Apotheken für den Notdienst eine Pauschale erhalten, unabhängig von dem Umsatz während des Dienstes. Diese Pauschale soll nach den Vorstellungen von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr vor allem die Land­apotheken stärken, weil sie in der Regel deutlich häufiger für Nacht- und Notdienste eingeteilt sind als Stadt­apo­theken. Das Volumen dieser Umstellung beträgt nach Berechnungen der Bundesregierung 120 Millionen Euro.

Ab wann die Pauschale bezahlt wird, ist noch offen. Da es sich hierbei nicht um eine Verordnung handele, sondern ein Gesetz, sei die Umsetzung schwieriger, sagte Bahr im Interview mit der Pharmazeutischen Zeitung. Bundestag und Bundesrat müssen beteiligt werden. Angepeilt ist laut Bahr ebenfalls der 1. Januar 2013. Es sei aber nicht sicher, dass dieser Termin gehalten werden kann. Diese Entscheidungen beenden einen sechsmonatigen Prozess, in dem Apotheker und Bundesregierung um die Höhe des Apothekenhonorars gerungen hatten. Auch wenn am Ende einiges erreicht wurde, herrscht bei den Apothekern dennoch Enttäuschung vor.

Mehr gefordert

Ende März dieses Jahres hatte die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände eine deutliche Anpassung des Apothekenhonorars gefordert. Nach neun Jahren Stagnation sei die wirtschaftliche Lage vieler Apotheken schlecht. ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf stellte damals auf einer Pressekonferenz die Forderung nach 624 Millionen Euro zusätzlichem Honorar auf, verteilt auf die Packungspauschale von 8,10 Euro, den Nacht- und Notdienst, Rezepturen und die Versorgung mit Betäubungsmitteln. Die Bundesregierung reagierte auf die Forderung zurückhaltend, erkannte aber immerhin die grund­sätzliche Notwendigkeit einer Anpassung.

Seit der Pressekonferenz Ende März gab es zahlreiche Treffen zwischen Vertretern der Apothekerschaft und den für die Honorarerhöhung zuständigen Bundesministern für Gesundheit und Wirtschaft. Das Wirt­schafts­ministe­rium ist bei der Packungspauschale federführend, denn dazu muss die Arzneimittelpreisverordnung geändert werden. Über Monate rechneten die Experten auf beiden Seiten, wie hoch die Anpassung ausfallen müsse, wenn man berücksichtigt, dass die Apotheker in den vergangenen neun Jahren mit deutlich steigenden Kosten und der Inflation zurecht kommen mussten. Im August stellte Bundeswirtschaftssminister Philipp Rösler dann das Resultat dieser Berechnung vor. Auf exakt 25 Cent pro Packung taxierten die Experten des Wirtschaftsministeriums den Anpassungsbedarf. Die Apotheker rieben sich verwundert die Augen. Sie halten eine Anpassung um gut 1 Euro für angemessen. Der Grund für die unterschiedliche Sichtweise war schnell gefunden. Das Ministerium hatte den gestiegenen Kosten den Zuwachs im Rohertrag gegenübergestellt. Das ließ den Anpassungsbedarf drastisch sinken.

Streit um Berechnung

Die 25 Cent pro Packung bedeuten einen Honoraranstieg um rund 3 Prozent in neun Jahren. Aus Sicht der Apotheker war dies ein Affront. Sie warfen den Ministerien vor, aus politischen Gründen und entgegen den gesetzlichen Vorgaben, die Anpassung falsch berechnet zu haben. Die Berücksichtigung der Rohertragssteigerung sei nicht im Gesetz vorgesehen. Auch sachlich lasse sich das Vorgehen des Ministeriums nicht begründen. Mehr Rohertrag bedeutete in den Apotheken auch mehr abgegebene Arzneimittelpackungen und damit mehr Arbeit für mehr qualifiziertes Personal. Dies zehre den Rohertragsanstieg sofort wieder auf.

Die Apotheker sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden. In vielen Bundesländern gab es deshalb in den vergangenen Wochen Proteste. Am 13. September waren es mit dem Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gleich drei Bundesländer, in denen die meisten Apotheken nur einen eingeschränkten Service anboten. Während der Chef oder die Chefin bedienten, informierten die Apothekenmitarbeiter die Kunden über die Honorierung der Apotheken und deren schwieriger werdende wirtschaftliche Situation. Ob die Proteste in den kommenden Wochen weitergehen, ist noch offen. Da die Apotheken in unterschiedlichen Bundesländern auch unterschiedlich stark betroffen sind, ist eine gemeinsame Strategie schwierig umzusetzen. Am 20. September trafen sich deshalb die Präsidenten und Vorsitzenden der Apothekerkammern und -verbände, um die weitere Strategie zu besprechen. Bis zum Redaktionsschluss dieses Heftes stand das Ergebnis noch nicht fest. /

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