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Biomarker für MS-Diagnose

21.09.2012
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Von Annette Immel-Sehr / Multiple Sklerose sicher zu diagnostizieren, ist selbst für Experten nicht einfach. Manchmal ist eine eindeutige Diagnose erst nach Jahren möglich. Ein neu entdeckter potenzieller Biomarker, der mittels Bluttest bestimmt wird, könnte zukünftig die Diagnosestellung erleichtern.

Viele Patienten mit Multipler Sklerose (MS) bilden Autoantikörper, die gegen einen bestimmten Kaliumkanal, den sogenannten KIR4.1, gerichtet sind. Dies fand kürzlich ein Forscherteam um Professor Dr. Bernhard Hemmer von der TU München heraus. Fast die Hälfte der untersuchten MS-Patienten hatte den Autoantikörper gegen KIR4.1 im Blut.

Der Kaliumkanal KIR4.1 findet sich vor allem in der Zellmembran von Gliazellen. Diese bilden ein Stützgewebe des Nervensystems, das für den Stoffwechsel im Gehirn und die Bildung der Markscheiden verantwortlich ist. Menschen und Tiere, denen der Kaliumkanal KIR4.1 fehlt, haben neurologische Ausfälle, das heißt, sie können beispielsweise Be­wegungen nicht richtig koordinieren. Außerdem ist bei ihnen die Bildung des Myelins, der schützenden Isolierschicht um Nervenzellen, gestört.

Die Münchner Forscher fanden heraus, dass der Autoantikörper genau dort an KIR4.1 bindet, wo das Protein aus der Zellmembran herausragt. Im Tiermodell führt der Autoantikörper zum Verlust von KIR4.1 und zur Aktivierung einer immunologischen Abwehrreaktion. Der Autoantikörper trägt somit möglicherweise zu der für MS typischen Schädigung der Myelinscheiden bei.

Vor Jahren hatte die Entdeckung ­eines anderen spezifischen Autoantikörpers dazu geführt, dass Patienten mit einer Sonderform der MS, der sogenannten Neuromyelitis optica, schneller diagnostiziert und damit schneller optimal behandelt werden können. Nun hoffen die Wissenschaftler, dass KIR4.1 eine ähnliche Rolle als Biomarker für die Diagnose der MS spielen wird. Die Studienergebnisse sprechen dafür: Der Autoantikörper lässt sich vor allem im Blut von MS-Patienten nachweisen und nur sehr selten bei Menschen mit anderen neurologischen Erkrankungen. Bei Gesunden ist der Antikörper dagegen nicht nachweisbar. /

Quelle: New England Journal of Medicine