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Was ich noch erzählen wollte ...

Spätsommer-Melancholie

21.09.2012
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Von Annette Behr / Etwas schwerfällig kam er in die Gänge, der Sommer 2012. Dann bescherte uns die wärmste Zeit des Jahres ­einen Regentag nach dem anderen, um sich dann letztlich doch mit einem sommerlich herrlich warmen September zu ­verabschieden. Noch nie habe ich so viele Menschen erlebt, die die letzten sonnigen Tage genossen wie ein großes Fest.

Seit Tagen hatten verschiedene Wettervorhersagen einstimmig mit dem Hoch »Dennis« zwei letzte heiße Tage angekündigt. Durch dieses letzte Aufbäumen wird der Sommer 2012 uns doch noch positiv in Erinnerung bleiben. Bereits im Juli reagierten die meisten Mitmenschen mit eher grießgrämigen Mienen auf die vielen anhaltenden Regentage. Zwischendurch beglückte uns dieses Wechselwetter mit einigen tropisch heißen Tagen und vielen Gewittern. Zwar drückte dieses Hin und Her allgemein auf die Stimmung, doch die gute Laune muss man sich deswegen nicht verderben lassen, finde ich. Laut Wetterstatistik war dieser Sommer im Vergleich zu seinen Vorgängern mit einem plus von 0,9°C sogar etwas zu warm. Kaum zu glauben! Glücklicherweise können wir das Wetter nicht manipulieren, sondern müssen es nehmen, wie es kommt. Und es kam toll!

Zusatzgewinn Spätsommer

»Am Montag sollen es noch einmal 30 Grad werden«, bestätigte meine Nachbarin mit leuchtenden Augen die spektakulären Wetterprognosen für den September. Also überlegte ich, noch einmal ins Strandbad Wannsee zu fahren. Noch einmal schwimmen und ein letztes Sonnenbad nehmen, das wäre großartig! Kurz nachgedacht und dann spontan entschieden: Ich nahm mir einen Tag Urlaub. Einfach so, nur für mich. An einem Montag! Sensationell, denn das hatte ich noch nie gemacht.

Allerdings schaffte ich es an diesem Tag erst gegen Mittag, mich zu meinem liebsten Berliner Bade-Gewässer auf den Weg zu machen. Massen von Autos deuteten daraufhin, dass meine Idee vom blauen Montag wohl nicht ganz so einzigartig war, wie ich gedacht hatte. Mit Ach und Krach ergatterte ich noch eine Parklücke für mein Auto.

Der Strand des Bades war gefüllt wie an einem Sonntag. Das können doch nicht alles Gastronomen, Friseure oder Museumsführer sein, sinnierte ich, als ich ein Plätzchen im weißen Sand gefunden hatte, sogar in der ersten Reihe mit Seeblick. Nicht nur braun gebrannte Pensionäre, auch viele junge und mittelalte Menschen gönnten sich diesen letzten spätsommerlichen Tag. Die wenigen Strandkörbe waren sämtlich besetzt, etliche Boote segelten ruhig dahin und an den Kiosken hatte die Auswahl an Sonnenschutzprodukten und Eis merklich abgenommen.

Die Stimmung an Land und im Wasser war prächtig aber auch bedächtig. Alle freuten sich und unterhielten sich gut gelaunt, wissend um die Rarität dieses Tages. Leider war das Wasser schon merklich kühler, wie die September-Nächte eben. »Luft wie Sommer, Wasser wie Herbst«, sagte ein Berliner neben mir und ergänzte wissend: »Wenn man erst mal drin ist, ist es gar nicht so kalt.«

Ausklang

Bis zum Abend strömten die Menschen herbei, um die vielleicht letzten Strandstunden des Jahres auszukosten. Kurz vor Sonnenuntergang begannen die Grillen zu zirpen. Mit dem bläulich-­rosa-gefärbten Abendhimmel stellte sich endgültig Abschiedsstimmung ein. »Abbaden« nennen die Wannsee-Gänger den letzten Badetag der Saison. Die meisten verabschiedeten sich in guter Stimmung, aber mit leicht melancho­lischem Unterton, bis zum nächsten Sommer voneinander.

Während der Autofahrt nach Hause erklang im Radio der Song »Summer moved on« von der norwegischen Pop-Gruppe »a-ha«. Ein wunderschönes Lied über die Unmöglichkeit, Zeit und Gefühle festhalten zu können. Im Gedächtnis konservieren lassen sich diese bisweilen aber doch.

Um mir die bevorstehenden grauen Herbsttage zu versüßen, kaufte ich an einem Obst- und Gemüsestand frische Erdbeer-Blaubeer-Marmelade und Pflaumenmuß. Dass in vielen Supermärkten schon jetzt Lebkuchen und Spekulatius die Regale füllen, ignoriere ich aber standhaft bis zum ersten Advent. Schließlich duftet es in den Gärten noch nach reifem Obst. Zwar riecht die Luft im morgendlichen Nebel frisch und klar, dennoch werden die Tage allmählich kürzer. Demnächst wird es mit Sicherheit draußen grauer und nasser. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun: Ich muss den Garten winterfest machen, immer wieder ein Stündchen Laub fegen und für das Fahrrad eine neue Lampe besorgen, damit ich auch bei Dunkelheit fahren kann. Das Auto braucht neues Frostschutzmittel und die Familie neue Hand- und Schlittschuhe. Schließlich wollen wir uns auch im Winter bewegen!

Augenblicklich kann ich mich noch nicht dazu durchringen, mich von der Sommergarderobe zu verabschieden und die Übergangs- und Wintergarderobe in die erste Schrankreihe zu sortieren. Über neue Stiefel denke ich trotzdem nach. Glücklicherweise lockt der neue Look für Herbst und Winter mit den schönsten Farben: »frostige Pastelltöne in kühlem Rosa, frischem Mint und klarem Hellblau«. Dieser modische Ausblick macht direkt Lust auf einen frostigen Winter.

Gute Zeit

So langsam freue ich mich sogar auf »entspannte Auszeiten« zuhause. Nach einem Gang durch kalte Herbststürme wärmen innerlich Kräuter- und Früchte­tees. Die Auswahl in meiner Apotheke ist groß. Dort bestelle ich auch meine Lieblings-Bio-Body-Lotion und das angenehme Winter-Lavendel-Badeöl. Auch das bevorstehende winterliche Essen gewinnt eine neue Vielfalt. Genüsslich koche ich Gemüseeintöpfe und probiere neue Kürbis- und Auflauf-Rezepte aus. »Außerdem beginnt jetzt die neue Buchsaison«, meint meine Tochter. Endlich kann auch ich, ohne schlechtes Gewissen wegen des guten Wetters, auf dem Sofa lümmeln. Meine Familie ist gewappnet für die Herbst- und Winterzeit. Denn mit einigen Hilfsmitteln lassen sich die stürmischen und kälteren Tage genießen, bis zum nächsten Sommer und zum Anbaden. Denn dann heißt es wieder: »Wenn man erst mal drin ist, ist es gar nicht so kalt!« /

E-Mail-Adresse der Verfasserin

blaubehr(at)gmx.net