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Ringelblume

Balsam für die Haut

27.06.2013  15:15 Uhr

Von Monika Schulte-Löbbert / Als Kultur- und Zierpflanze war die Ringelblume schon im Mittelalter bekannt. Dass sie heute in jedem Klostergarten wächst, verdankt sie der Heiligen Hildegard von Bingen. Die Klosterfrau beschrieb erstmalig die Wirkung der »Ringele«, wie sie die Ringelblume nannte. Heute werden ihre Blüten überwiegend topisch zur Wundheilung eingesetzt.

Die Ringelblume (Calendula officinalis L.) stammt als Wildpflanze vermutlich aus dem Mittelmeerraum. Da sie auf ganz unterschiedlichen Böden gedeiht, wird sie heute in ganz Europa kultiviert. Nur selten wächst sie verwildert auf Schutthalden, Äckern oder an Wegrändern. Weil sie sich problemlos anbauen und vermehren lässt und außerdem von Juni bis weit in den Oktober hinein blüht, erfreut die anspruchslose Pflanze viele Gartenbesitzer.

Auf die außergewöhnlich lange Blühdauer nimmt der Gattungsname »Calendula« Bezug. Calendula bedeutet so viel wie »kleiner Kalender« und leitet sich vom lateinischen »calendae« dem ersten Tag des Monats, ab. Besonders charakteristisch fanden die Menschen, dass die Ringelblume im Unterschied zu den meisten anderen Pflanzen in so vielen Monaten blüht, also auch an vielen Monatsersten.

Die einjährige Pflanze gehört zu den Korbblütengewächsen, den Asteraceae und wird bis zu 50 Zentimeter hoch. Eine etwa 20 Zentimeter lange Pfahlwurzel verankert sie gut im Boden. An dem aufrechten, teilweise verzweigten und fein behaarten Stängel sitzen wechselständig ganzrandige lanzettförmige Blätter. Die mit einem Durchmesser von drei bis fünf Zentimetern vergleichsweise großen Blütenkörbchen öffnen sich ab Juni. Sie setzen sich aus wenigen inneren Röhrenblüten und einem Kreis aus äußeren Zungenblüten zusammen. Bei gefüllten Formen umgeben mehrere Kreise aus Zungen­blüten den Blütenstandsboden.

Die Farbe der Blüten variiert zwischen hellem Gelb und kräftigem Orange. Diese leuchtende Blütenfarbe und die sonnige Ausstrahlung spiegeln sich beispielsweise in den volkstümlichen Namen Mariengold, Sonnenwende, Goldblume und Goldrose wider. Bei hoher Luftfeuchtigkeit und aufkommendem Regen schließen sich die Blüten allerdings. Aufgrund dieses Phänomens erhielt sie auch den Namen Regen­blume und stand über Jahrhunderte bei den Bauern als »Wetterprophet« in hohem Ansehen.

Aus den Zungenblüten entwickeln sich die bis 15 Millimeter langen, ein­samigen Schließfrüchte (Achänen). Aufgrund dieser ringförmig eingerollten, kahnförmigen Früchte erhielt die Pflanze den gebräuchlichsten deutschen Namen »Ringelblume«.

Wer im Garten Ringelblumen kultivieren möchte, sollte sie im April aus­säen. Dann blüht die Pflanze von Juni an bis zu den ersten starken Frösten. Im Gemüsebeet dienen sie zur Abwehr von Fadenwürmern. Als Gründüngung verbessern sie den Boden, weil sie mit ihren Pfahlwurzeln die Erde lockern, Nährstoffe binden und so den Boden vor Errosion schützen.

Ob die Ringelblume schon in der Antike als Heilpflanze verwendet wurde, ist nicht eindeutig geklärt. Erstmals erwähnt wird sie von der Heiligen Hildegard von Bingen (1098 bis 1179), Äbtissin des Benediktinerklosters auf dem Rupertsberg in Bingen, unter dem Namen »Ringele«. In ihrem naturkundlichen Werk »Liber simplicis medicinae« nennt die Äbtissin zwei Anwendungsbereiche: innerlich bei Vergiftungen durch üble Speisen und äußerlich eine Mischung aus Speck und Ringelblume zur Behandlung schuppiger, entzündeter Haut.

Auch die Naturheilkundler der folgenden Jahrhunderte empfehlen die Ringelblume bei vielerlei Beschwerden. Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) wandte sie zum Beispiel bei bösartig aussehenden Geschwüren an. Aus den Weltkriegen liegen Berichte vor, dass Ärzte und Sanitäter mit Zubereitungen aus Ringelblume schwere Verletzungen erfolgreich heilten.

Überwiegend Zungenblüten

Zu Heilzwecken dienen allein die Blüten der Ringel­blume (Calendulae flos, syn. Flores Calendulae sine calycibus). Das Europäische Arzneibuch (Ph. Eur. 6.0) fordert die gefüllte Varietät von Calendula officinalis L., da diese reich an Zungenblüten und damit auch an Inhaltsstoffen ist. Die Arzneibuchdroge soll mindestens 0,4 Prozent Flavonoide, berechnet als Hyperosid, enthalten sowie überwiegend aus Zungenblüten, nur wenigen Röhrenblüten und vom Blütenstandsboden und den Hüllkelchen befreiten Einzelblüten bestehen. Die gekrümmten Früchte sollen in der Droge nicht oder nur vereinzelt vorkommen. Für die Gewinnung der Droge wird Calendula officinalis L. hauptsächlich in den Mittelmeerländern, auf dem Balkan und in Ost­europa kultiviert.

Der Deutsche Arzneimittel-Codex (DAC) führt die Monographien der beiden Drogenzubereitungen Ringelblumenfluidextrakt (Calendulae extractum fluidum) und Ringelblumentinktur (Calendulae tinctura) auf.

Während in früheren Zeiten noch die innerliche Anwendung der Ringelblumen bei Magen-Darm-Störungen, Leberschwäche, Gallen- oder Menstruations­beschwerden üblich war, gilt diese heute wegen fehlender wissenschaftlicher Belege als obsolet. Hingegen belegen zahlreiche Studien die gute Wirksamkeit von Calendulae flos bei schlecht heilenden Wunden, leichten Verbrennungen und Entzündungen der Haut. Aufgrund dieser Ergebnisse hat die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes Ringelblumen­blüten für folgende Indikationen positiv bewertet: zur inneren lokalen Anwendung bei entzündlichen Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie zur äußeren Anwendung bei Wunden, auch mit schlechter Heilungstendenz und Ulcus cruris. Auch die europäischen Experten der ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) haben als Indikationen Entzündungen der Haut und Schleimhaut sowie die Förderung der Wundheilung positiv bewertet. Zur Wundtherapie empfohlen werden Salben, Tinkturen und Aufgüsse.

Wegen ihrer großen therapeutischen Anwendung und ihrer langen Tradition als Heilpflanze wählte der Naturheilverein (NHV) Theophrastus die Ringelblume zur Heilpflanze des Jahres 2009.

Lipophiler Drogenextrakt

Die Droge enthält geringe Mengen an Flavonoiden und ätherischem Öl, 2 bis 10 Prozent Triterpensaponine und Triterpenalkohole, die entweder frei vorliegen oder mit Fettsäuren verestert als Mono-, Di- und Triole. Für die Wirksamkeit der Droge sind vor allem die Triterpendiole Faradiol und Faradiolmono­ester von Bedeutung. Zu den weiteren Inhaltsstoffen zählen Carotinoide, in den orange gefärbten Blüten auch Lycopin und Spuren von Cumarinen und Bitterstoffen.

Vermutlich sind die für die Wirk­samkeit verantwortlichen Substanzen überwiegend in lipophilen Extrakten vorhanden. So wirken die im lipohilen Drogenextrakt enthaltenen Faradiole hauptsächlich entzündungshemmend. Daher wird diskutiert, Zubereitungen der Droge zukünftig auf Basis der Faradiole zu standardisieren. Die Carotino­ide sollen die Bildung von Granulationsgewebe unterstützen, da sie strukturell dem granulationsfördernden Vitamin A ähneln. Das ätherische Öl wirkt antibakteriell und mäßig fungizid.

Wässriger Auszug

Zur Herstellung eines wässrigen Auszuges werden zwei Teelöffel Droge mit 150 ml kochendem Wasser übergossen und nach zehn Minuten abgeseiht. Dieser wässrige Extrakt kann äußerlich zu Umschlägen bei schlecht heilenden Wunden und Ausschlägen sowie zu Spülungen und zum Gurgeln angewendet werden. Zahlreiche Fertigteemischungen enthalten ebenfalls Ringelblumenblüten, allerdings meist als Schmuckdroge.

Für die topische Applikation kommt neben Ringelblumenfluidextrakt oder -tinktur auch das Ringelblumenöl in Frage. Ringelblumenöl ist ein öliger Auszug aus Ringelblumenblüten und erhielt die erleichterte Nachzulassung für traditionelle Arzneimittel nach §109 des Arzneimittelgesetzes (AMG). Dieses Öl wurde zugelassen als mild wirkendes Arzneimittel zur Unterstützung der Hautfunktion.

Zahlreiche Fertigpräparate mit Calendulaextrakt oder -tinktur eignen sich zur Behandlung von schlecht heilenden Wunden, bei Quetsch- und Risswunden, aber auch bei Erfrierungen und leichten Verbrennungen. Zu den wenigen Monopräparaten, die Calendula Urtinktur enthalten, gehören zum Beispiel Calendula Wundsalbe oder Calendumed® Creme, Gel sowie Salbe N. Zu den Kombinationspräparaten mit Urtinktur zählen beispielsweise Traumeel® S Creme, Weleda Heilsalbe oder Wecesin® Pulver und Salbe. Ringelblumen eignen sich auch hervorragend als pflegende Komponente in Naturkosmetik- und Körperpflegeprodukten wie in Dr. Theiss Calendula Pflegekosmetik.

Kontaktallergien selten

Obwohl Asteraceen im Verdacht stehen, Allergien auszulösen, sind Zubereitungen aus Ringelblumenblüten gut verträglich. Durch das Fehlen von Sesquiterpenlactonen sind Kontakt­allergien selten. Patienten mit Neurodermitis oder empfindlicher Haut sollten dennoch keine Ringelblumen­präparate anwenden. Da noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit der Ringelblumenblüten während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter 12 Jahren vorliegen, sollten auch diese Gruppen auf die entsprechenden Präparate verzichten.

Wegen ihrer leuchtenden Farbe banden Menschen Ringelblumen traditionell als Schmuck zu Kränzen und Girlanden. Ihre außergewöhnlich lange Blütezeit hat dazu geführt, dass sie bei vielen Völkern als Symbol für die Unvergänglichkeit gilt. Daher war sie auch als Grabpflanze beliebt und erhielt den Namen »Totenblume«.

Dekorative Beilage

Schon die Köche des Mittelalters färbten gerne ihre Speisen mit Pflanzen und ersetzten den teuren Safran oft durch die Ringelblume. So mancher Händler streckte den echten Safran in betrügerischer Absicht mit Ringelblumenblüten, um die Gesamtmenge zu vergrößern und dadurch einen höheren Geldbetrag zu erzielen. Auch heute noch regen die hübschen Blüten die Kreativität der Köche an. Ähnlich wie Safran eignen sie sich zum Färben von Kuchen und Butter oder als dekorative Beilage zu Salaten und Suppen. /

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