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Paul Langerhans

Der Entdecker der »Inseln«

28.06.2013  11:58 Uhr

Von Ralf Daute / Am 25. Juli 1847 wurde in Berlin Paul Langerhans geboren. Sein Name ist verbunden mit zwei Zelltypen, die er entdeckte: die Langerhanszellen in der Epidermis und die »Langerhansschen Inseln« der Bauchspeicheldrüse.

Heißt es von einem Menschen, er sei der Entdecker einer oder gar mehrerer Inseln, denkt wohl jeder an einen sturmerprobten Seefahrer, der unbekanntes Terrain erkundet. Paul Langerhans kann für sich in Anspruch nehmen, Millionen von »Inseln« entdeckt zu haben. Doch seine Reise führte ihn nicht über die Weltmeere, sondern ins Innere des menschlichen Körpers. Unbekanntes Terrain war es auch.

Langerhans wurde als Sohn des Arztes Paul Langerhans senior in eine Medizinerfamilie hineingeboren. Seine berufliche Bestimmung wurde ihm also gewissermaßen in die Wiege gelegt. Ab 1858 besuchte er das renommierte Gymnasium »Zum Grauen Kloster« in Berlin. Als bester Schüler seiner Klasse interessierte er sich vor allem für die Naturwissenschaften. Nach dem Abitur begann er in Jena das Studium der Medizin. Zwei Jahre später wechselte er nach Berlin, wo der schon damals berühmte Rudolf Virchow (1821 bis 1902) ihn unter seine Fittiche nahm.

 

Seine ersten wissenschaftlichen Meriten verdiente sich Langerhans bereits als Student. In seiner Arbeit »Über die Nerven der menschlichen Haut« beschrieb er bisher unbekannte Zellen, die später »Langerhans-Zellen« genannt wurden und deren Bedeutung für das menschliche Immunsystem Forscher erst ein Jahrhundert später erkannten.

 

Sein Studium schloss Langerhans nicht mit Bestnoten ab. Er verließ die Berliner Universität 1869 mit einem »cum laude«, also einem guten Abschluss. Ausgerechnet Virchow fand die Leistungen des Studenten gerade mal ausreichend (»rite«). Doch das Thema seines Lebens hatte Langerhans da schon gefunden: Seit 1867 widmete er sich der Bauchspeicheldrüse.

 

So hieß der Titel seiner Doktorarbeit »Beiträge zur mikroskopischen Anatomie der Bauchspeicheldrüse«. Die Arbeit umfasste 32 Seiten und enthält die detaillierte Beschreibung von neun unterschiedlichen Zellgruppen, von denen zwei bis dato nicht bekannt waren. Die neunte Zellgruppe beschrieb Langerhans wie folgt: »Kleine Zellen mit ganz homogenem Inhalt und polygonaler Form mit rundem Kern ohne Kernkörperchen, meist zu zweien oder in kleinen Gruppen zusammenliegend.« Es ist die Entdeckung seines Lebens – ohne dass Langerhans ihre Bedeutung zu diesem Zeitpunkt auch nur annähernd hätte ermessen können.

Sein Lehrer Virchow vermutete, dass die Bauchspeicheldrüse »auch nach innen, in das Blut secernire« – also endokrin wirkt. Dies bestätigte Langerhans’ Dissertation, allerdings auch nicht viel mehr. Einmal beklagte der junge, aufstrebende Wissenschaftler den »vollkommenen Mangel an geeigneten Vorrichtungen«, um über eine längere Zeit die Funktionsweise der Bauchspeicheldrüse eines Kaninchen studieren zu können.

 

Seine wissenschaftliche Laufbahn führte Langerhans nach Freiburg an die medizinische Fakultät, wo er mit einer Untersuchung zur Anatomie der Ganglienzellen habilitierte. Am 8. November 1871 wurde er zum Privatdozenten ernannt, im Jahr 1873 zum außerordentlichen Professor für Pathologie und Anatomie. Doch die Karriere des ehrgeizigen Forschers währte nicht lange. Im Jahr 1874, Langerhans war 27 Jahre alt, erkrankte er an Tuberkulose – damals eine fatale Diagnose, weder waren die Ursachen des Lungenleidens erforscht, noch gab es eine wirksame Therapie.

 

Umzug nach Madeira

Gegen die »Schwindsucht« setzten die Ärzte damals vor allem auf Luftveränderung. Langerhans siedelte auf die für ihr mildes Klima berühmte Atlantik­insel Madeira über. Dort widmete er sich ab 1879 in einer eigenen Praxis vor allem seinen Leidensgenossen, die wie er wegen Tuberkulose auf die Insel umgesiedelt waren. Sechs Jahre später heiratete er in Berlin Margarethe Ebart, die Witwe eines verstorbenen Patienten. Das Paar kehrte nach der Hochzeit nach Madeira zurück und verlebte dort einige glückliche Jahre. Auf diesen aber lag ein Schatten: die Krankheit schritt voran.

 

Eine Reise nach Deutschland, die Langerhans im Mai 1887 unternahm, empfanden seine Freunde als Abschiedsbesuch. Der Husten war ihm unerträglich geworden, er litt unter permanenten Kopfschmerzen, und auch das Atmen war ihm nur noch unter Schmerzen möglich. Langerhans starb fünf Tage vor seinem 41. Geburtstag am 20. Juli 1888 auf Madeira. In der Inselhauptstadt Funchal hatte er sich bereits zu Lebzeiten auf dem Eng­lischen Friedhof eine Grabstelle ausgesucht. »Weltverloren und still« sei es dort, hatte er gesagt.

 

Basis weiterer Forschung

Das Wissen um die Bedeutung seiner Entdeckung machte erst Jahre nach seinem Tod entscheidende Fortschritte. 1893 befasste sich der Franzose Gustave-Edouard Laguesse (1861 bis 1927) mit der Sekretion der von Langerhans entdeckten Zellgruppen aus der Bauchspeicheldrüse und gab ihnen den Namen »Ilots de Langerhans« (Langerhanssche Inseln beziehungsweise Inselzellen). Im Jahre 1900 erkannte Leonid Sobolew (1876 bis 1919), dass diese Inseln eine blutzuckersenkende Substanz produzieren – und nach 20 weiteren Jahren wurde das Insulin erstmals isoliert.

 

Auf Madeira, wo Langerhans auch meeresbiologische Studien unternahm, erinnert heute eine von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft gestiftete bronzene Grabplatte auf dem Cemitério Britânico an den berühmten Forscher. Die Inschrift lautet: »Dem deutschen Arzt, der als Student 1869 mit der Entdeckung der nach ihm benannten Inseln im Pankreas Grundlagen für die moderne Diabetesforschung legte«. In Berlin erinnert seit Oktober 2012 eine Büste auf dem Gelände der Charité an Paul Langerhans. /

Studienteilnehmer gesucht

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) ist ein Zusammenschluss von fünf deutschen Forschungszentren mit dem Ziel, personalisierte Maßnahmen zur Prävention und Behandlung des Diabetes mel­litus zu entwickeln. Dazu laufen momentan drei großen Studien an den Standorten München, Tübingen, Düsseldorf, Berlin/Potsdam und Dresden, für die das DZD sowohl Patienten als auch gesunde Probanden sucht. Wer Interesse an der Teilnahme hat, kann sich bei der Geschäftsstelle des DZD melden unter contact(at)dzd-ev.de oder Telefon: 089/3187-4718. Weitere Informationen auf www.dzd-ev.de/forschung/klinische-studien.

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