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Babys erstes Jahr

Fieber – gesunde Abwehrreaktion

25.06.2014
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Von Daniela Biermann / Am häufigsten gehen Eltern mit ihrem Baby zum Arzt, weil es Fieber hat. Besorgte Eltern sollten wissen, dass Fieber in der Regel ihrem Kind mehr nutzt als schadet und daher eine Senkung meist unnötig bis kontra­produktiv ist. Aus diesem Grund verordnen Pädiater Anti­pyretika in der Regel auch sehr zurückhaltend.

Dass Fieber eine sinnvolle Reaktion des Körpers ist, gilt unter Wissenschaftlern als unumstritten. Vermutlich verbessert die Hitze die Immunabwehr und erschwert die Keimvermehrung. Also sollte Fieber meist nicht gesenkt werden.

 

Normalerweise liegt die Innentemperatur des menschlichen Körpers, auch Kerntemperatur genannt, bei rund 37 Grad Celsius. Im Laufe des Tages schwankt sie leicht: Am frühen Morgen ist sie am niedrigsten, am frühen Abend am höchsten. Von erhöhter Temperatur sprechen Ärzte, wenn der rektal gemessene Wert 37,5 bis 38,0 Grad Celsius beträgt. Selbst bei jungen Babys ist dies noch kein Grund, den Arzt aufzusuchen. Denn Neugeborene haben normalerweise eine Durchschnittstemperatur von 37,5 Grad Cel­sius, da ihr Stoffwechsel überaus aktiv und ihre Wärmeregulation noch nicht ganz ausgereift ist.

Von Fieber sprechen Ärzte ab einer Kerntemperatur von 38,0 Grad Celsius. Ist das Baby noch keine drei Monate alt, sollten Eltern zum Arzt gehen, insbesondere wenn weitere Symptome hinzukommen (siehe Kasten). Mit Babys zwischen drei und sechs Monaten sollten sie den Arzt ab einer Temperatur von 39,0 Grad aufsuchen. Ab 39,5 Grad spricht man von hohem Fieber. Selten steig die Temperatur über 41,0 Grad an, wird dann aber gefährlich für den gesamten Organismus.

 

Einen ersten, allerdings sehr ungenauen Hinweis auf erhöhte Temperatur gibt das Hand-Auflegen, besser im Nacken als auf der Stirn. Die zuverlässigste Methode ist die rektale Messung. Dazu können Eltern das Baby auf den Bauch oder die Seite legen, ein digitales Fieberthermometer mit Wasser anfeuchten oder ein wenig Creme auftragen und vorsichtig in den After einführen. Im Unterschied zu älteren Kindern tolerieren die meisten Babys und Kleinkinder diese Messmethode noch. Als schwierig erweist sich häufig, dass das Kind zumindest eine kurze Zeit stillhalten muss. Das Thermometer sollte selbstverständlich nach dem Messen gründlich gereinigt werden.

Richtig messen

Messungen unter der Achsel sind bei Babys zu ungenau: Die Werte können um bis zu 2 Grad von der Körperinnentemperatur abweichen. Die Verwendung eines Ohrthermometers ist bei Säuglingen möglich, aber nicht ganz einfach. Der Messwinkel muss stimmen, damit das Thermometer das Trommelfell erreicht. Dazu muss das Ohr des Kindes vorsichtig nach hinten und oben gezogen werden. Die am Trommelfell gemessene Temperatur kann rund 0,3 Grad von der Kerntemperatur abweichen. Die Methode ist der Rektalmessung unterlegen. Auch bei Stirn- und Schläfenthermometern variiert die Messgenauigkeit. Dafür sind sie schnell und leicht anzuwenden, sogar während das Baby schläft.

 

Vielfältige Ursachen

Fieber ist immer ein Symptom und keine eigenständige Erkrankung – selbst wenn die erhöhte Temperatur Eltern oft am meisten Sorgen bereitet. Es kann zahlreiche Ursachen haben, am häufigsten sind bakterielle und virale Infekte, die selbstverständlich der Kinderarzt diagnostizieren und gegebenenfalls behandeln muss. Nur in seltenen Fällen lösen nicht infektiöse, aber ernste Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen oder Leukämie das Fiber aus; sehr selten handelt es sich um eine allergische Reaktion auf ein Medikament. Impfungen rufen sehr häufig Fieber hervor, das in aller Regel nicht gesenkt werden sollte. Sonst könnte die Antikörperbildung gehemmt werden. Manchmal sorgt auch einfach viel zu warme Kleidung für die erhöhte Temperatur. Ob Zahnen Fieber hervorruft, ist umstritten. Es könnte sich in vielen Fällen um einen zufällig zeitgleichen Infekt handeln. In 10 bis 30 Prozent der Fälle findet der Arzt keine Ursache für das Fieber.

 

Neugeborene bekommen selten Fieber. Steigt jedoch bei ihnen die Temperatur, steckt bei jedem zehnten Kind eine schwere bakterielle Infektion dahinter. Säuglinge zwischen einem und zwölf Monaten erkranken dagegen vor allem an Erkältungs-, Influenza- und Enteroviren sowie bei fehlender Impfung an Haemophilus influenza Typ B und Pneumokokken.

Wann zum Arzt?

Eltern sollten mit einem Säugling unter drei Monaten dann einen Arzt aufsuchen, wenn die Temperatur über 38,0 Grad Celsius steigt, bei Babys zwischen drei und sechs Monaten ab 39,0 Grad Celsius sowie bei weiteren Symptomen. Dazu zählen

 

  • schlechter Allgemeinzustand
  • Teilnahmslosigkeit und Inaktivität
  • Trinkverweigerung
  • Hautausschlag oder starke Blässe
  • ungewöhnlich schwaches oder schrilles Schreien
  • Fieberkrämpfe
  • Kurzatmigkeit und ungewöhnliche Atemgeräusche
  • mehr als 50 Atemzüge pro Minute bei Kindern zwischen sechs und zwölf Monaten
  • erhöhter Puls (mehr als 160 Schläge pro Minute bei Kindern unter einem Jahr)
  • geschwollene Arme, Beine oder Gelenke
  • wenig Urin
  • vorgewölbte Fontanelle (Knochenlücke am vorderen, oberen Kopf)
  • steifer Nacken (das Kind kann den Kopf nur schwer auf die Brust nehmen)
  • Schüttelfrost
  • neurologische Ausfälle wie Lähmung einer Körper- oder Gesichtshälfte

Der Arzt klärt bei jedem fiebernden Kind zunächst weitere Symptome ab, wie Schmerzen, Infekte der unteren und oberen Atemwege, Husten, Durchfall, Ausschlag, Anzeichen einer Blinddarm- oder Hirnhautentzündung sowie Krampfanfälle (siehe Kasten Fieberkrämpfe). Wichtig ist auch der Allgemeinzustand: Ist das Kind ansprechbar und am Spiel interessiert oder wirkt es teilnahmslos oder verwirrt? Danach entscheidet er sich für eine weitere Diagnostik und eine eventuelle medikamentöse Therapie.

 

Wichtig ist, dass die Eltern die ersten Anzeichen einer schweren bakteriellen Infektion kennen. Diese kann innerhalb von Stunden bis Tagen zu einer lebensgefährlichen Sepsis führen. Die Häufigkeit beträgt 10 Prozent bei Neugeborenen, 5 Prozent bei Säuglingen, die jünger als drei Monate sind, und 0,5 bis 1 Prozent bei älteren Säuglingen und Kleinkindern.

 

Aussagekräftige Warnzeichen für den Arzt sind rektal gemessene Temperaturen über 40 Grad Celsius. Hinzu kommen das Ausmaß der elterlichen Sorge, seine eigene Erfahrung sowie eine Blaufärbung der Haut durch Sauerstoffunterversorgung (Zyanose), beschleunigte Atmung, schlechte periphere Durchblutung und stecknagelkopfgroße Einblutungen in die Haut oder Schleimhäute.

 

Energiebedarf steigt

Fieber kostet den Körper viel Energie. Steigt die Körpertemperatur um zwei bis drei Grad, erhöht dies den Energiebedarf um 20 Prozent. Auch der Bedarf an Flüssigkeit steigt pro Grad um 10 bis 15 Prozent, daher ist Trinken die wichtigste Maßnahme. Mütter sollten Stillbabys öfter anlegen. Unabhängig von der Ernährungsweise empfiehlt es sich, dem Kind Wasser oder ungesüßten Tee per Pipette, Fläschchen oder Becher einzuflößen (täglich 50 bis 80 ml pro Kilogramm Körpergewicht). Droht das Kind zu dehydrieren, verabreicht der Arzt parenteral Kochsalz- oder Glucoselösung. Zeichen für Flüssigkeitsmangel sind ein trockener Mund, trockene Lippen und eingesunkene Augen. Außerdem sinkt die Fontanelle ein, älteren Säuglingen fehlt Tränenflüssigkeit und die Kinder sehen insgesamt schlecht beziehungsweise krank aus. In dieser Situation ist es ebenso wichtig, dass sich die Eltern dem Kind körperlich und emotional liebevoll zuwenden.

 

Zwar sind bei manchen Eltern Wadenwickel gegen erhöhte Temperaturen beliebt, die korrekte Anwendung ist jedoch recht aufwändig und ohne gleichzeitige Antipyretika-Gabe nicht sinnvoll. Die lauwarmen, aber nicht kalten Wickel müssen alle 10 bis 20 Minuten gewechselt werden. Sie bewirken eine Vasokonstriktion der peripheren Blutgefäße, sodass der Körper die Hitze nicht abgeben kann. Die Beine melden dem Gehirn außerdem Kälte und signalisieren dem thermoregulatorischem Zentrum im Zentralnervensystem damit, keine weitere Wärme zu produzieren. Das Baby sollte nicht frieren oder zu sehr auskühlen.

 

Antipyretika

Fiebersenkende Arzneimittel kommen mittlerweile nur noch zum Einsatz, wenn das Fieber über 40 Grad Celsius ansteigt, das Kind stark beeinträchtigt ist, nur noch sehr wenig Flüssigkeit zu sich nimmt. Ärzte setzen antipyretisch wirksame Substanzen in besonderen Situationen ein, beispielsweise im Schockzustand, bei Kindern mit einer chronischen Herz- oder Lungenerkrankung oder Bronchiolitis. Da die gängigen Antipyretika gleichzeitig Schmerzen lindern, steht diese Wirkung bei Kindern im Vordergrund. Die nicht verschreibungspflichtigen Medikamente sind wie alle Arzneimittel für Kinder bis zwölf Jahre verordnungsfähig und werden von den Krankenkassen erstattet.

Mittel der Wahl ist Paracetamol, das bereits für Neugeborene zugelassen ist. Es hat sich bei korrekter Dosierung als wirksam, sicher und gut verträglich erwiesen. Die Dosierung beträgt 10 bis 15 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht alle vier bis sechs Stunden. PTA oder Apotheker sollten den Eltern die korrekte Dosierung am besten schriftlich mitgeben. Die Tageshöchstmenge insgesamt beträgt 60 mg/kg Körpergewicht. Die Wirkung tritt innerhalb von 30 bis 60 Minuten ein und hält vier bis sechs Stunden an. Für Babys eignen sich Suppositorien sowie Lösungen oder Säfte mit einer Dosierpipette. Messlöffel sind zu ungenau! Leberschäden sind bei korrekter Dosierung sehr unwahrscheinlich. Eine hohe Überdosis kann jedoch tödlich sein. Paracetamol steht unter Verdacht, bei Kindern Asthma zu verursachen oder zu triggern. Ein endgültiger Beweis für einen Zusammenhang fehlt jedoch.

 

Vorsicht Fehldosierung

Alternativ kommt für ältere Säuglinge Ibuprofen zum Einsatz, je nach Präparat für Kinder ab sechs bis acht Monaten oder besser ab sieben bis acht Kilogramm Körpergewicht. Die verschiedenen Präparate enthalten unterschiedliche Konzentrationen, daher ist auch hier eine genaue Berechnung der Dosis auf Basis des Körpergewichts wichtig. Die Dosierung beträgt 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht alle sechs bis acht Stunden mit einer maximalen Tagesdosis von 40 mg/kg Körpergewicht. Die stärkste Wirkung wird nach drei bis vier Stunden erreicht und hält etwa sechs bis acht Stunden an. Als Nebenwirkungen können Gastritis und Magen-Darm-Geschwüre sowie Nierenschäden, auftreten, letztere vor allem bei einem dehydrierten Kind.

 

Paracetamol und Ibuprofen senken Fieber vergleichbar gut, Ibuprofen wirkt jedoch deutlich stärker antientzündlich. Einige Kinderärzte verordnen beide Mittel im Wechsel, davon ist jedoch abzuraten. Zum einen ist nicht wissenschaftlich belegt, dass ein ständiger Wechsel tatsächlich effektiver das Fieber senkt. Zum anderen steigt die Gefahr von Fehl- und Überdosierungen. Auch Abstand und Dosierung sind bei der Kombination unklar; mögliche Nebenwirkungen sind nicht untersucht. Acetylsalicylsäure (ASS) ist bei Kindern unter zwölf Jahren kontraindiziert, da es in seltenen Fällen als schwere Nebenwirkung ein Reye-Syndrom auslösen kann.

 

Eltern sollten ihrem Säugling nicht ohne ärztliche Rücksprache Antipyre­tika verabreichen, da die Fiebersenkung die Diagnose verfälschen kann. So unruhig Eltern auch sein mögen: Nach ärztlicher Abklärung sind Abwarten und (Tee) Trinken, Ruhe sowie viel Liebe und Zuwendung die besten Mittel gegen Fieber. /

Fieberkrämpfe – beängstigend, aber meist harmlos

Ein Fieberkrampf wirkt auf die Eltern überaus beängstigend. Dennoch sind Fieberkrämpfe in der Regel harmlos und hinterlassen keine Folgeschäden. Sie kommen am häufigsten in einem Alter von drei Monaten bis fünf Jahren vor. Etwa zwei bis fünf von 1000 Kindern haben bis zu ihrem fünften Lebensjahr mindestens einmal einen solchen Anfall erlitten.

 

Steigt die Temperatur schnell an, können Fieberkrämpfe auftreten. Die Muskulatur verkrampft, Arme und Beine zucken oder das Kind streckt sich unnatürlich. Manche Kinder verdrehen die Augen, ihre Pupillen sind erweitert oder sie blicken starr. Fieberkrämpfe dauern in der Regel nur wenige Minute, nach einer Stunde hat sich das Kind davon erholt. Trotzdem sollten die Eltern danach einen Arzt konsultieren.

 

Einen Notarzt sollten die Eltern rufen, wenn der Fieberkrampf länger als einige Minuten anhält. Wichtig ist, das Kind während des Anfalls vor Verletzungen zu schützen und selbst ruhig zu bleiben. Bei einem lange anhaltenden Fieberkrampf verabreicht der Arzt Diazepam. Er kann Diazepam-Suppositorien auch prophylaktisch für den Notfall verschreiben.

 

Neigt ein Kind zu Fieberkrämpfen, kann es sinnvoll ein, ihm bereits bei beginnendem Fieber ein Antipyretikum zu geben.