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Kinder müssen Empathie erst lernen

25.06.2014  11:53 Uhr

Von Elke Wolf / Kinder projizieren ihre eigenen Gefühle auf andere und können sich deshalb nur schlecht in andere hineinversetzen. Die eigene Person betrachten sie als Zentrum allen Geschehens. Je älter ein Kind wird, umso besser kann es die Gefühlswelt anderer verstehen.

Das haben Wissenschaftler vom Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften erstmals nachgewiesen. Die Unfähigkeit, dieses sogenannte egozentrische Denken zu überwinden, kann Betroffenen sehr schaden, wenn sie zurückgewiesen werden. Wissenschaftler wollen deshalb die Gründe für nachteiliges soziales Verhalten verstehen.

Diesen Sachverhalt hat nun das Forscherteam um Dr. Nikolaus Steinbeis untersucht. Um die emotionalen Zustände unterschiedlicher Altersgruppen miteinander vergleichen zu können, haben die Wissenschaftler ein Spiel mit monetärer Belohnung und Bestrafung eingesetzt. Sie ließen das Spiel Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren spielen und verglichen die Ergebnisse mit denen von Erwachsenen. Nach jeder Runde wurde den Spielern ihr eigenes Ergebnis und das eines für sie nicht sichtbaren Mitspielers angezeigt. Danach sollten sie einschätzen, wie sich der andere Spieler gerade fühlt. Die Ergebnisse zeigen, dass Erwachsene mühelos die Tendenz zur emotionalen Egozentrik überwinden können und sich empathisch zeigen, während die Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren dazu neigen, die eigene Emotion als Maßstab für den anderen heranziehen.

Außerdem haben die Wissenschaftler die Aktivität verschiedener Gehirnregionen im Kernspintomografen gemessen. Dabei entdeckten sie eine Region, die für die Überwindung eigener Gefühle von entscheidender Bedeutung ist. Der sogenannte rechte Supramarginale Gyrus (rSMG), eine Windung in der Großhirnrinde, ist bei Kindern weniger aktiv als bei Erwachsenen. Je schwächer die Aktivität des rSMG, desto egozentrischer urteilten die Versuchsteilnehmer. Erwachsene beanspruchen diese Hirnregion stärker, sodass sie eigene Emotionen zunehmend ausblenden können. /

Quelle: wissenschaft online