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Phytotherapie

Mehr Gelassenheit hilft beim Einschlafen

25.06.2014  11:54 Uhr

Von Elke Wolf, Seligenstadt / Ein dauerhaft erhöhter Stresspegel schadet der Gesundheit. Doch dass Einschlafstörungen, Kopfschmerzen oder Magenprobleme auch seelische Ursachen haben können, ist den meisten Betroffenen nicht bewusst. Um die körperlichen Symptome zu lindern, hilft daher eine ganzheitliche Strategie, in der innere Ruhe und Ausgeglichenheit eine wichtige Rolle spielen.

Hohe Stresslevel führen bei jedem Zweiten zu Schlafstörungen. Wer hingegen entspannt durchs Leben geht, hat weit weniger Schlafprobleme, schätzungsweise halb so oft. Unter Nervosität und Gereiztheit leiden vier von zehn Gestressten, gegenüber nur jedem zehnten Entspannten. Diese Zahlen ergab die aktuelle Stressstudie der Techniker Krankenkasse.

 

Innere Angespanntheit und Abschaltschwierigkeiten führen zu einem Teufelskreis. Denn auf nervöse Unruhe am Tag folgt nicht selten die Schlafstörung in der Nacht. Wer nachts nicht erholsam schläft, ist am nächsten Tag gereizt und wenig leistungsfähig.

»Ein ganzheitliches Herangehen kann diesen Teufelskreis aus abendlichem Nicht-zur-Ruhe-Kommen und alltäg­lichen Überlastungen durchbrechen«, informierte Dr. Oliver Urban, Sportpä­dagoge mit Schwerpunkt Psychosomatik aus Hamburg, auf einer Presseveranstaltung der Firma Aristo Pharma.

Anker zur Entspannung

Dazu zähle regelmäßige Bewegung und gesundes Ernährungsverhalten, das heißt, abends nicht zur schwer und zu spät essen und eiweißreiche Kost bevorzugen. Ebenso wichtig sei es, feste Rituale zu etablieren und Entspannungsinseln in den Alltag zu integrieren, beispielsweise mittels neurolinguistischer Programmierung. Damit werde das Unruhe-Problem ganzheitlich angegangen, so Urban.

Das Ziel der neurolinguistischen Programmierung ist es, Bilder, Töne oder Gerüche abrufbar mit Entspannung zu verankern. Dabei werden simple körperliche Abläufe wie das Zusammenpressen von Zeigefinger und Daumen in Zusammenhang mit entspannenden Eindrücken gebracht. »Letztlich verbindet das Gehirn den körper­lichen Anker mit der entspannenden Wahrnehmung. Dann können Unruhe-Patienten in kritischen Situationen –von der Umgebung unbemerkt – gezielt die entspannende Erinnerung abrufen«, beschreibt Urban die Methode. Manchen Menschen helfe, sich immer wiederkehrende Gedanken von der Seele zu schreiben. Oft genüge bereits eine To-do-Liste für den nächsten Tag. »Dann sind die Gedanken auf einem Zettel – und damit raus aus der Nacht.«

Natürliche Einschlafhilfen

Daneben fungieren verschiedene Heilpflanzen als natürliche Entspannungshelfer, allen voran Baldrian und Johanniskraut. Baldrian gilt als die am besten untersuchte schlafanstoßend wirkende Arzneipflanze. Ihre Wirkung beruht vor allem auf den enthaltenen Lignanen, die am Adenosinrezeptor des Subtyps A1 binden und damit Adenosin ähnlich wirken. Vor allem das hydrophile Lignan Olivil zeigte in Untersuchungen eine hohe Affinität zum A1-Rezeptor. Adenosin dämpft das aktivierende System im Vorderhirn, indem es die Ausschüttung anregender Transmitter hemmt. Hohe Konzentrationen an Adenosin erhöhen so das Schlafbedürfnis, das sich im Tagesverlauf aufbaut – ein Prozess, der durch die Baldrianlignane direkt unterstützt wird.

Welche Inhaltsstoffe für die Wirkung des Johanniskrauts verantwortlich sind, ist noch nicht definitiv geklärt. Herba Hyperici wirkt stimmungsausgleichend und fördert die Motivation, indem es möglicherweise die Catechol-O-Methyl-Transferase (COMT) sowie eine Vielzahl weiterer Neurotransmittersysteme hemmt. Daran wesentlich beteiligt sind sowohl Hyperforin als auch Hypericin.

Volle Aufmerksamkeit

»Werden Baldrianwurzel und Johanniskraut als Trockenextrakte in Kombination eingesetzt (wie Sedariston®), erzielt man insgesamt eine dreifache Wirkung: beruhigend, spannungslösend und stimmungsaufhellend. Dabei treten die einzelnen Wirkaspekte zeitversetzt ein«, erklärte Apothekerin Juliane von Meding. So setze die beruhigende Wirkung bereits nach wenigen Stunden ein. Nach fünf bis sieben Tagen bescheinigen Studien der Fix-Kombination einen spannungslösenden, reizabschirmenden Effekt. Die stimmungsaufhellende Wirkung entfalte sich nach etwa zwei Wochen. Auch bei längerfristiger Einnahme sei kein Abhängigkeitspotenzial zu befürchten. Dabei bleibe unter der empfohlenen Dosierung die kognitive Leistungsfähigkeit sowie die Aufmerksamkeit voll erhalten.

Wichtiger Punkt für die Verträglichkeit: Da die in Sedariston eingesetzten Trockenextrakte relativ niedrig dosiert sind, müssten die Patienten bei der empfohlenen Dosierung keine photosensibilisierenden Nebeneffekte befürchten, sagte von Meding.

Das phototoxische Potenzial von Hypericin ist nach derzeitigem Kenntnisstand längst nicht so hoch, wie bislang angenommen. Lediglich die wiederholte Einnahme sehr hoher Hypericum-Extrakt-Konzentrationen könnte die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Die für die Behandlung von Depressionen relevante Dosierung von 900 mg pro Tag ist für die Erniedrigung der Erythemschwelle zu gering. Bei der Gabe von Hypericin als Antidepressivum wurde bislang erst ein Mal eine erhöhte Photosensitivität unter Sonneneinwirkung beschrieben. /