PTA-Forum online
Interview

Von der Apotheke zur Industrie

25.06.2014
Datenschutz

Von Annette van Gessel / PTA Marlies Heckel wagte nach über 20 Jahren den Wechsel von der Apotheke in die Industrie. Jetzt ist sie im Pharmaunternehmen CC Pharma in Densborn/Eifel als stellvertretende Herstellungsleiterin tätig. Auch heute noch profitiert sie von ihrer Ausbildung und Erfahrung als PTA – die Faszination für alle pharmazeutischen Aufgaben hat sie immer noch.

PTA-Forum: Warum haben Sie sich vor Jahren für die Ausbildung zur PTA entschieden?

Heckel: Eine meiner Cousinen war als Apothekenhelferin in der Nähe von Meerfeld, meinem Geburtsort, in einer Apotheke tätig. Ich habe sie immer gern bei ihrer Arbeit beobachtet. Später, während meiner eigenen Ausbildung zur Apothekenhelferin, habe ich dann gemerkt, dass ich gern mehr direkten Kontakt zu Kunden haben würde und dass mich das Zubereiten von Rezepturen und auch die Arbeit im Labor mehr interessieren würde, im Gegensatz zu den sehr kaufmännisch geprägten Aufgaben einer Apothekenhelferin beziehungsweise heutigen PKA. Also entschied ich mich für die Weiterbildung zur PTA.

Die Ausbildung gefiel mir, weil sie so vielfältig war. Neben dem Wissen in Chemie, Galenik, Botanik, Diätetik, Drogen- und Arzneimittelkunde umfasste sie auch Kenntnisse über die Bearbeitung ärztlicher Verschreibungen, die Anwendung von Arzneimitteln und apothekenüblichen Waren als Grund­lage für die individuelle Beratung der Apothekenkunden. Auch die geltenden Rechtsvorschriften muss man kennen. Die gesetzlichen Vorgaben ändern sich häufig und stehen bei der Beratung, Beispiel Rabattverträge, heute oft im Vordergrund. Das heißt, Fortbildung – auch in diesem Bereich – ist heute ein Muss und gewichtet die alltägliche Praxis einer PTA jetzt völlig anders als zu Beginn meiner Berufstätigkeit.

PTA-Forum: Woher kam Ihre Motivation für den Wechsel in die Industrie?

Heckel: Nach zwanzig Jahren als PTA in Köln, wo ich viel Erfahrungen gesammelt habe, die mir heute noch zugutekommen, hatte ich den privaten Wunsch, in die Eifel zurückzukehren. Also ging ich auf Job-Suche.

Das auf EU-Importe und Parallelhandel spezialisierte Unternehmen CC Pharma in Densborn, in der Nähe von Trier, bestand zu der Zeit gerade 10 Jahre und suchte damals eine Besetzung für die Stelle der stellvertretenden Herstellungsleiterin, bei der die pharmazeu­tische Ausbildung Voraussetzung war. So kam ich zur Pharmabranche und das sind jetzt vier Jahre.

PTA-Forum: Wie sieht Ihre Tätigkeit heute aus?

Heckel: Primär konzentriere ich mich auf die Kontrolle der Zulassungspapiere, auf denen die jeweiligen Herstellungspapiere aufbauen. Das ist die Voraussetzung für eine qualifizierte Herstellung. Unsere Kontrolle betrifft die korrekte Verpackung der Medikamente, auch der Beipackzettel, und die korrekte Etikettierung nach der amtlichen Vorgabe. Bei der Kontrolle der Wirk- und Hilfsstoffe und Darreichungs­formen ist die fachspezifische pharmazeutische Ausbildung sehr hilfreich. Darüber hinaus bin ich auch für den reibungslosen Tages- und Produktionsablauf verantwortlich. Wenn hier Probleme auftreten, zum Beispiel dass die Verpackung nicht nach der Herstellungsanweisung gefertigt worden ist, helfe ich meinen Mitarbeitern. Ganz wichtig ist die interne Kommunika­tionskette mit den einzelnen Team­leitern der Kontrollabteilungen, vom Wareneingang bis zum Versand. Hier gilt es, die einzelnen Herstellungs­prozesse sehr präzise einzuhalten und umzusetzen und die Vollständigkeit der Papiere zu überprüfen.

PTA-Forum: Was macht Ihre Arbeit derzeit für Sie so interessant?

Heckel: Jeder Tag ist eine neue Herausforderung. Oft ändern sich die gesetz­lichen Vorgaben, unser Sortiment wird fortlaufend mit neuen Arzneimitteln aufgestockt – unser Lieferschwerpunkt sind Spezialmedikamente aus den Bereichen ZNS, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma, Impfstoffe, Interferone, Antirheumatika, Zytostatika und HIV-Präparate. Immer wieder gibt es neue Vorgaben seitens der Behörden wie des BfArM und der EMA, die entsprechend berücksichtigt werden müssen. Bei unseren internen Qualitätsprüfungen und Qualitätskontrollen arbeiten wir eng mit den Kollegen des Qualitäts-Managements zusammen.

Sobald sich die Indikationsgebiete ändern oder erweitern, richten wir unseren Vertrieb für Apotheken und Großhandel entsprechend aus. Wir liefern Original-Markenarzneimittel, keine generischen Medikamente, derzeit sind über 1500 Artikel sofort lieferbar.

PTA-Forum: Worin unterscheiden sich Ihre Tätigkeiten von der Arbeit in der öffentlichen Apotheke?

Heckel: Im Gegensatz zur Tätigkeit als PTA in der Offizin habe ich heute, als stellvertretende Herstellungsleiterin, natürlich keinen direkten Kundenkontakt mehr. Dennoch gehören der Informationsaustausch und die Beratung zu meinem beruflichen Alltag. Bei CC Pharma kommuniziere ich ständig – nur fachspezifischer – mit den einzelnen Teamleitern, die für die jeweiligen Produktionsabläufe verantwortlich sind.

PTA-Forum: Was empfinden Sie als besondere Herausforderung?

Heckel: Wichtig ist der störungsfreie Produktionsablauf. Den muss ich zusammen mit meiner Vorgesetzten organisieren und gewährleisten. Dafür haben wir bei CC Pharma interne Standards, die es umzusetzen gilt. Dazu gehören vollständige und aktuelle Produktionspapiere, gemäß den recht­lichen und amtlichen Vorgaben, aber auch die notwendige Material­beschaffung.

PTA-Forum: Würden Sie sich selbst noch einmal für den PTA-Beruf entscheiden?

Heckel: Der Beruf der PTA ist eine große Herausforderung und ist vom Auf­gabenspektrum breit gefächert, daher finde ich ihn sehr interessant. Neue Vorgaben durch Gesetzgeber und Krankenkassen geben dem Beruf heute allerdings eine andere Gewichtung, dabei kommt die pharmazeutische Beratung der Kunden vielfach zu kurz. Leider!

Ich bin aber froh, dass meine pharmazeutische Ausbildung als PTA mir immer noch bei meinen jetzigen Auf­gaben bei CC Pharma hilft. Die Faszination für die pharmazeutische Brache ist geblieben und auch mein langjähriges Abonnement einer PTA-Fachzeitschrift habe ich behalten. /