PTA-Forum online
Welt-Hepatitis-Tag

Zum Nachdenken anregen

25.06.2014  11:54 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler / Am 28. Juli findet international der Welt-Hepatitis-Tag statt. Welche Bedeutung die virale Hepatitis (Leberentzündung) in Deutschland hat und wie sich jeder vor einer Infektion schützen kann, erklärt Ingo van Thiel von der Deutschen Leberhilfe e.V. im Gespräch mit PTA-Forum.

PTA-Forum: Wie lautet das Motto des Welt-Hepatitis-Tages?

Van Thiel: Wir haben das englische Motto »Hepatitis: Think again« der World Hepatitis Alliance für Deutschland übernommen. Damit wollen wir die Öffentlichkeit, aber auch die Politiker zum Nachdenken anregen. Immerhin sind Infektionen mit Hepatitis B und C weltweit die achthäufigste Todesursache: Jedes Jahr sterben 1,5 Mil­lionen Menschen daran.

PTA-Forum: Sind diese Formen der Virushepatitis in Deutschland denn ein Problem?

Van Thiel: Ja, sie sind in Deutschland weit verbreitet. Sowohl Hepatitis B als auch Hepatitis C betreffen jeweils Hunderttausende von Menschen. Wie viele es wirklich sind, weiß keiner genau. Das Robert-Koch-Institut in Berlin schätzt die Zahl auf 400 000 bis 500 000 für Hepatitis B und eine ähnlich hohe Zahl für Hepatitis C.

PTA-Forum: Wie bemerkt der Betroffene die Infektion?

Van Thiel: Viele Patienten ahnen nichts davon, denn eine Leberentzündung verursacht oft jahrelang nur unspezifische Symptome wie Müdigkeit oder Abgeschlagenheit. Nur wenige bekommen eine Gelbsucht. Wer erhöhte Leberwerte hat, sollte diese beim Arzt abklären lassen. Wer zu Risikogruppen gehört, sollte sich gezielt auf Hepatitis B oder C untersuchen lassen. Eine chronische Hepatitis B lässt sich heute mit Medikamenten gut kontrollieren, Hepatitis C oft sogar heilen. Unbehandelt können diese Infektionen zu Leberzirrhose oder -krebs führen.

PTA-Forum: Sie sprechen Risikogruppen an. Wer ist gefährdet?

Van Thiel: Das Hepatitis-B-Virus, HBV, ist über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma, Vaginalsekret und mitunter auch Speichel übertragbar. Eine Infek­tion mit Hepatitis-C-Viren, HCV, erfolgt wahrscheinlich nur über Blut. Daher gefährdet Hepatitis B vor allem Sexualpartner von Infizierten und Neugeborene von HBV-positiven Müttern. HCV wird auch sexuell übertragen, aber deutlich seltener als HBV. Das Risiko steigt bei Verletzungen durch harte Sexualpraktiken. Blutprodukte werden in Deutschland heute auf HCV untersucht und sind daher sicher.

Ein weiterer Übertragungsweg für HBV und HCV: Wenn Drogenuser ihr Spritzbesteck und andere Utensilien miteinander teilen – also nicht nur Spritzen, sondern auch Röhrchen zum Schniefen von Kokain. Auch wenn ärztliche Eingriffe oder Tätowierungen und Piercings nicht steril erfolgen, besteht Gefahr.

PTA-Forum: Kann eine Impfung vor einer Infektion schützen?

Van Thiel: Gegen Hepatitis B schützt eine Impfung, Safer Sex und das Meiden von Blutkontakten. Gegen Hepatitis C ist noch kein Impfstoff in Sicht, weil das Virus sehr wandelbar ist. Hier gilt es, Blutkontakte zu vermeiden.

Wichtig ist zudem, scharfkantige Hygienegegenstände wie Rasierklingen, aber auch Zahnbürsten nicht gemeinsam mit Infizierten zu benutzen, weil daran Blut haften kann. Im Alltag besteht aber keine Gefahr: Die Viren werden nicht über Händeschütteln, Anniesen, Umarmen oder Benutzen der gleichen Toilette übertragen.

PTA-Forum: Ein anderes Virus löst die Hepatitis A aus. Wie können Reisende einer Infektion vorbeugen?

Van Thiel: Hepatitis-A-Viren werden über kontaminierte Nahrungsmittel oder auf unsauberen Toiletten übertragen. Es gibt eine sichere Impfung. Ansonsten gilt gerade in südlichen Ländern für Nahrungsmittel die alte Regel: Waschen, schälen, kochen oder vergessen Sie’s.

PTA-Forum: Zurück zum Welt-­Hepatitis-Tag: Welche Aktionen plant die Deutsche Leberhilfe?

Van Thiel: Im Zentrum steht ein neues E-Learning-Programm für Hepatitis-C-Patienten, das wir am 28. Juli vorstellen werden. Die Patienten lernen Schritt für Schritt ihre Diagnose und die Therapiemöglichkeiten kennen. Dank neuer Medikamente wird diese Infektion immer häufiger heilbar – wie es aussieht, mit deutlich weniger Nebenwirkungen als bisher.

Außerdem begleiten wir den Gesundheitstag mit unserer Webseite sowie einer Fotoaktion auf Facebook: Teilnehmer sollen Fotos einsenden, auf denen in Wolken, der Natur oder Alltagsgegenständen ein Gesicht erkennbar ist. Getreu dem Motto »Think again« sollen diese Bilder zum Nachdenken anregen. Zudem bieten wir einen Informationsflyer an, der leicht verständlich über Hepatitis A, B, C und D aufklärt.

PTA-Forum: Wie kann sich die Apotheke an diesem Tag engagieren?

Van Thiel: Wir begrüßen es sehr, wenn sich Apotheken mit Aktionen vor Ort am Welt-Hepatitis-Tag beteiligen. Sie können zum Beispiel Lebertests anbieten. Erhöhte Enzymwerte können ein erster Hinweis auf eine Lebererkrankung sein. Dann sollten die Apothekenmitarbeiter den Kunden an den Arzt zur Abklärung verweisen.

Aktive finden auf den Webseiten der internationalen World Hepatitis Alliance Vorlagen für Plakate, die sie mit einem benutzerfreundlichen Tool personalisieren können. Man kann die Daten seiner Apotheke und Aktion eingeben, die Plakate dann als PDF-Dateien herunterladen und ausdrucken. Gerne machen wir auf unserer deutschen Webseite auf Aktionen aufmerksam. Apotheken können uns per E-Mail über ihre geplanten Aktionen informieren und kostenfrei unsere Welt-Hepatitis-Tag-Flyer anfordern. /

Weitere Infos im Netz

Deutsche Leberhilfe e.V. - www.leberhilfe.org - E-Mail: info(at)leberhilfe.org

Welt-Hepatitis-Tag - www.welthepatitistag.info

World Hepatitis Alliance - www.worldhepatitisalliance.org