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Erst testen, dann operieren

24.05.2016  10:37 Uhr

Von Elke Wolf / Eine neu entwickelte nuklearmedizinische Untersuchung, die verborgene Krebsherde im Körper aufspürt, kann Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren eine ausgedehnte Operation am Hals ersparen. Dies zeigt eine britische Studie, die im Fachjournal New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde.

»Bilden Tumoren Metastasen in den Lymphknoten im Halsbereich, gehört die chirurgische Entfernung aller Lymphknoten plus der umgebenden Weichteile am Hals zur Behandlung«, wird Professor Dr. Matthias Schmidt, Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Köln, in einer Pressemeldung des Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner zitiert. Allerdings kann diese, auch Neck-Dissection genannte Operation, durch Nervenverletzungen zu Komplikationen und unschönen kosmetischen Folgen im Halsbereich führen.

Wie man heute weiß, benötigen viele Patienten diese schwere Operation gar nicht, weil Bestrahlungen und Chemotherapie die Metastasen in den Lymphdrüsen zerstört haben. Mit einer nuklearmedizinischen Untersuchung im Vorfeld kann die Neck Dissection in vielen Fällen vermieden werden. Dabei werden zwei Verfahren miteinander kombiniert, die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und die Computertomografie (CT). Für die PET wird dem Patienten ein schwach radioaktiver, traubenzuckerähnlicher Tracer in die Vene injiziert. Da Krebszellen mehr Energie benötigen als andere Zellen, kommt es zu einer Anreicherung des Tracers, die im PET-Scanner sichtbar wird. Das danach angefertigte CT zeigt, wo genau sich die Metastasen befinden.

Eine Studie an 37 Behandlungszentren in Großbritannien mit insgesamt 564 Patienten belegt nun, dass die PET/CT-Untersuchung die Metastasen zuverlässig erkennt. Ergebnis: Im PET/CT-Arm der Studie wurden nur 19 Prozent der Patienten operiert gegenüber 78 Prozent in der Gruppe mit dem Standard­verfahren. Die Überlebens­rate nach zwei Jahren war mit 85 Prozent gegenüber 82 Prozent sogar etwas höher als unter dem derzeitigen Therapiestandard. /