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Reiseapotheke

Ab in den Urlaub

22.05.2017
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Von Claudia Timmermann / Ob Last Minute oder von langer Hand geplant, ob Flugreise, Kreuzfahrt oder Campingurlaub – eine sinnvoll ausgestattete Reiseapotheke sollte immer mit an Bord sein.

Was in die portable Apotheke gehört, hängt jeweils vom Reiseziel, der Reiseart und vom individuellen Sicherheitsbedürfnis des Urlaubers ab. Die erste Frage der beratenden PTA sollte also immer der Destination gelten – nicht etwa aus Neugier, sondern vielmehr, um mögliche Gesundheitsrisiken und den daraus folgenden Bedarf an Medikamenten zur Selbstmedikation besser einschätzen zu können.

Ganz oben auf der Wunschliste der Reisefreudigen stehen meist Medikamente, die Schmerzen lindern und Fieber senken. Geeignet sind hier Präparate mit den Wirkstoffen Paracetamol, Acetysalicylsäure oder Ibuprofen. Sie sollten auf keiner Expedition fehlen, denn plötzlich veränderte Klimaverhältnisse, starke Sonneneinstrahlung, Höhenluft, trocken-kalte Klimaanlagen-Luft oder ungewohnte Schlafbedingungen in fremden Betten können besonders in den ersten Urlaubstagen zu Kopfschmerzen, fiebrigen Infekten oder Muskelverspannungen führen.

Man muss nicht mit einem besonders sensiblen Magen-Darm-Trakt ausgestattet sein, um auf Reisen Verdauungsbeschwerden zu entwickeln. Exotische Zutaten und Zubereitungsarten oder ein Überangebot an Speisen am All-you-can-eat-Buffet sorgen häufig für Beschwerden wie Sodbrennen, Völlegefühl mit Blähungen und Verstopfung. Da es kein Mittel gibt, das gegen alle Symptome gleichermaßen wirkt, ist also derjenige gut gerüstet, der neben einem Antazidum ein entblähendes Medikament, etwa mit Dimeticon, pflanzliche Tropfen gegen Übelkeit und Magenkrämpfe sowie ein zuverlässig wirkendes Laxans mit Bisacodyl oder Natriumpicosulfat im Gepäck hat. Tabletten oder schnell wirksame Kaugummis mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat oder ein Präparat mit Ingwer helfen bei Reiseübelkeit, etwa bei langen Auto- oder Busfahrten oder auf dem Schiff.

Gerade in sehr warmen Urlaubsregionen spielen Durchfallerkrankungen nach wie vor eine große Rolle, unabhängig davon, ob man auf dem Campingplatz oder im Fünf-Sterne-Hotel residiert. Hier lohnt es sich, den Kunden darauf hinzuweisen, dass er seine Darmflora bereits vor der Reise stärken und vor Diarrhöe schützen kann, beispielsweise durch die vorbeugende Einnahme von Präparaten mit Trockenhefe-Kulturen wie Saccharomyces boulardii oder mit Tanninalbuminat und Ethacridinlactat. Für den Akutfall sollte auch ein Elektrolytpulver zur Herstellung einer Lösung zum Einnehmen verfügbar sein, um eine ausreichende Elektrolyt- und Flüssigkeitszufuhr zu gewährleisten. Ebenfalls für den Akutfall geeignet sind Mittel mit Racecadotril oder Loperamid. Racecadotril wirkt hauptsächlich, indem es die Wassersekretion in den Darm vermindert. Loperamid lähmt die Darmperistaltik. Dadurch lässt die Stuhlfrequenz zwar recht schnell nach, allerdings können Krankheitserreger länger im Darm verbleiben.

Gut gewappnet

Halsschmerzen, Schnupfen und Husten gehören nicht nur in heimischen Gefilden zu den häufigsten Bagatell-Erkrankungen. Auf Reisen stellen unter anderem klimatisierte Innenräume und heiße Außentemperaturen das Immunsystem zusätzlich vor große Herausforderungen. Eine Basisausstattung gegen Erkältung bestehend aus Mitteln gegen eine Halsentzündung, ein Hustenlöser sowie -stiller und Nasenspray dürfen daher keinesfalls in der Reiseapotheke fehlen. Bei Flugreisen mit Babys oder Kleinkindern gehören abschwellende Nasentropfen unbedingt ins Handgepäck. Sie erleichtern den Druckausgleich im Ohr bei Start und Landung. Stehen Schwimmen, Schnorcheln oder Tauchen auf der Urlaubsagenda, sollte man den Kunden auch auf das Risiko einer Ohr-Entzündung hinweisen und schmerzstillende Ohrentropfen empfehlen.

Frauen, die häufig unter Harnwegsinfekten leiden, fühlen sich gut beraten, wenn die PTA das sensible Thema ebenfalls im Rahmen der Reiseapotheken-Beratung anspricht. Pflanzliche Mittel zur Prophylaxe mit Rosmarin, Liebstöckel oder Cranberry sind dabei in der Reiseapotheke ebenso denkbar wie Präparate für den akuten Infekt, die entzündungshemmend, schmerzstillend sowie krampflösend wirken. Betroffene reagieren zudem meist offen und dankbar, wenn man ihnen zusätzliche Tipps mit auf den Weg gibt, zum Beispiel zu angemessener Intimhygiene oder zum raschen Wechsel nasser Badebekleidung.

Sonnen ohne Reue

Dem Thema Sonnenschutz kommt beim Zusammenstellen der Reiseapotheke eine besondere Bedeutung zu. Wie lange dauert der Urlaub? Wie viele Personen werden das UV-Protektivum anwenden? Gibt es in der Familie sonnen­empfindliche Hellhäutige, gar Sonnenallergiker? Neben dem Lichtschutzfaktor spielen also Reichweite und galenische Formulierung – Creme, Lotion, Gel oder Spray – eine ent­scheidende Rolle bei der Auswahl des passenden Präparates. Dabei schützt nicht zuletzt der Hinweis vor Sonnenbränden, Sonnencremes grundsätzlich reichlich und wiederholt nach jedem Baden im Chlor- oder Salzwasser aufzu­tragen. Ein kühlendes, hautregenerierendes After-Sun-Produkt, etwa mit Dexpanthenol und Aloe-vera-Extrakt, rundet die Sonnenpflege ab. Topische Antihistaminika oder niedrige dosierte Glucocorticoid-Cremes können bei Sonnenbrand und Insektenstichen lindernd wirken.

Lange Kleidung und Moskitonetze bieten einen gewissen Schutz vor Stechmücken, ein wirksames Repellent ersetzen sie allerdings nicht. Auch hier sind wieder Fragen nach dem Urlaubsziel und den mitreisenden Personen angebracht. Effektiv schützen Sprays und Lotionen zur direkten Anwendung auf der Haut. In der Regel halten Wirkstoffe wie Icaridin oder DEET auch andere Insekten wie Wespen, Zecken, Sandfliegen oder Grasmilben fern. Um den Schutz zum Beispiel in tropischen, moskitoreichen Regionen zu intensivieren, empfehlen sich Sprays, die man zusätzlich auf die Kleidung sprüht. Für Kleinkinder ab einem Jahr eignen sich Repellenzien mit natürlichen Substanzen wie Citronellöl.

Last but not least: Die Reiseapotheke ist erst vollständig, wenn auch Verbandsmaterial für kleinere Verletzungen mit an Bord ist. Wundpflaster in unterschiedlichen Größen, sterile Kompressen zum Abdecken von Wunden sowie Mullbinden gehören dabei zum Standardrepertoire. Nicht fehlen sollten außerdem ein Wund-Desinfek­tionsspray und eine Salbe mit Povidon-Iod beziehungsweise ein topisches Präpa­rat, das antibakteriell wirkt, etwa mit dem Wirkstoff Tyrothricin. /

Homöopathische Alternativen

Kunden, die Beschwerden auf Reisen homöopathisch behandeln wollen, sollten diese Mittel mit im Gepäck haben:

  • Okoubaka D3: bei akuten Magen-Darm-Infekten mit Durchfall, auch prophylaktisch
  • Nux vomica D12: bei Übelkeit, Völlegefühl, Verstopfung, Jetlag und Kater
  • Arsenicum album D12: bei wässrigem Durchfall, Erbrechen
  • Cocculus D12: Reiseübelkeit
  • Apis mellifica D12: bei Insektenstichen, Sonnenallergie
  • Cantharis D12: Verbrennungen und Sonnenbrand, akute Blasenentzündung
  • Aconitum D12: zu Beginn akuter Erkrankungen, auch mit Fieber
  • Belladonna D12: akute Entzündungen und Infektionen
  • Arnica montana D6 (Globuli, Salbe): etwa bei Prellungen, Schürfwunden oder Sport­verletzungen

Für einige Indikationen gibt es auch Komplexmittel, die sich vor allem für Kinder eignen, zum Beispiel Bronchobini® und Flatulini® von Heel, Insectolin® Gel, Travelin® Reisetabletten und Bellilin® Tabletten von Mama Natura (DHU).