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Impfungen

Gut geschützt auf Reisen

22.05.2017  13:12 Uhr

Von Verena Arzbach / Weltentdecker können auf Reisen fremde Kulturen hautnah erleben, exotische Speisen probieren und neue Eindrücke sammeln – sich aber auch gefährliche Infektionskrankheiten einfangen. Sie sollten daher früh genug abklären, welche Impfungen für ihr Reiseziel beziehungsweise ihre Reisebedingungen empfohlen werden.

Spätestens einen Monat vor Abreise sollte der Urlauber den Weg zur Reiseimpfberatung in der Apotheke oder beim Arzt antreten. Hier wird zunächst der allgemeine Impfstatus überprüft: Sind alle Impfungen vorhanden und aktuell, die die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) für Erwachsene in Deutschland standard­mäßig empfiehlt?

Das sind in erster Linie Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Polio, ge­gebenenfalls auch gegen Mumps, Masern, Röteln, Grippe und Pneumokokken.

Hepatitis

Danach muss überprüft werden, welche Impfungen für die anstehende Reise relevant sind. Eine typische Reisekrankheit ist etwa die Hepatitis A. Die auslösenden Viren sind in vielen Urlaubsländern, etwa am Mittelmeer und in den Tropen, verbreitet. Der Er­reger ist sehr widerstandsfähig, er überlebt hohe Temperaturen und viele Desinfektionsmittel. Die Ansteckungsgefahr ist daher groß. Infizieren können sich Urlauber zum Beispiel über verunreinigtes Trinkwasser, Eiswürfel, Rohkost und Meeresfrüchte. Auch eine Schmierinfektion durch direkten Kontakt zwischen Menschen ist möglich.

Es gibt verschiedene Impfstoffe allein gegen Hepatitis-A-Viren (zum Beispiel Havrix®, Vaqta®), aber auch Kombinationsimpfstoffe wie Twinrix®, mit denen gleichzeitig gegen Hepa­titis B geimpft werden kann. Diese Viren werden durch Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma und Speichel übertragen. Eine Ansteckungsgefahr besteht ge­nerell, nicht nur auf Reisen, unter an­derem bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr sowie bei nicht steril durch­geführten Tätowierungen und Piercings.

Eine Reise kann daher zum Anlass genommen werden, direkt gegen Hepatitis- A- und B-Viren zu impfen. Der Kombinationsimpfstoff muss dreimal gespritzt werden: die erste und zweite Injektion im Abstand von einem Monat, die dritte nach weiteren sechs Monaten. Nach einem schnellen Impfschema können gesunde Erwachsene vor einer Reise aber auch an den Tagen 0, 7 und 21 geimpft werden.

Gelbfieber

Gelbfieber ist eine ernsthafte Virus­erkrankung, mit der sich Touristen im tropischen Afrika und Zentral- und Südamerika infizieren können. Die Infek­tion erfolgt vor allem durch einen Stich der Mücke Aedes aegypti. Es treten grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf, in schwereren Fällen kann es zu einem Ikterus oder inneren Blutungen kommen. Bei diesen schwerwiegenden Symptomen ist die Virusinfektion in der Hälfte aller Fälle tödlich.

Steht eine Reise in ein Risikogebiet an, sollte sich der Reisende unbedingt impfen lassen. Die Impf-Empfehlung gilt zurzeit auch für ganz Brasilien, dort gab es Anfang des Jahres einen Gelb­fieberausbruch mit mehr als 200 Toten. In einigen Ländern ist der Nachweis der Gelbfieberimpfung, die von einem speziell ausgebildeten Arzt in einer ausgewiesenen Gelbfieberimpfstelle durchgeführt und dokumentiert werden muss, auch eine Bedingung für die Einreise.

Hilfreiche Internetseiten

  • www.auswaertiges-amt.de: unter anderem Länder- und Reiseinformationen, Reise- und Sicherheitshinweise, aktuelle reisemedizinische Hinweise, Informationen zu Infektions- und Tropenkrankheiten
  • www.crm.de: Webseite des Centrums für Reisemedizin, ein unabhängiges Fachinstitut. Das CRM stellt Informationen über Infektions- und andere Gesundheitsrisiken weltweit zusammen und wertet sie aus.
  • www.dtg.org: Webseite der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Inter­nationale Gesundheit. Empfehlungen zu Reiseimpfungen, Adressen reisemedizinisch fortgebildeter Ärzte in Deutschland
  • www.rki.de: Aktuelle Empfehlungen der STIKO­, Informationen zu Reise­assoziierten Infektionskrankheiten
  • www.who.int/ith/en: »International Travel and Health«: aktuelle Informationen zu Infektionskrankheiten und Reiseimpfungen (englisch)

In Deutschland steht der Lebend- impfstoff Stamaril® zur Verfügung. Für immungeschwächte beziehungsweise -supprimierte Menschen ist die Impfung jedoch nicht geeignet. Der Vorteil der Impfung: Wer einmal gegen Gelbfieber geimpft wurde, ist lebenslang geschützt. Im vergangenen Jahr entschied die Weltgesundheitsor­gani­sation WHO, dass eine Auf­frisch­impfung – die früher nach zehn Jahren empfohlen wurde – nicht nötig ist. Die neue WHO-Empfehlung ist zwar seit Juni 2016 bindend für die Vorschriften im internationalen Reiseverkehr. Doch ob wirklich alle Länder die neue Regelung kennen und bei der Einreise­kontrolle anwenden, ist nicht bekannt. Reisende sollten daher zuvor abklären, ob die Gesundheitsbehörden der Zielregion die Empfehlung akzeptieren oder gegebenenfalls eine Auffrischung nach zehn Jahren fordern.

Typhus

Das Bakterium Salmonella typhi löst Typhus aus. Die Erkrankung beginnt mit Bauchschmerzen, Übelkeit und Fieber. Bei komplizierten Verläufen kann eine Hirnhautentzündung oder Per­foration des Darms auftreten. Die Bakterien können etwa über konta­miniertes Trinkwasser und Nahrungsmittel übertragen werden. Eine Gefahr für Touristen besteht vor allem in Ländern mit schlechten hygienischen Verhältnissen, beispielsweise in bestimmten Gebieten Südamerikas, Nordafrikas und in Indien. Besonders gefährdet sind Touristen, die unter einfachen Bedingungen reisen.

Gegen Typhus gibt es drei Impf­stoffe: Typhim Vi® und Typherix® werden intramuskulär verabreicht und bieten nach einmaliger Immunisierung einen dreijährigen Schutz. Der Lebend­impfstoff Typhoral® wird als Kapsel geschluckt: je eine Kapsel an den Tagen 1, 3 und 5. Die Schluckimpfung ist allerdings erst ab dem vollendeten fünften Lebensjahr zugelassen, die beiden erst genannten ab dem Alter von zwei Jahren. Achtung: Die Typhus-Schluckimpfung sollte nicht parallel zur Malaria­prophylaxe oder während der Einnahme von Antibiotika erfolgen, da sie dann wirkungslos wird.

Cholera

Eine Schluckimpfung gibt es auch gegen Cholera (Dukoral®). Sie erfolgt in zwei Dosen im Abstand von mindestens einer Woche, wobei die zweite Dosis spätestens sieben Tage vor Abreise eingenommen werden muss.

Tabelle: Übersicht zu Reiseimpfungen, Impfschemata laut jeweiliger Fachinformation

Erkrankung Impfstoffe Impfschema (Erwachsene)
Hepatitis A z.B. Havrix®, Vaqta® Kombination Hepatitis A und B: Twinrix® 2 Dosen: Grundimmunisierung + Auffrischimpfung nach 6 bis 18 Monaten Kombinationsimpfung: 3 Dosen, 0-1-6 Monate; Schnell-Schema: Tag 0, 7, 21
Gelbfieber Stamaril® Einzeldosis; mindestens 10 Tage vor Einreise in Endemiegebiet
Typhus Intramuskulär: Typhim Vi® und Typherix® Schluckimpfung: Typhoral® Einzeldosis; mindestens 2 Wochen vor Typhus-Expositionsrisiko Schluckimpfung: 3 Dosen am 1., 3. und 5. Tag
Cholera Dukoral® Schluckimpfung, 2 Dosen im Abstand von mindestens einer Woche
Tollwut Rabipur®, Tollwutimpfstoff® HDC 3 Dosen: Tag 0, 7 und 21 oder 28
Meningokokken tetravalent (Serotypen A, C, W135, Y): Nimenrix®, Menveo® Serotyp B: Bexsero® Serotyp C: Meningitec®, Menjugate®, NeisVacC® tetravalenter Konjugatimpfstoff: Einzeldosis gegen Typ B: 2 Dosen im Abstand von mindestens 1 Monat gegen Typ C: Einzeldosis
Japanische Enzephalitis Ixiaro® 2 Dosen: Tag 0 und 21; schnelles Impfschema: Tag 0 und 7

Auslöser der Erkrankung ist das Bakterium Vibrio cholerae, das ebenfalls über verunreinigtes Trinkwasser oder infizierte Nahrung übertragen werden kann. Symptome der Erkrankung sind starker Durchfall und Erbrechen. Empfohlen wird eine Cholera-Impfung bei Aufenthalten in Infektionsgebieten, speziell unter mangelhaften Hygienebedingungen bei aktuellen Aus­brüchen, zum Beispiel bei Hilfsein­sätzen in Flüchtlingslagern oder bei Naturkatastrophen. Für Touristen wird das Risiko einer Cholera-Infektion ansonsten als sehr gering eingeschätzt. Allerdings schützt die Schluckimpfung aufgrund struktureller und immunologischer Ähnlichkeit der Erreger auch vor Infektionen mit enterotoxischen Escherichia-coli-Stämmen (ETEC), die häufig Reisedurchfall auslösen. Bei Menschen mit bestimmten Vorer­krankungen oder bei denen die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs besteht, kann die Impfung daher sinnvoll sein.

Tollwut

Die Tollwut (Rabies) ist eine sehr sel­tene Erkrankung, wenn sie ausgebrochen ist, allerdings zu 100 Prozent tödlich. Kommt es zu einem Kontakt mit einem infizierten Tier, ist die ein­zige lebensrettende Maßnahme die sofortige Postexpositionsprophylaxe, das heißt die aktive Impfung und die Gabe von Tollwut-Immunglobulin. Das muss so schnell wie möglich passieren, allerdings sind in einigen Ländern keine Immunglobuline oder Impfstoffe verfügbar. Nach einem Biss müssten Ungeimpfte also sehr schnell einschätzen, ob das Tier infiziert sein könnte und die Reise unter Umständen abbrechen. Aber auch bereits Geimpfte sollten nach dem Biss von einem Tollwut verdächtigen Tier sicherheitshalber noch einmal mit zwei Dosen an Tag 1 und 3 geimpft werden. Die Gabe von Immunglobulinen ist bei ihnen nicht erforderlich.

In Deutschland gibt es die Impf­stoffe Rabipur® und Tollwutimpfstoff® HDC inaktiviert. Beide können in allen Altersgruppen eingesetzt werden. Für die Grundimmunisierung wird die Tollwutimpfung in drei Dosen an den Tagen 0, 7 und 21 oder 28 verabreicht. Bei der Schnellimmunisierung ist es möglich, innerhalb von einer Woche zu impfen.

Meningokokken

Das Bakterium Neisseria meningitidis kann nach einer Inkubationszeit von drei bis vier Tagen zu einer Hirnhautentzündung, der Meningokokken- Meningitis, und einer Blutvergiftung führen. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Es gibt weltweit fünf relevante Serotypen, A, B, C, W135 und Y, die in einzelnen Regionen unterschiedlich stark vertreten sind.

In Europa und Australien sind laut dem Centrum für Reisemedizin (CRM) vor allem die Gruppen B und C verbreitet. In Deutschland verursachen die Meningokokken jährlich etwa 400 schwere Erkrankungen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. In Afrika und Asien kommt es häufiger zu Erkrankungen, besonders in afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Im sogenannten Meningitis-Gürtel vom Senegal im Westen Afrikas bis Äthio­pien im Osten kommt es immer wieder zu größeren Ausbrüchen, meist aus­gelöst durch die Serotypen A und W135. Die Verteilung der einzelnen Meningokokken-Typen verändert sich allerdings über die Jahre, auch durch die stark gestiegene Reisetätigkeit.

Bei Reisen in den Meningitis-Gürtel ist es sinnvoll, sich gegen­ alle fünf Serotypen impfen zu lassen. Einen Impfstoff, der alle Typen abdeckt, gibt es allerdings nicht. Mit einem tetravalenten Konjugatimpfstoff wie Nimenrix® oder Menveo® kann gegen die Sero­typen A, C, W135 und Y geimpft werden. Der Proteinimpfstoff Bexsero® schützt vor dem Serotyp B. Die STIKO empfiehlt zudem für Deutschland seit 2006 standardmäßig eine Impfung gegen Meningokokken C (Impfstoffe Meningitec®, Menjugate® und NeisVacC®) für alle Kinder ab dem zweiten Lebensjahr.

Auch für Reisen mit engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung oder bei großen Menschenansammlungen kann die Impfung sinnvoll oder sogar vorgeschrieben sein. So verlangen etwa einige Universitäten und Schulen in den USA, dass sich Austauschschüler und ­studenten gegen Meningo­kokken Typ B impfen lassen. Bei Pilgerreisen nach Mekka ist die Vierfach-Impfung für die Einreise nach Saudi-Ar­abien verpflichtend.

Japanische Enzephalitis

Die Japanische Enzephalitis kommt vor allem in Ost- und Südostasien vor. Die auslösenden Viren werden durch nachtaktive Culex-Mücken übertragen, die überwiegend in Reisfeldern und Sümpfen brüten. Oft treten nach 4 bis 14 Tagen grippeähnliche Symptome auf. Etwa einer von 200 bis 300Infi­zierten entwickelt eine Enzephalitis. Rund ein Drittel der Erkrankten verstirbt, bei einem weiteren Drittel bleiben neurologische und psychische Schäden zurück.

Eine Impfung mit dem seit 2009 in Europa verfügbaren Impfstoff Ixiaro® empfehlen Experten vor allem bei Reisen in ländliche Gebiete. Zur Grund­immunisierung sind zwei Injektionen im Abstand von vier Wochen not­wendig. Es gibt aber auch ein schnelles Impfschema mit sieben Tagen Abstand zwischen den beiden Impfungen. Eine Auffrischung wird nach ein bis zwei Jahren empfohlen. Danach hält der Impfschutz etwa zehn Jahre. /

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