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Kreativität

Neue Ideen entwickeln

22.05.2017  13:13 Uhr

Von Andreas Nagel / Die Zusammenarbeit im Team optimieren, neue Beratungsangebote entwickeln oder die nächste Weihnachtsfeier gestalten: Im beruflichen Alltag gibt es immer wieder Situationen, Aufgaben und Herausforderungen, die neue Denk­ansätze und Verhaltensweisen erfordern. Hier sind kreative und originelle Ideen gefragt.

Der Begriff Kreativität bezeichnet die Fähigkeit eines Menschen, etwas vorher nicht Vorhandenes zu erschaffen. Dabei kann es sich um Produkte, Dienstleistungen oder Arbeits- und Denkweisen handeln. Kreative Denkweisen lassen sich genauso entwickeln und trainieren wie andere geistige und körperliche Fähigkeiten. Mit der richtigen Vorgehensweise und einigen bewährten Techniken ist daher jeder Mensch in der Lage, kreative Ideen zu entwickeln.

Neue Ideen entstehen in den meisten Fällen nicht blitzartig, zufällig oder auf Abruf, sondern in einem strukturierten Denkprozess und durch die mehrmalige Beschäftigung mit dem Thema. Vielleicht kennen Sie die Situation, dass Sie angestrengt über ein Problem nachdenken, ohne zu einer Lösung zu kommen. Erst am da­rauffolgenden Tag fällt Ihnen beim nochmaligen Nachdenken endlich eine Lösung ein.

Zur systematischen Entwicklung neuer Ideen bietet sich ein Vorgehen in sechs Schritten an. Sie werden vermutlich nicht in jedem Fall immer alle Schritte berücksichtigen müssen. Wählen Sie daher jeweils diejenigen Schritte aus, die für Ihre individuelle Ideensuche sinnvoll sind.

Schritt für Schritt vorgehen

Beschreiben Sie zunächst den Ist-Zustand oder definieren Sie das Themengebiet, zu dem Sie neue Ideen entwickeln wollen (Schlüsselfrage: »Wie ist die derzeitige Situation?«). Definieren Sie, was genau Sie verbessern möchten und ob Sie die Veränderung allein herbeiführen können oder ob die Unterstützung weiterer Personen erforderlich ist, etwa des Apothekeninhabers oder Filialleiters, von Kollegen, Spezialisten und/oder Beratern. Beschreiben Sie im Anschluss daran die Entstehung beziehungsweise die Ursachen der derzeitigen Situation (Schlüsselfrage: »Wie ist es zu dieser Situation gekommen?«). Eine genaue Beschreibung und Analyse der bisherigen Entwicklung zeigt manchmal bereits erste Ansatzpunkte für Verbesserungen. Fragen Sie sich nun, welche konkreten Veränderungen oder Verbesserungen erreicht werden sollen.

Sammeln Sie nun im vierten Schritt möglichst viele Ideen, und nutzen Sie dabei die folgenden drei Fragen. Welche Ideen fallen Ihnen selbst durch eigenes Nachdenken ein? Welche Bücher oder Seminare gibt es zu diesem Thema? Welche Personen könnten Sie um Rat oder Unterstützung bitten, etwa Freunde, Bekannte, Verwandte, Kollegen oder befreundete PTA aus anderen Apotheken? Vielleicht kennt auch jemand aus Ihrem Bekanntenkreis eine Person, die Ihnen weiterhelfen kann, oder es gibt Diskussionsgruppen im Internet, die sich mit dem Thema beschäftigen. So stoßen Sie eventuell auf eine Person, die Ihre Fragestellung schon erfolgreich gelöst hat.

Bei der Ideensuche geht es zunächst darum, möglichst viele Ideen zu sammeln und erst anschließend eine Beurteilung der Ideen vorzunehmen. Schreiben Sie daher auch Ideen auf, die auf den ersten Blick abwegig, unrealistisch, unsinnig, ungeeignet oder lächerlich erscheinen. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass gerade solche Ansätze durch Weiterentwicklung, Verfeinerung oder Kombination mit anderen Ideen zu kreativen Lösungen führen können.

Beurteilen Sie die Ideen erst im nächsten Schritt nach Qualität, Realisierbarkeit und Kombinierbarkeit. Meist lassen sich Ideen in eine von vier Gruppen einteilen. Gruppe 1: Ideen, die sofort realisierbar sind, Gruppe 2: Ideen, die später realisierbar sind, Gruppe 3: Ideen, die noch näher zu prüfen sind, Gruppe 4: Ideen, die nicht realisierbar sind. Wählen Sie dann die besten Ideen aus und prüfen Sie auch ihre Kombinierbarkeit. Je mehr Ideen Sie gesammelt haben, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich, durch die Kombination zu völlig neuen Lösungen zu kommen.

Aktionsplan

Präsentieren Sie im letzten Schritt Ihre Idee dem Chef und / oder den Kollegen und stellen Sie dabei insbesondere den Nutzen beziehungsweise die Verbesserung gegenüber der bisherigen Situation heraus. Das können zum Beispiel die positiven Auswirkungen auf die Beratungsqualität, Arbeitsabläufe oder die Kundenzufriedenheit sein. Idealerweise entsteht dann ein konkreter Aktionsplan zur Umsetzung der Idee (»Wer macht was bis wann?«)

Mit dieser Vorgehensweise können Sie entweder aus aktuellem Anlass oder auch als regelmäßiges Brainstorming gute Ideen produzieren. Wenn Sie Freude am kreativen Denken haben und regelmäßig Vorschläge für Verbesserungen erarbeiten möchten, dann legen Sie doch für Ihre Ideensuche einen wiederkehrenden Termin fest. Ein solcher Termin wird innerhalb kurzer Zeit zur Gewohnheit und gerät nicht in Vergessenheit. Sie können auch die tägliche Fahrt zur Apotheke kreativ nutzen. Wenn Sie eine Fahrtzeit von ­ 15 Minuten morgens und abends regelmäßig zum Nachdenken nutzen, sind das 30 Minuten pro Tag. Wenn Ihnen in dieser Zeit täglich nur eine Idee einfällt, sind das bei fünf Arbeitstagen fünf Ideen pro Woche und 20 Ideen pro Monat. Manche Ideen werden vielleicht wertlos oder nicht umsetzbar sein, einige werden aber auch gut und andere sogar hervorragend sein. Denken Sie auch daran, neue Ideen sofort zu notieren. Ansonsten kommen Sie in der Apotheke oder zu Hause an und wissen nur noch, dass Sie unterwegs eine gute Idee hatten – nur leider nicht mehr, welche das war.

Der Vorteil beim Ideensammeln ist, dass Sie bei dieser Tätigkeit kaum Konkurrenz haben. Die meisten Menschen machen sich kaum Gedanken über mögliche Verbesserungen, da sie vorrangig mit Routinetätigkeiten, persönlichen Angelegenheiten und Alltagsproblemen beschäftigt sind.

Spezielle Techniken

Neben der hier dargestellten Vorgehensweise gibt es eine Vielzahl weiterer spezieller Kreativitätstechniken und Denkhilfen für unterschiedliche Zwecke, etwa für die Anwendung als Einzelperson, im Team und für spezielle Zielsetzungen (zum Beispiel für die Verbesserung von Produkten oder Arbeitsabläufen). Fast alle dieser Techniken sind in Büchern und im Internet ausführlich beschrieben. Unter dem Suchbegriff »Kreativitätstechniken« finden Sie im Internet viele bewährte Methoden. Wählen Sie hier bei Bedarf die für Ihre Situation passende Methode aus. /

Checkliste: Ideen suchen und finden

1. Wie ist die derzeitige Situation? Was soll verbessert werden?

2. Wie ist es zu dieser Situation gekommen?

3. Was wurde in dieser An­gelegen­heit bereits unternommen? Was ist dabei herausgekommen?

4. Wie sieht die Ideallösung beziehungsweise eine akzeptable Zwischenlösung aus?

5. Welche eigenen Ideen zur Ver­besserung oder Lösung gibt es?

6. Welche Informationsquellen können zur Ideensuche genutzt werden (Bücher, Seminare, Internet)?

7. Welche Personen können um Rat oder Hilfe gebeten werden?

8. Was sind jetzt die nächsten Schritte?

9. Wann sollen diese Schritte umgesetzt werden?