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Gewerkschaftstag in Mainz

Senioren optimal beraten

22.05.2017
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Von Sigrid Joachimsthaler / Apothekenangestellte aus dem ganzen Bundesgebiet waren am 6. Mai zum Adexa-Erlebnis- und Gewerkschaftstag nach Mainz gekommen. Im Mittelpunkt des zertifizierten Fortbildungsprogramms stand der ältere, oft multimorbide Patient mit seinem Beratungsbedarf – von A wie Alzheimer bis Z wie Zahnprothese.

In seiner einführenden Präsentation lud Adexa-Vorstandsmitglied Andreas May zu einem bebilderten Spaziergang durch Mainz mit seiner 2000-jährigen Geschichte ein. Außer den rund 80 Teilnehmern, Adexa-Aktiven und Referenten begrüßte er besonders die anwesenden Vertreter der JuMis, der jungen Mitglieder von Adexa.

Dr. Oliver Ploss startete das Fortbildungsprogramm mit der Perspektive des Heilpraktikers. Er gab zahlreiche Empfehlungen für die im Alter typischen Diagnosen wie Demenz, Diabetes, Schlafstörungen, Inkontinenz, ­Osteoporose, Rheuma und Hypertonie. Mit den vorgestellten naturheilkundlichen Mitteln könne die schulmedizinische Therapie unterstützt, Prozesse positiv reguliert und eventuell auch Regeneration erzielt werden, so Ploss.

Trinknahrung statt Praline

Oecotrophologin Dr. Bettina Dörr machte auf den erhöhten Proteinbedarf im Alter aufmerksam. Eiweiß ist in der zweiten Lebenshälfte nicht nur wichtig, um den Abbau von Muskelmasse zu verhindern, sondern kann auch die Wundheilung positiv beeinflussen. Dörr empfahl die Nahrungsergänzung durch Proteinpulver und eiweißreiche Trinknahrung, wenn Fleisch und Fisch nicht täglich auf dem Speisezettel stehen. Außerdem ging es in ihrem Vortrag um die ausreichende Versorgung mit Vitamin B12.

Gefahr Multimedikation

Dr. Michael Jamour, Chefarzt der Geria­trie im Alb-Donau-Klinikum in Ehingen, machte anhand von Fallbeispielen deutlich, welche Gefahren die Multimedikation für ältere Patienten mit sich bringt: 15 oder sogar über 20 Arzneimittel erhöhen das Risiko von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) dramatisch.

Sie erschweren aber auch die Com­pliance, weil im Alter oftmals Sehfähigkeit und Feinmotorik oder auch geistige Fähigkeiten eingeschränkt sind. Wichtig sei, die Therapieziele mit dem Patienten abzustimmen und dabei seine individuellen Präferenzen zu berücksichtigen. Außerdem sei bei Senioren immer eine Anpassung der Dosierung geboten.

Für PKA und andere Interessierte zeigte Debora Mastrangelo, was Senioren mit Unterstützung durch die Apotheke für die Gesundheit ihrer Zähne tun können. Ein wichtiges Thema dabei war naturgemäß die Pflege von herausnehmbarem Zahnersatz und Implantaten. Dafür hatte sie viel Anschauungsmaterial mitgebracht. Außerdem ging es unter andrem um die Frage von homöopathieverträglichen Zahnpasten sowie um die Auswirkungen von Erkrankungen wie Diabetes und Osteoporose und der entsprechenden Medikation auf die Zahngesundheit.

Krankheit und Pflege

Zum Abschluss erläuterte Adexa-Juristin Minou Hansen die gesetzlichen und tariflichen Rechte von Angestellten, die kranke Kinder betreuen oder andere nahe Angehörige pflegen müssen, aber auch Pflichten und Fristen, die sie selbst gegenüber dem Arbeitgeber beachten müssen.

Dabei spannte sie den Bogen von den kurzfristigen Notfällen, für die man nach § 616 BGB unter Gehaltszahlung freigestellt werden muss, über das Kinderkrankengeld für den Nachwuchs unter zwölf Jahren bis zum tariflichen Anspruch, der für Kinder von 12 bis 16 Jahren greift. In der mittleren Lebensphase werden dann das Pflegezeitgesetz und das Familienpflegezeitgesetz relevant.

Mit vielen neugewonnenen Erkenntnissen und acht Punkten für das freiwillige Fortbildungszertifikat konnten die Teilnehmer am Nachmittag nach Hause fahren – oder bei bestem Wetter noch einen Stadtbummel durch Mainz machen. /