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Arzneipflanzenporträt

Brennnessel

Große Brennnessel: Urtica dioica Kleine Brennnessel: Urtica urens Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae)
Annette Immel-Sehr
18.05.2018
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Merkmale

 Große Brennnessel:

  • bis zu 150 cm hoch
  • mit Brenn- und Borstenhaaren besetzter vierkantiger Stängel
  • kreuzgegenständig sitzende, gesägte Blätter mit Borsten- und Brennhaaren, herzförmig und spitz auslaufend
  • kleine unscheinbare grünlich-weiße Blüten in rispenartigen Blütenständen
  • männliche und weibliche Blüten stehen auf verschiedenen Pflanzen (zweihäusig)
  • Blütezeit Mai bis Oktober

 

 Kleine Brennnessel:

  • einjährig
  • bis zu 50 cm hoch
  • Stängel vierkantig mit Brennhaaren
  • rundliche Blätter mit Brennhaaren
  • unscheinbare gelbliche Blüten in blattachselständigen Rispen, einhäusig
  • Blütezeit Mai bis Oktober.
  •  

Heimat

  • alle gemäßigten Zonen Europas, Asiens und Amerikas
  • Droge stammt aus Wildvorkommen in Mittel- und Osteuropa

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • getrocknete Blätter (Urticae folium)
  • getrocknetes Kraut (Urticae herba)
  • getrocknete Wurzel (Urticae radix)

Inhaltsstoffe

Brennnesselblätter und -kraut:

  • Flavonoide
  • Kaffeesäureester

Brennnesselwurzel:

  • Lektine
  • Phytosterole
  • Lignane
  • Polysaccharide

Medizinische Anwendung

Brennnesselblätter und -kraut:

  • entzündliche Erkrankungen der ableitenden Harnwege
  • unterstützende Behandlung rheumatischer Beschwerden
  • Durchspülung zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengrieß

Brennnesselwurzel:

  • symptomatische Behandlung von Miktionsbeschwerden in Zusammenhang mit dem benignen Prostatasyndrom (BPS) im Stadium I und II

Empfohlene Dosierung

  • Teeaufguss: drei- bis viermal täglich eine Tasse Brennnesselblättertee oder -krauttee trinken; mittlere Tagesdosis 10 bis 20 g Droge
  • Brennnesselwurzel: siehe Herstellerangaben der Fertigpräparate

Nebenwirkungen

  • Hautreaktionen
  • gelegentlich Magen-Darm- Beschwerden

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Zubereitung

Drei bis vier Teelöffel (etwa 4 g) fein geschnittene Brennnesselblätter beziehungsweise Brenn­nesselkraut mit circa 150 ml kochendem Wasser übergießen, nach 10 bis 15 Minuten abseihen.

Kontraindikationen

  • akute Arthritis
  • Ödeme infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit
  • Kombination mit synthetischen Diuretika

Abgabehinweise

  • Bei einer Durchspülungstherapie reichlich Flüssigkeit trinken.
  • Bei Verschlechterung der Beschwerden (wie Fieber, Harnverhalt, Blut im Urin) Arzt aufsuchen.
  • Zur Anwendung während der Schwanger­schaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter zwölf Jahren liegen keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor.
  • Brennnesselwurzel nicht als Tee, sondern in Form von Fertigarzneimitteln anwenden, um ausreichende Wirkstoffkonzentrationen zu erreichen.

Präparate

Brennnesselblätter,- kraut:

zum Beispiel Brennnesselsaft Schoenenberger®, Hox alpha®, Kneipp® Brennnessel Dragees, Rheuma Hek® Sovita Brennnesseltabletten

Brennnesselwurzel:

zum Beispiel Natu-prosta® 600 mg uno, Prostaforton® uno, Prostagutt® forte, Prostamed Urtica®

Schon gewusst?

Das schmerzhafte Brennen beim Berühren der Pflanze rührt von den Brennhaaren, die auf den Blättern und Stängeln sitzen. Sie brechen schon bei leichter Berührung ab. An der Abbruchstelle entsteht ein scharfkantiger Rand, mit dem sich das Brennhaar in die Haut bohrt. Dabei gelangt Zellsaft mit Ameisensäure, Acetylcholin und Histamin unter die Haut und verursacht dort einen juckenden Ausschlag.

Revival des Nesseltuchs

Seit nachwachsende Rohstoffe immer wichtiger werden, erinnern sich ökologisch ausgerichtete Landwirte und Webereien der früheren Ver­wendung der Großen Brennnessel. Über viele Jahrhunderte wurden die langen Bastfaserzellen der Brennnessel-Stängel zu Garn versponnen. Im Vergleich zu anderen einheimischen Faserpflanzen wie Flachs oder Hanf ist der Fasergehalt der Brennnessel geringer und die Faser­gewinnung kom­plizierter. Von Vorteil ist dagegen, dass die Nessel­faser sehr fein, reißfest und atmungsaktiv ist. Derzeit versuchen Forscher, eine neue Brennnesselvariation mit höherem Fasergehalt zu züchten und die Fasergewinnung zu optimieren.