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Pflegehilfsmittel zum Verbrauch

Unterstützung zu Hause

18.05.2018  16:13 Uhr

Von Caroline Wendt / Pflegehilfsmittel zum Verbrauch sollen die Pflege zu Hause erleichtern. Doch welche Hilfsmittel gehören zu dieser Produktgruppe, und wem stehen sie zu? Häufig fühlen sich Angehörige mit Fragen rund um das Thema Pflege alleine gelassen. Da ist es gut, wenn PTA und Apotheker helfen können und die Versorgung mit den Pflegehilfsmitteln organisieren.

Trotz Krankheit und Alter zu Hause wohnen bleiben, das wünschen sich wohl die meisten. Häufig übernehmen dann die Angehörigen die Betreuung. Dazu benötigen sie oft Hilfsmittel wie Handschuhe oder Desinfektionsmittel. Gemäß § 40 Absatz 1 des Sozialgesetzbuchs 11 (SGB XI) erstattet die Pflegekasse Versicherten mit einem anerkannten Pflegegrad 40 Euro pro Monat für die sogenannten Pflegehilfsmittel zum Verbrauch. Voraussetzung ist, dass der Versicherte zu Hause oder in einer Wohngemeinschaft lebt und dass die Pflege durch mindestens einen Angehörigen, Freund oder Bekannten gewährleistet wird. Pflegeheime und Pflegedienste können die Pauschale nicht in Anspruch nehmen, sie werden gesondert vergütet.

Pflegehilfsmittel zum Verbrauch sollen die tägliche Pflege erleichtern. Sie sind in der Produktgruppe 54 des Hilfsmittel­verzeichnisses gelistet. Die Liste beinhaltet:

  • Saugende Bettschutzeinlagen zum Einmalgebrauch
  • Fingerlinge
  • Einmalhandschuhe
  • Mundschutz
  • Schürzen zum Einmalgebrauch
  • Wiederverwendbare Schürzen
  • Händedesinfektionsmittel
  • Flächendesinfektionsmittel.

Einen Sonderstatus nehmen die wiederverwendbaren Bettschutzeinlagen ein. Obwohl sie zu einer anderen ­Produktgruppe des Hilfsmittelverzeichnisses gehören (PG 51 – Pflegehilfsmittel zur Körperpflege/Körperhygiene), kann die Kostenerstattung über dasselbe Formular bei der Pflegekasse beantragt werden. Um die Leistung der Pflegever­sicher­ung in Anspruch zu nehmen, ist keine ärzt­liche Verordnung nötig. Der Antrag­ kann direkt in der Apotheke ausgefüllt und per Post oder Fax an die entsprechende Pflege­kasse geschickt werden. Grundlage einer Versorgung durch die Apotheke ist eine Mitglied­schaft in einem­ Landesapotheker­verband und somit im Deutschen Apothekerverband (DAV) oder im Bundesverband Deutscher Apotheker (BVDA). Der DAV und der BVDA ­haben in einem Vertrag mit den Spitzen­verbänden der Pflegekassen über zum Verbrauch bestimmte­ Pflegehilfsmittel die Abgabemodalitäten geregelt.

Achtung Höchstpreise

Für die einzelnen Pflegehilfsmittel gibt es im Vertrag vereinbarte Höchstpreise (siehe Tabelle auf Seite 50). Bis zu diesen Beträgen übernimmt die Pflegekasse die Kosten für die einzelnen Produkte pro Monat, die Apo­theke rechnet direkt mit der Kasse ab. Überschreitet der Preis eines Produktes den im Vertrag vereinbarten Höchstpreis, darf vom Patienten keine Auf­zahlung verlangt werden. Benötigt ein Patient jedoch viele verschiedene Pflegehilfsmittel, kann es passieren, dass die monatlichen 40 Euro der Pflegekasse nicht ausreichen. PTA und Apotheker müssen den Versicherten informieren, dass er in diesem Fall den Differenz­betrag selbst übernehmen muss. Auch bei den waschbaren Bettschutzein­lagen können auf den Patienten Kosten zukommen: Sofern­ er nicht von der gesetzlichen Zuzahl­ung befreit ist, ist ein Eigenanteil von 10 Prozent (2,60 Euro bei einem Höchstpreis von 26,31 Euro pro Bettschutzeinlage) zu zahlen­. Bei den vereinbarten Preisen handelt es sich um Bruttopreise.

Im Mitgliederbereich des zuständigen Landesapothekerverbands ist der Vertrag über zum Verbrauch be­stimmte Pflegehilfsmittel zu finden. Wichtig für die Apothekenmitarbeiter: Hier befinden sich auch die für den Antrag und die Abrechnung notwendigen For­mulare. Der Antrag auf Kostenüber­nahem durch die Pflegekasse findet sich in der Anlage 4. Hier kann der Pa­tient, sein gesetzlicher Vertreter oder eine von ihm beauftragte Person ankreuzen, welche Pflegehilfsmittel er generell benötigt (zum Beispiel Handschuhe, Hände- und Flächendesinfek­tionsmittel). Verändert sich die Pflegesituation, kann die Genehmigung auch erweitert werden. Nach einem er­neuten Antrag bei der Pflegekasse, kann der Kunde dann für die 40-Euro-Pauschale beispielsweise auch Einmalschürzen und Bettschutzeinlagen ­erhalten.

Sind wiederverwendbare Bettschutzeinlagen gewünscht, ist bei der Genehmigung die benötigte Anzahl anzugeben. Die Pflegekassen geneh­migen zwei bis drei wiederverwendbare Bettschutzeinlagen pro Jahr. Die Begründ­ung hierfür ist ein im Vertrag vereinbartes Qualitätskriterium der Unterlagen: Sie müssen mindestens 150-mal waschbar sein. Somit ist ein Patient mit zwei Bettschutzeinlagen fast ein ganzes Jahr lang versorgt. Eine Doppeltversorgung von Bettschutzeinlagen zum Einmalgebrauch und wieder­verwendbaren Unterlagen sollte vermieden werden, ist aber bei einer entsprechenden Begründung möglich.

Die Anlage 2 der Verordnung dient zur Abrechnung und als Empfangs­bestätigung für den Kunden. Hier können PTA oder Apotheker zusammen mit dem Kunden eintragen, welche der genehmigten Pflegehilfsmittel im aktuellen Monat benötigt werden. Die Hilfsmittel dürfen dabei maximal drei Monate vor Ablauf ihrer Haltbarkeitsdauer abgegeben werden.

Höchstpreise für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch aus dem Vertrag zwischen dem DAV und den Spitzenverbänden der Pflegekassen (Stand 01.01.2007), Anlage 1

Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfs­mittel Hilfsmittelnummer Höchst­preis
(inkl. MwSt.)
Beispiele
Saugende Bett­schutz­einlagen, Einmal­gebrauch 54.45.01.0001 21,45 Euro Molinea® plus L (60 x 90 cm) oder Seni® Super Soft (90 x 60 cm)
Fingerlinge 54.99.01.0001 5,64 Euro B. Braun® Fingerlinge oder Vivomed® Fingerlinge
Einmalhand­schuhe 54.99.01.1001 7,18 Euro Peha soft® puderfrei oder Vasco® sensitive
Mundschutz 54.99.01.2001 7,18 Euro Hartmann® Foliodress Mask Loop
Schutzschürze, Einmalgebrauch 54.99.01.3001 13,34 Euro Dr. Junghans® Medical Einmalschürzen
Schutzschürze, wiederverwendbar 54.99.01.3002 25,65 Euro Medcare® Schutzschürze wieder­verwendbar
Händedesinfek­tionsmittel 54.99.02.0001 8,21 Euro Bode Sterillium® Virugard Hände­desinfektion
Flächendesinfek­tionsmittel 54.99.02.0002 6,16 Euro Bode Bacillol® AF Flächendesinfektion
Saugende Bettschutzeinlagen, wiederverwendbar 51.40.01.4 XXX 26,16 Euro Molinea® textile (85 x 90 cm)

Zur Abrechnung

Die Abrechnung erfolgt monatlich über die Apotheken-Rechenzentren. Es muss die ausgefüllte und unterschriebene Anlage 2 des Vertrags zusammen mit einer Kopie der genehmigten Anlage 4 eingereicht werden. Wird die Versorgung mit Pflegehilfsmitteln nicht durch die 40-Euro-Pauschale abgedeckt und der Patient muss aufzahlen, muss dies ebenfalls der Pflegeversicherung gemeldet werden.

Bei Patienten, die Anspruch auf Beihilfe oder Heilfürsorge haben, erstattet die Pflegekasse nur 20 Euro monatlich. Die Apothekenmitarbeiter können dies daran erkennen, dass in der Anlage 4 durch die Pflegeversicherung das Kästchen »Beihilfeberechtigt« angekreuzt ist. Der Versicherte erhält weitere 20 Euro von der Beihilfe, die Rechnung muss er selbst einreichen.

Die Zahlung an die Apotheke erfolgt innerhalb von 30 Tagen nach Eingang der Rechnung bei der Pflegekasse beziehungsweise deren Abrechnungsstelle. Sollte der Rechnungseingang später als zwölf Monate nach der Leistungserbringung liegen, kann die Pflegekasse die Zahlung verweigern.

Grundvoraussetzung für den Erhalt von Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch ist, dass der Versicherte in einen anerkannten Pflegegrad (früher Pflegestufe) eingruppiert ist. Wissen Kunden nicht, wie sie eine Pflegegrad-Einstufung erhalten, können PTA und Apotheker ihnen mit ersten Informationen helfen.

Die Erfassung erfolgt durch einen durch die Pflegeversicherung bestellten Gutachter. Um einen Termin zu erhalten, reicht als erster Schritt meist ein Anruf oder ein formloses Schreiben an die Pflegeversicherung, welche der entsprechenden Krankenversicherung entspricht. Um auf die Untersuchung durch den Gutachter gut vorbereitet zu sein, ist es empfehlenswert, sich bereits im Vorfeld Notizen über spezielle Pflegesituationen zu machen.

Einstufung in Pflegegrad

Der Gutachter überprüft die Bereiche Mobilität, kognitive und kommunika­tive Fähigkeiten (zum Beispiel zeitliche und räumliche Orientierung), Verhaltensweisen und psychische Problem­lagen (motorische Verhaltensauffälligkeiten oder nächtliche Unruhe), Selbstverantwortung (zum Beispiel Körperpflege), Bewältigung der mit der Erkrankung verbundenen Probleme (zum Beispiel Tabletteneinnahme) und Gestaltung des Alltagslebens und ­sozialer Kontakte. Nach einem Punktesystem von 0 bis 100 wird die Einstufung des jeweiligen Pflegegrads (1 bis 5) bewertet. Dabei werden die verschiedenen Bereiche unterschiedlich stark gewichtet: Die erhaltenen Punkte aus dem Bereich Selbstversorgung gehen beispielsweise mit 40 Prozent in die ­Berechnung ein und die Punkte aus dem Bereich Mobilität zu 10 Prozent. Ab einer Gesamtpunktezahl von 12,5 hat der Versicherte Anspruch auf den Pflegegrad 1 und somit auch auf ­Pflegehilfsmittel zum Verbrauch. /

Definition nach § 14 SGB XI

Pflegebedürftig (…) sind Personen, die gesundheitlich bedingte Be­einträchtigungen der Selbst­ständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.