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Anti-Aging

Vitamin-ABC für die Haut

18.05.2018
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Von Elke Wolf / Im Sommer ist die Haut vor allem einem Stressfaktor ausgesetzt: der UV-Strahlung des Sonnenlichts. Die Haut profitiert dann von einer Extra-Portion Pflege mit vitaminreichen Zubereitungen. Die Vitamine A, B, C, E und H schützen nicht nur vor oxidativen Schäden, sondern helfen auch gegen die Zeichen der Zeit.

Antioxidanzien – und dazu gehören vor allem Vitamine – verhindern bereits in den Zubereitungen, dass oxidationsempfindliche Inhaltsstoffe wie mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Lipide verderben. Dringen die antioxidativ wirkenden Inhaltsstoffe auf der Haut bis in die Nähe der Basalschicht vor, wo neue Hornzellen gebildet werden, können sie dort Schädigungen von Struktur­prote­inen durch reaktive Sauer­stoffspezies und freie Radikale (etwa durch UV-Strahlung, Zigarettenrauch, Dieselruß) abfangen. Sie schützen­ so vor lichtinduzierter Haut­alterung und Altersflecken. Bereits besteh­ende Schäden können die Radikalfänger jedoch nicht mehr beheben.

Einzelne Vitamine haben aber noch mehr für die Haut zu bieten. So sind sie als Kofak­toren für die Funktion enzymgesteuerter Stoffwechselvorgänge zum Teil von entscheidender Bedeutung.

Weichzeichner

Als bestwirksame Anti-Aging-Substanz gilt Vit­amin A beziehungsweise seine kosmetisch nutzbaren Derivate, Re­tinoide genannt. Dazu zählen Retinol und das etwas­ mildere Retinylpalmitat, die in der Leitlinie »Dermokosmetika gegen Hautalterung« der Gesellschaft für Dermopharmazie genannt werden. Zwar ist die biologische Wirksamkeit der Retinoide deutlich schwächer als die der Retinsäure (Tretinoin), also die biologisch aktive Form des Vitamin A, die in der Akne-Therapie Verwendung findet­. Dennoch gibt es viele Untersuchungen, die einen wirksamen Anti-Aging-Effekt von Retinol und Retinylpalmitat dokumentieren.

 

Vitamin A vermag die Mitoserate der Basalzellen zu steigern, außerdem die bindegewebsbildenden Zellen in der Leder­haut und die Produktion von Kollagen anzukurbeln. Die Aktivität der binde­gewebsabbauenden Kollage­­n­a­sen wird hingegen gesenkt. Und ein weiterer Wirkmechanismus wird den Re­tinoiden zugeschrieben: In kultivierten mensch­lichen Hautfibroblasten induzierte Retinol die Expression des Elastin-Gens und die Bildung von elastischen Fasern. Alles­ in allem wird die atrophierte Altershaut somit wieder dicker­. Die Haut wird glatter­, straffer, kleine Fältchen­ werden ausradiert. Durch einen leichten Peelingeffekt erscheint das Haut­ober­flächenrelief ebenmäßiger.

 

Ein Tipp für die Praxis: Retinoide haben die Tendenz, hautirritierend zu wirken, wobei Retinolester verträglicher sind als Retinol. Es empfiehlt sich, mit niedriger Dosierung zu starten und eventuell langsam zu steigern­. Am besten­ verwendet man Retinoid-haltige Zubereit­ungen am Abend. Präparate, die auch für die Anwend­ung am Tage ausgelobt sind, sollten einen UV-Filter enthalten, da Vitamin A durch UV-Strahlen inaktiviert wird.

Beruhiger

Der Begriff Vitamin B beschreibt eine Gruppe wasserlöslicher Vit­amine mit unterschiedlicher Struktur und Wirkweise. Gemeinsam ist ihnen, dass sie als Kofaktoren für die Funktion bestimmter Enzyme unentbehrlich sind. Für kosmetische Zwecke sind die Nicotinsäure (Vit­amin B3), Pantothensäure (Vit­amin B5) und Biotin (Vitamin B7, Vitamin H) interessant.

 

Nicotinsäureamid, dessen INCI-Bezeichnung Niacin ist, stärkt die Hautepidermis, verbessert die Hautelastizität und gleicht Hyperpigmentierungen und Hautrötungen aus. Allerdings ist dafür eine relativ hohe Dosis von 2 bis 5 Prozent nötig.

Panthenol, Provitamin B5, pene­triert gut in die Haut und wird dort zu Pantothensäure umgewandelt. Diese ist als Bestandteil von Coenzym A an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt. In unveränderter Form wirkt Panthenol als Feuchthaltefaktor, da die hydrophile Substanz Wasser binden kann. In Form von Coenzym A aktiviert Panthenol die Synthese von Hornschichtlipiden und unterstützt die Zellpro­liferation der Basalzellen. Beides stärkt die Barrierefunktion. Zudem erhöht­ Panthenol die Regenerations­fähigkeit der Epidermis, was am schnelleren Abklingen kleinerer Verletzungen zu erkennen ist. Wegen dieser wundheilungsfördernden und entzündungshemmenden Wirkungen wird Panthenol häufig in Sonnenschutzmitteln und After-sun-Präparaten eingesetzt.

 

Hautstraffer

 

Die bekannteste Wirkung der Ascorbinsäure ist die antioxidative. Dabei ist Vitamin­ C nicht nur in der Lage, eine Vielzahl von Radikaltypen abzufangen, sondern auch andere Antioxidanzien zu reduzieren und damit zu regene­rieren. Besonders das Zusammenspiel mit Vitamin E ist relevant. Diese Eigenschaft in Kombination mit der Fähigkeit­, hemmend in die Bildung des Hautpigments Melanin einzugreifen, ist es, die es zu dem Parademittel gegen­ Altersflecken und Pigment­störungen machen.

 

Ein weiterer Grund für seinen Einsatz in der Kosmetik ist seine anregende Wirkung auf die Kollagensynthese in der Lederhaut, wodurch sich zum Teil gar altersbedingte Bindegewebs­schäden re­generieren lassen. Zudem hemmt Vi­t­amin­ C kollagen- und elastinabbauende Enzyme. Die Anti-Aging-Wirkungen des Vitamins sind in zahlreichen Studien bewiesen. Und so gehört die Ascorbinsäure neben Vitamin A leitliniengemäß zu den am umfangreichsten untersuchten und am besten wirksamen Substanzen für die Haut ab 40.

Aufgrund seiner Instabilität muss Vitamin C zuverlässig vor Licht und Sauerstoff geschützt werden, um sich nicht innerhalb weniger Stunden nach dem Öffnen des Behältnisses zu zersetzen. Deshalb werden in kosmetischen Formulierungen bevorzugt veresterte Formen eingesetzt, die der Ascorbinsäure Stabilität verleihen. Die bekanntesten Derivate sind Ascorbylpalmitat, -phosphat und -glucosid, die in der Haut wieder­ zu Ascorbinsäure um­gewandelt werden. Dennoch gilt: Tuben und Fläschchen mit Vitamin C unbedingt vor direkter Sonneneinstrahlung schützen­ und, einmal geöffnet, schnell aufbrauchen. Das gilt besonders für Vitamin­-C-Seren in Ampullenform.

Regenerator

Das fettlösliche Vitamin E ist der Spitzen­reiter unter den Antioxidanzien des Körpers: es übertrifft die antioxidativen Effekte des Vitamin C um ein Vielfaches und ist aufgrund seiner lipo­philen Eigenschaften vor allem im Schutz von Zellmembranen vor Lipidperoxidation durch freie Radikale essenziell. Weil das Molekül so polar ist, kann es direkt in Zellmembranen eingebaut werden und hilft dort, deren Fluidität aufrechtzuerhalten. Ist es bei dieser Aufgabe oxidiert worden, wird es vom körpereigenen Redoxsystem, bei dem Vitamin C eine wichtige Rolle spielt, wieder regeneriert. In jedem Falle­ wird die Radikalkettenreaktion unterbrochen und die Zelle vor oxida­tiven Schäden geschützt.

 

Mit Vitamin-E-haltigen Hautpflegepräparaten ist es daher möglich, die vorzeitige Hautalterung durch UV-Strahlung zu vermindern. Durch den Schutz von Membranen und von interzellulären Lipiden in der Kittsubstanz wird außerdem die Barrierefunktion der Haut stabilisiert. Das vermindert auch den transepidermalen Wasserverlust. Weiterhin blockiert Vitamin E unab­hängig von seiner Eigenschaft als Ra­dikalfänger den enzymatischen Abbau des Kollagens in der Lederhaut und erhöht die Mitoserate der Basalzellen.

 

Entscheidend für die Wirkung ist die Konzentration von Vitamin E in den Zubereitungen. In Konzentrationen von 0,05 bis 0,2 Prozent wird es als Antioxidans zum Schutz der Lipidkomponenten in kosmetischen Zubereitungen verwendet. Das bringt aber noch keine nennenswerte Wirkung. Kosmetische oder medizinische Effekte sind erst ab einem Bereich von 2 bis 10 oder bis 25 Prozent zu erwarten. Wegen der besseren Stabilität werden in topischen Zubereitungen meist Vitamin-E-Ester eingesetzt, vor allem Tocopherol­acetat und -succinat.

Wachstumsfaktor

Das auch als Vitamin H bezeichnete Biotin wird häufig zur Gruppe der B-Vitamine gezählt. Es ist ein Wachstumsfaktor für die Hautzellen, der die Aktivität einiger Enzyme sowie die Proteinsynthese beeinflusst. Man geht davon aus, dass Biotin die Funk­tion der Epidermis stärken kann. Repro­duzierbar ist aber bislang nur sein Effekt­ als Haar- und Nagelthera­peu­tikum. Biotin regt die Nagel- und Haarwurzeln zur Keratinbildung an. Keratin wiederum ist der strukturbildende Eiweißbaustoff von Haaren und Nägeln. Allerdings ist die Wirkung nur nach oraler Gabe zu er­warten. 2,5 mg täglich wirken bei brüchigen Finger­nägeln und dünnem, kraftlosem sowie gespaltenem Haar. /