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Homöopathie

Die besten Mittel bei Erkältung

25.11.2008  09:42 Uhr

Homöopathie

Die besten Mittel bei Erkältung 

von Brigitte M. Gensthaler

Kratzen im Hals, Frösteln oder laufende Nase: So kündigt sich eine Erkältungskrankheit oft an. Wenn Patienten keine chemisch-synthetischen Medikamente anwenden wollen, sind bewährte homöopathische Mittel eine gute Empfehlung.

Eltern von Kleinkindern können ein Lied davon singen: Durchschnittlich zehn- bis zwölfmal pro Jahr leidet der Nachwuchs an einem akuten fieberhaften Infekt oder einer Erkältungskrankheit – und das ist ganz normal. Auslöser sind fast immer Viren, die das noch unreife Immunsystem nicht abwehren kann. In der Regel verläuft der grippale Infekt nicht sehr stark und heilt ohne Komplikationen aus. Homöopathika können das Leiden abmildern und die Krankheit verkürzen. Bei Säuglingen sollten die Eltern zuerst den Arzt um Rat fragen. Dies gilt auch für größere Kinder, die plötzlich sehr heftig erkranken, hohes Fieber oder Atemnot bekommen, keinen Appetit mehr haben, teilnahmslos oder benommen wirken. Aber auch größere Kinder und Erwachsene profitieren von der homöopathischen Therapie, die die Selbstheilungskräfte des Organismus mobilisiert. 

Wie immer in der Homöopathie werden die Einzelmittel nach den individuellen Beschwerden und typischen Begleiterscheinungen gewählt. Für die Selbstmedikation können PTA oder Apotheker in der Regel die Potenz D6 empfehlen. 

Als »Einstiegsmittel« haben sich vielfach die beiden Klassiker Belladonna (Tollkirsche) und Aconitum (Eisenhut) bewährt, die beide bei plötzlichem Krankheitsbeginn mit raschem Fieberanstieg angezeigt sind. Typisch für Aconitum: Der fiebernde Patient hat trockene, heiße Haut (»trockenes Fieber«), viel Durst auf kaltes Wasser, er fröstelt und kann Schüttelfrost bekommen. Oft kommen ein rauer Hals, Heiserkeit und trockener Hustenreiz hinzu. Aconitum-Patienten haben große Angst und sind unruhig. 

Wenn der Patient anfängt zu schwitzen, und der Infekt sich langsam in einem Organ festsetzt, ist Belladonna richtig. Der Kopf ist hochrot, Hände und Füße aber kalt. Die gerötete Haut ist heiß und feucht-schweißig, die Schleimhäute sind ebenfalls heiß und geschwollen. Kopf- oder Halsschmerzen sind pulsierend-pochend, mitunter ist der Kranke leicht benommen. Trockener krampfartiger Husten und bellende Hustenanfälle können hinzukommen. Der Patient reagiert sehr empfindlich auf Bewegung, Licht und Lärm, die alles noch verschlimmern. 

Entwickelt sich der Infekt langsam, und das Fieber steigt nur mäßig an, ist Ferrum phosphoricum geeignet. Oft sind die Lymphknoten geschwollen und die Ohren betroffen. Trotz Beschwerden wie Fließschnupfen, Niesen, trockener Husten oder Ohrenschmerzen bis hin zur Mittelohrentzündung fühlen sich die Patienten nicht »richtig« krank. Oft verschlechtern sich die Beschwerden nachts, vor allem zwischen 4 und 6 Uhr morgens. 

Schnupfen den Schrecken nehmen

Steht der Schnupfen (Rhinitis) im Vordergrund der Erkältung, erreichen Allium cepa oder Euphrasia viel. Typisch für Allium cepa (Küchenzwiebel): Das scharfe Nasensekret macht die Nasenöffnungen wund, aber der Tränenfluss ist mild. Leichtes Niesen und raue Stimme können hinzukommen. Klagt der Patient jedoch über beißenden Tränenfluss, brennende Augen und Lichtscheu, während das Nasensekret mild ist, spricht dies für Euphrasia (Augentrost). In beiden Fällen bessert frische Luft die Beschwerden.

Sambucus nigra D3 (Schwarzer Holunder) löst den Schleim und eignet sich bei geschwollenen trockenen Schleimhäuten und fest sitzendem Schnupfen. Bewährt hat sich das Mittel bei Säuglingsschnupfen: Die kleine Nase ist so verstopft, dass das Kind beim Stillen und Trinken keine Luft bekommt und immer wieder aufhören muss. Ändert sich der Schnupfen im Lauf des Tages – morgens Fließschnupfen, im Tagesverlauf und abends Stockschnupfen – und klagt der Patient über Schleimkrusten und Borkenbildung in der Nase, ist Luffa (Luffaschwamm) richtig. Oft breitet sich die Entzündung auch in die Neben- und Stirnhöhlen aus. Extratipp: In der Potenz D12 hat sich das Mittel auch bei Heuschnupfen mit eitrig-schleimigem Sekret bewährt. 

Husten homöopathisch angehen

Husten ist ein lästiges und quälendes Symptom einer Erkältung. Als Mittel gegen trockene krampfartige Hustenattacken eignet sich Drosera (Sonnentau). Vor lauter Hustenreiz kann der Patient kaum noch Luft holen und läuft im Gesicht blau an. Manchmal kommt Nasenbluten dazu. In der Nacht, vor allem nach Mitternacht, wird der Hustenreiz oft noch heftiger.

Typisch für Bryonia (Zaunrübe): Druck tut gut und lindert Schmerzen. Der Husten schmerzt derart, dass der Patient sich dabei auf das Brustbein drückt oder den Brustkorb hält. Der Husten und alle Schleimhäute sind trocken, die Lippen manchmal richtig eingetrocknet. Bei einem grippalen Infekt kommen mitunter dröhnender Kopfschmerz und Gelenkschmerzen hinzu. 

Ipecacuanha (Brechwurzel) hilft, wenn viel zäher Schleim die Atemwege verstopft und Atemnot mit Würgereiz auslöst. Schleimrasseln und Giemen sind hörbar. Bei jedem Atemzug entsteht Hustenreiz mit Würgegefühl. Die Zunge ist nicht belegt. Löst sich am Ende einer Hustenattacke zäher strähniger Schleim, der Fäden zieht, spricht dies für Coccus cacti (Cochenille-Laus; nicht verwechseln mit Cocculus!). 

Bei trockenen bellenden »kruppartigen« Hustenattacken mit Heiserkeit und Kehlkopfentzündung kann Spongia (Badeschwamm) helfen. Der Husten wird von Pfeifen und Giemen begleitet, der Patient räuspert sich oft. 

Patienten, die ein Antibiotikum eingenommen haben und sich jetzt vor Magen-Darm-Problemen fürchten, kann Okoubaka D3 helfen. Nach einer Antibiotikatherapie soll es die Regeneration der Darmflora und des Darm-assoziierten Immunsystems fördern, auch bei Kindern.

Ein Wort zu Campher, Menthol und Homöopathie

Zubereitungen mit Campher und Menthol werden häufig als Erkältungsmittel eingesetzt. In der klassischen Homöopathie wird von einer Kombination strikt abgeraten, da die ätherischen Öle die Wirkungen der Homöopathika zunichte machen. Dieses "Verbot“ gilt unbedingt für die Therapie mit Hochpotenzen. Doch auch wenn ein Erkältungspatient in der Apotheke berichtet, dass er bereits ein Campher- oder Menthol-haltiges Pflanzenpräparat angewendet hat, ist die Gabe von Tiefpotenzen in der Selbstmedikation auf jeden Fall möglich. Wichtig ist dann, dass der Patient Campher-haltige Präparate, zum Beispiel Einreibungen oder Tropfen, während der weiteren Therapie unbedingt vermeidet; Menthol stört nicht. 

Campher ist andererseits ein bewährtes Homöopathikum. Wer bei den allerersten Anzeichen einer Erkältung – Frösteln, Unwohlsein, Niesen, tränende Augen – sofort Camphora D3 einnimmt, kann den Ausbruch des Infekts oft verhindern. Dreimal drei Tropfen im Abstand von je einer Viertelstunde in Wasser oder auf einem Stück Zucker nehmen. Auch hier gilt: Nicht für Säuglinge und Kleinkinder. Wenn Camphora nicht rasch greift, unbedingt absetzen und das passende Mittel suchen.

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