PTA-Forum online
Laktazidose

Sauer macht nicht immer lustig

25.11.2008  09:54 Uhr

Laktazidose

Sauer macht nicht immer lustig 

von Sven Siebenand

Für viele Typ-2-Diabetiker ist Metformin das Mittel der ersten Wahl, denn unter der Therapie sind Unterzuckerungsrisiko und Gewichtszunahme gering. Eine seltene, jedoch schwerwiegende Nebenwirkung des Metformins ist die Laktazidose.

Eine Laktazidose (auch Laktatazidose oder Milchsäureazidose genannt) geht einher mit dem Anstieg des Laktatwertes im Blut (größer als 5 mmol/l) und dem gleichzeitigen Abfall des Blut-pH-Wertes. Auch schwere Muskelarbeit, eine Lungenembolie oder Schockzustände können eine Laktazidose auslösen.

Das Risiko einer durch Metformin verursachten Laktazidose steigt mit der Dosis des Wirkstoffs. Zudem sei es wichtig, die Kontraindikationen von Metformin zu berücksichtigen, betonte Professor Dr. Manfred Dreyer im Rahmen eines Vortrages auf der Herbsttagung für Praktische Diabetologie der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Berlin. So dürfen Patienten mit einer stark gestörten Nierenfunktion das Antidiabetikum nicht einnehmen. Der Diabetologe riet außerdem, das Mittel während einer schweren Infektion oder Dehydratation nach Erbrechen und Durchfall abzusetzen, denn dann sei die Nierenfunktion beeinträchtigt und damit die Konzentration von Metformin im Körper erhöht.

Da die Gabe von iodhaltigen Kontrastmitteln ebenfalls die Nierentätigkeit herabsetzen kann, sollten Patienten Metformin vor, während und bis 48 Stunden nach der Untersuchung absetzen. Weitere Kontraindikationen sind Herz- oder Lungeninsuffizienz oder Alkoholismus. Last, but not least sollten die Patienten Dreyer zufolge auch bei einer Diät mit weniger als 1000 Kilokalorien pro Tag vorsichtshalber kein Metformin einnehmen.

Die ersten Symptome einer Laktazidose sind wenig charakteristisch: Die Betroffenen fühlen sich müde oder schwach, und häufig treten Übelkeit, Durchfall und Blähungen auf, wie zu Beginn der Metformin-Therapie. Alle Alarmglocken sollten läuten, wenn gastrointestinale Störungen nach einer längeren beschwerdefreien Zeit der Einnahme (wieder)auftreten. Im Endstadium kann die Laktazidose innerhalb weniger Stunden einen rapiden Verlauf nehmen. Typisch sind starke Muskelschmerzen, beschleunigte Atmung, Bewusstseinseintrübung und Koma. In vielen Fällen endet die Laktazidose tödlich. Daher ist es umso wichtiger, diese als akuten medizinischen Notfall zu begreifen, der im Krankenhaus behandelt werden muss. Dort kann der Kreislauf stabilisiert und Laktat sowie Metformin per Hämodialyse aus dem Körper entfernt werden.

Wichtig ist es, Dreyer zufolge, Metformin immer mit oder nach dem Essen einzunehmen. Darauf sollten PTA und Apotheker die Patienten nochmal hinweisen. »Ohne Essen keine Tablette«, so der Diabetologe. Am besten sei es, mit einer Dosis von zweimal 425 mg oder 500 mg Wirkstoff zu starten und diese nach einigen Tagen entsprechend der Stoffwechsellage zu erhöhen. Bei älteren Patienten sollte sich die Metformin-Dosis immer nach der Nierenfunktion richten, da diese im Alter häufig eingeschränkt ist. Ferner ist es ratsam, die Nierenfunktion in regelmäßigen Abständen zu überprüfen, um auch so einer Laktazidose vorzubeugen.

E-Mail-Adresse des Verfassers:
S.Siebenand(at)govi.de