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Was ich noch erzählen wollte...

25.11.2008  21:02 Uhr

Was ich noch erzählen wollte...

Schöne Männer braucht das Land 

von Annette Behr

»Männer müssen nicht schön sein, sie wirken durch ihre Ausstrahlung.« Dieser Spruch dürfte etlichen Frauen bekannt sein. Doch inzwischen sehen viele Herren der Schöpfung das anders und orientieren sich immer häufiger an gut aussehenden Schauspielern oder anderen Idolen. Mann pflegt, stylt und cremt sich wie nie zuvor.

»Männer müssen nicht unbedingt schön sein, aber schaden kann es auch nicht«, meinte meine Freundin Tina, während wir uns beim Fatburner-Kurs mit unseren Problemzonen quälten. In dem Kurs kämpfen seit jetzt fast drei Monaten etwa 15 Frauen gemeinsam für einen straffen Körper. Das Ideal einer Wespentaille wird vielleicht keine erreichen, aber jede möchte so nahe wie möglich an ihre persönliche Traumfigur herankommen.

Es ist schon erstaunlich, welche Anstrengungen das weibliche Geschlecht unternimmt, um schön zu sein und den Männern zu gefallen. Doch so manche Frau wünscht sich auch einen attraktiven Mann, um den ihre Freundinnen sie beneiden. Etliche schwärmen oft leidenschaftlich für gut aussehende Männer. Je nach individueller Vorliebe steht George Clooney, David Beckham, Brad Pitt oder auch Götz George an erster Stelle. Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.

Das Top-Modell Heidi Klum sucht gar in der nächsten Casting-Show nach »Den schönsten Männern der Nation«. Selbstverständlich zählen neben einem »gepflegten Äußeren und einem gut gebauten Körper« vor allem Ausstrahlung und Persönlichkeit zu den entscheidenden Kriterien. Ich bin gespannt, welche Männer sich für die Show bewerben werden. 

Aussehen und Karriere

Meine täglichen U-Bahn-Fahrten zur Arbeit holen mich jeden Tag in die deutsche Realität zurück. Tägliches Rasieren und Desodorieren scheint bei vielen Männern nicht zum morgendlichen Programm zu gehören. Eigentlich sind die Zeiten, in denen mit der Rasur die Männerpflege beendet war, doch längst vorbei, denke ich. »Das Aussehen wird zunehmend wichtiger und damit der kritische Blick auf das eigene Äußere«, lese ich in einem Journal eines großen deutschen Kosmetikunternehmens.

Anders als bei Frauen sei bei Männern, so der Marketingexperte von »Consumer Insights«, die Attraktivität kein Selbstzweck, sondern meist durch die berufliche Situation motiviert. Gesichtspflege versteht das männliche Geschlecht eher als eine Investition in den Erfolg. Ein gepflegtes Äußeres als Voraussetzung für die Karriere, damit ist jeder Mann zu überzeugen. Frauen wissen das schon lange. Glücklicherweise lassen sich viele Männer in Sachen pflegender Kosmetik daher, wie auch bei der Kleidung, von weiblichen Wesen beraten. Und die Frauen freuen sich, wenn ihr Liebster endlich seine eigenen Pflegeserien benutzt. Schon allein deshalb, weil er dann nicht mehr heimlich ihre teuren Cremes ausprobiert.

Außerdem bedarf Männerhaut spezieller Pflege, denn sie ist anders beschaffen als dünnhäutige Frauenhaut. Die oberste Hautschicht bei Männern ist bis zu 20 Prozent dicker als bei Frauen, produziert mehr Fett und neigt durch die tägliche Rasur zu Irritationen. Das männliche Hautrelief ist auch gröber und durch den festeren Aufbau besser vor UV-Strahlen und Umwelteinflüssen geschützt. Die Kollagenfasern der Männerhaut verlaufen nicht parallel, sondern über Kreuz. Daher setzen Alterungsprozesse zwar später ein, dann jedoch umso schneller und ausgeprägter. 

Die Basics des gepflegten Mannes

Viele Apotheken haben inzwischen ihre Kosmetikserien um Produkte für den Herrn ergänzt. Pflegende und angenehm duftende Herrenkosmetik sowie der fachkundige Rat von PTA oder Apotheker dürften nun keine Ausnahme mehr sein. Reinigungsgel, Tonic, ab und an ein Peeling und eine auf den Hauttyp abgestimmte Pflegecreme sind die Basics des gepflegten Mannes. »Männerkosmetik hat in der Apotheke großes Wachstumspotential«, lese ich beispielsweise bei Vichy Homme. Ein »Anti-Müde-Gel« mit Ginseng- und Koffeinextrakten etwa oder ein »Express-Rasier-Schaum« mit Aloe vera sind Wohlfühleinheiten für die strapazierte Männerhaut und eine tolle Geschenkidee nicht nur zur Weihnachtszeit. 

Doch dieser Trend treibt auch sonderbare Blüten: zum Beispiel die von Jean-Paul Gaultier entwickelte Schminkkollektion für Herren. Müssen wir uns in Zukunft daran gewöhnen, dass unser Kollege dezentes Rouge aufgetragen hat oder sogar einen trendigen Lippenstift? Werden sich die Politiker bald nicht nur für Talkshows schminken lassen, sondern auch für den normalen Alltag? Ich habe da so meine Zweifel. Derzeit ist die Zahl der Männer, die dekorative Kosmetik anwenden, noch relativ klein. Eine von »Burda Community Network« durchgeführte Umfrage ergab: 5 Prozent der Männer verwenden Gesichtspuder, Abdeckstift und Selbstbräuner, Lippglos oder Lippenstift hingegen nur 2 Prozent.

Renner Fettabsaugen

Immerhin 6 Prozent der Männer konnten sich vorstellen, einen Schönheitschirurgen zu konsultieren. Fettabsaugen am Bauch ist der absolute Renner. Wer einen Blick in die Angebotspalette der »Schönheitskliniken« wirft, stellt fest, dass auch diese sich zunehmend an die Herren der Schöpfung wenden. Wie es scheint mit immer größerem Erfolg.

Ob die Männer ihr Geld hier gut investieren? Die Schönheitskorrektur erleichtert vielleicht ihre Karriere, doch legen Frauen in einer Partnerschaft so viel Wert auf Äußerlichkeiten? Die meisten wünschen sich einen Mann, der Zeit für sie hat, ihnen zuhört und fähig ist, Konflikte auszutragen.

Als Grund für ihre Scheidung geben die Frauen häufig an, ihr Mann hätte sich zu selten mit ihnen unterhalten. »Was hast Du von einem schönen Teller, wenn nichts darauf ist?«, gab mir meine Oma zur Männerwahl mit auf den Weg. »Zu schön sollten Männer auch wieder nicht sein«, kommentierte vor kurzem noch eine Psychologin und Eheberaterin den neuen Trend. »Nach amerikanischen Studien leidet die Beziehung, wenn der Mann schöner ist als die Frau«, erklärte sie. Schöne Männer geben sich in ihrer aktuellen Beziehung keine Mühe. »Manche glauben, sie hätten etwas Besseres verdient«, fanden Wissenschaftler heraus. Doch auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel: Wenn man den Zeitungen glauben darf, führte der schöne, leider kürzlich verstorbene Paul Newman 50 Jahre eine glückliche Ehe.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
blaubehr(at)gmx.net