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Was ich noch erzählen wollte...

Dem Winterblues entkommen

26.11.2009  20:46 Uhr

Was ich noch erzählen wollte...

Dem Winterblues entkommen

von Annette Behr

Wenn die Wolken kaum noch Sonnenstrahlen durchlassen und die Tage kürzer werden, fallen viele Menschen in ein Stimmungstief. Am liebsten würden sie Winterschlaf halten und durch ihre Fettreserven überleben. Diese Vorstellung ist schon sehr verlockend: den Winter einfach zu verschlafen und frisch und erschlankt im Frühling aufzuwachen.

Es ist ganz natürlich, dass der menschliche Körper im Winter auf Sparflamme umschaltet. In den dunklen Wintermonaten produziert die Zirbeldrüse vermehrt den Botenstoff Melatonin, der antriebsarm und schlapp macht. Das stürmische und regnerische Herbstwetter tut sein Übriges. Nebel, Nieselregen und Dunkelheit drücken jedem auf die Stimmung. Frauen leiden dabei stärker unter dem saisonalen Seelenblues als Männer. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage fallen 36 Prozent der Frauen und nur 24 Prozent der Männer in ein winterliches Stimmungstief.

Eine Ursache ist sicher der akute Lichtmangel. Denn unter Lichteinfluss produziert der Körper verstärkt die als »Glückshormone« bekannten Endorphine und den stimmungsaufhellenden Botenstoff Serotonin. Serotoninmangel spielt wahrscheinlich bei der Entstehung der Depression eine wichtige Rolle. Die saisonal abhängige Depression (SAD) wird umgangssprachlich als »Winterdepression« bezeichnet. Abgesehen von den Stimmungsschwankungen können sich die Betroffenen auf keine Aufgabe richtig konzentrieren, nichts macht ihnen Freude. Auch Heißhungerattacken auf Süßigkeiten sind keine Seltenheit. Die Winterdepression hält meist bis März oder April an und verschwindet danach von ganz allein. Den Winterblues müsse man aber nicht einfach so hinnehmen, sondern könne etwas dagegen unternehmen, meint York Scheller, Psychologe bei der Techniker Krankenkasse: »Ein vorübergehendes Stimmungstief ist kein Grund, sich die Decke über den Kopf zu ziehen oder zur Chemiekeule zu greifen.« Scheller rät stattdessen zu zahlreichen sanften Methoden, die helfen, auf die Sonnenseiten des Lebens zurückzufinden.

Wind-und-Wetter-Therapie

»Raus an die frische Luft mit euch!« Dieser Satz hat in meiner Familie Tradition. Bereits meine Oma scheuchte uns Kinder bei jedem Wetter nach draußen. Wer sich täglich dazu aufrafft, bei jedem Wetter eine Viertelstunde spazieren zu gehen, kennt den Effekt: Die frische Luft befreit den Kopf und verscheucht trübe Gedanken. Gerade Menschen, die unter dem winterlichen Seelentief leiden, brauchen dringend Licht. »Tageslicht ist die beste Therapie gegen die saisonale Depression«, sagt Scheller.

Körperliche Aktivitäten, besonders draußen, steigern nicht nur die Fitness, sondern auch das psychische Wohlbefinden. Empfehlenswert sind Ausdauersportarten wie Radfahren oder Ski-Langlauf. Beim Walken oder Joggen rennen sich Gestresste den Frust von der Seele. Drei- bis fünfmal pro Woche eine halbe bis eine Stunde sind ideal. Forschungsergebnisse belegen: Sport ist einer der erfolgreichsten Stimmungsaufheller.

Farbe in den Alltag

Bunte Accessoires wie Schals, Handschuhe und Mützen beleben das Gemüt und erfreuen zusätzlich die Mitaktiven. Sie wirken inspirierend und bringen gute Laune. Wer nach Arbeit und Sport noch Energiereserven übrig hat, streicht vielleicht einen Raum neu. Orange oder gelb sind ideale Farben für eine angenehme Umgebung: Laut Farbenlehre sorgen orangefarben gestrichene Wände für ein starkes Gefühl des Wohlbefindens und der Geborgenheit. Die Farbe Orange soll sowohl den Körper als auch den Geist ansprechen.

Gelb ist die Farbe der Sonne. Sie versetzt die Menschen in eine optimistische Stimmung und vermittelt Lebensfreude. Vor allem goldgelb gestrichene Räume strahlen Behaglichkeit und gleichzeitig Unbeschwertheit aus. Gelbtöne sollen den Geist anregen und das Denken fördern. Auch ein paar neue Kissen, eine Decke in warmen Gelb-, Orange- und Rottönen tragen zur angenehmen Atmosphäre bei. Mit kleinen Lichtinseln aus Teelichtern und Kerzen leuchtet die gesamte Wohnung wohlig warm.

Heim und Herd

Die Freude an schönen Erlebnissen verdoppelt sich, wenn man sie gemeinsam mit Freunden erlebt. Die kalte Jahreszeit ist ideal, um Freunde einzuladen, zum Plaudern, Kaffee trinken oder um zusammen zu kochen. Rezepte auszutauschen und die neuen Gerichte gemeinsam zuzubereiten, macht Spaß. Leichte Küche mit viel Gemüse und Obst schmeckt und hält schlank. Empfehlenswert ist außerdem Fisch. Das Jod im Fisch braucht die Schilddrüse zur Produktion ihrer Stoffwechsel anrengenden Hormone.

Generell sind Menschen glücklicher, die sich hin und wieder verwöhnen können. Studien zeigen, dass genussfähige Menschen sich auch gesund ernähren. Nebenbei stärkt das »Genießen« auch das Selbstbewusstsein und hebt das persönliche Leistungsniveau.

Vierbeinige Freunde

Das Leben mit Tieren ist Balsam für die Seele. »Allein beim Anblick meiner schlafenden Katzen fällt der ganze Stress von mir ab«, sagt meine Freundin. Recht hat sie, denn unsere vierbeinigen Lebensgefährten sind großartige Stress- und Stimmungstiefkiller. Gefühle der Einsamkeit können Katzen und Hunde durch ihre bloße Anwesenheit verdrängen. Die Winterzeit ist absolute Kraul- und Kuschelhochsaison. Eine vertrauensvoll langgestreckte, zum Schmusen einladende Katze lässt Ärger und Stress verfliegen.

Weltweit belegen Studien die positiven Wirkungen der Freundschaft zwischen Mensch und Tier. Das Sozialverhalten wird gefördert, nachweislich Blutdruck und Blutfettwerte gesenkt und die allgemeinen Abwehrkräfte gestärkt. Wer kein eigenes Haustier halten kann, findet vierbeinige Gesellschaft beispielsweise durch eine Patenschaft für Hund oder Katze aus dem Tierheim.

Zeit für Entspannung

Die Winterzeit muss nicht grau und eintönig sein. Winterzeit ist Verwöhnzeit. Sie lädt zu Entspannung und Neuorientierung ein. Endlich ist Zeit für einen Yoga-Kurs oder die liegen gebliebenen Bücher. Bei einem aromatischen Tee, mit schöner Musik und einem guten Buch fliegen die Gedanken in andere Richtungen. Auch wohlige Düfte bringen uns auf neue Ideen. In der Winterzeit schaffen sie zusätzlich eine beruhigende oder anregende Atmosphäre. Orangen- und Zitronenschalen auf der Heizung, ätherische Öle für Duftlampen oder Räucherstäbchen aus dem Apothekensortiment schaffen Anreize für die Sinne. Eine Auszeit vom Alltag ist auch das Baden. Nach einem hektischen Tag bietet das warme Wasser, ganz nach asiatischem Vorbild, Reinigung für Körper und Seele. Badeöle und Zusätze gibt es für jeden Geschmack. Besonders empfehlenswert sind die Zusätze der Naturkosmetikhersteller. Sie sind frei von chemischen Zusatzstoffen und trocknen die Haut nicht aus. Schon das Auswählen der passenden Duftnote wie »Orange Feeling«, »Honey Moments«, »Rose Garden« oder »Lavendel Secrets« erzeugt Vorfreude auf die heimische Badewanne. Eine abschließende Massage mit dem entsprechenden Öl lässt Stress und Sorgen vergessen und macht wohlig müde. 

Sich schöne oder lustige Ereignisse in Erinnerung zu rufen, hilft trübe Gedanken zu vertreiben. Lachen ist hier die beste Medizin. Mein Tipp: Wer über sich selbst lachen kann, ist erst einmal vor trüben Gedanken gefeit. Und bleibt wahrscheinlich vom Winterblues verschont.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
blaubehr(at)gmx.net

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