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Selbstmedikation

Sodbrennen in der Schwangerschaft

26.11.2009  20:29 Uhr

Selbstmedikation

Sodbrennen in der Schwangerschaft

PTA-Forum / Viele werdende Mütter leiden erheblich unter einem Überschuss an Magensäure. Oft kannten sie weder Sodbrennen noch saures Aufstoßen. Fragen die Schwangeren PTA oder Apotheker um Rat, sollten diese zunächst Verhaltensregeln zu Ernährung und Lebensgewohnheiten nennen. 

Sodbrennen ist unter Schwangeren weit verbreitet. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und dem Berufsverband der Frauenärzte klagen darüber zwischen vier und acht von zehn Frauen im Verlauf der Schwangerschaft. Viele erleben erstmals die charakteristischen Symptome wie Sodbrennen oder saures Aufstoßen. Diese Beschwerden verunsichern die werdenden Mütter stark. Sie fragen sich: Muss ich die Beschwerden aushalten oder darf ich sie behandeln? Darf ich überhaupt Medikamente einnehmen?

Die Ursachen für Sodbrennen sind vielfältig: In der ersten Phase der Schwangerschaft spielen hormonelle Veränderungen die größte Rolle. Die Schwangerschaftshormone fördern die Dehnbarkeit des Gewebes und bewirken einen Verlust an Muskelspannung. Das betrifft auch den Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre, den Sphinkter. Ist der Sphinkter geschwächt, kann die Magensäure leichter in die Speiseröhre zurückfließen und damit Sodbrennen verursachen. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft kommen mechanische Faktoren hinzu: Die Gebärmutter und das Ungeborene wachsen zusehends und drücken den mütterlichen Magen zusammen. Fast immer verschwinden die Beschwerden nach der Geburt von alleine.

Übersicht der Tipps (nicht nur für Schwangere)

  • Meiden Sie zu enge Kleidung.
  • Bevorzugen Sie mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt.
  • Nehmen Sie sich Zeit beim Essen und kauen Sie die Nahrung gründlich.
  • Reduzieren Sie Stress, wenden Sie Entspannungstechniken an.
  • Ruhen und schlafen Sie mit erhöhtem Oberkörper.
  • Nehmen Sie die letzte Mahlzeit drei bis vier Stunden vor dem Zubettgehen zu sich.
  • Sorgen Sie für ein ausreichendes Maß an Bewegung, am besten an der frischen Luft.

Als Leitsymptom beschreiben die Betroffenen einen brennenden Schmerz hinter dem Brustbein. Zudem beklagen sie einen sauren oder bitteren Geschmack im Mund- und Rachenraum. Andere geben an, sie hätten ständig einen »Kloß im Hals«. Ein weiteres Anzeichen ist ein andauerndes Druckgefühl in der Magenregion. Besonders stark ausgeprägt sind solche Symptome, wenn der Magen nach einer großen Mahlzeit gefüllt ist. 

Schwangeren mit Sodbrennen sollten PTA oder Apotheker zunächst allgemeine Verhaltensregeln und Ernährungstipps empfehlen. Wichtig ist der Rat, möglichst auf fettreiche oder scharf gewürzte Speisen zu verzichten, ebenso auf Süßigkeiten sowie koffein- und kohlensäurehaltige Getränke. Der Hinweis, keinen Alkohol zu trinken und nicht zu rauchen, gehört ebenfalls zu dieser Liste.

Zunächst Verhalten anpassen

Außerdem bekommen mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt Schwangeren grundsätzlich besser als wenige große Mahlzeiten. Fürs Essen sollten sie sich Zeit lassen und gründlich kauen, statt es hastig herunter zu schlingen. Zu Abend essen sollten sie immer einige Stunden, bevor sie zu Bett gehen. Wer nach dem Essen eine Pause braucht, sollte sich besser nicht hinlegen, sondern sich in einen Sessel setzen und ausruhen. Liegen begünstigt den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre. Alternativ können Schwangere den Kopfteil des Bettes höher zu stellen oder den Oberkörper auf mehreren Kissen betten. Positiv wirkt sich generell ein Lebensstil ohne Stress und Hektik aus, davon profitiert auch das Ungeborene. Viel Bewegung an frischer Luft und Entspannungstechniken helfen, psychische Belastungen zu reduzieren.

Arzneimittel in Schritten

Lässt sich das Problem durch Änderung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten nicht beheben, können Schwangere Medikamente einnehmen. Im sogenannten Step-up-Konzept soll die Frau zunächst Antacida ausprobieren. Diese Medikamente enthalten meist Kombinationen von aluminium- und magnesiumhaltigen Verbindungen, auch in Form sogenannter Schichtgitterantacida. Sie wirken lokal und neutralisieren überschüssige Magensäure. Präparate auf Basis von Magnesium- und Calciumcarbonat (wie Rennie® Kaubtabletten) belasten den Fötus nicht, weil sie rein lokal im Magen wirken. Vor allem Calciumcarbonat besitzt ein hohes Neutralisationsvermögen, das allerdings nicht lange anhält. Magnesiumcarbonat bewirkt dagegen eine verzögerte, aber dafür länger anhaltende Neutralisation. So ergänzen sich beide Substanzen und lindern die Beschwerden rasch und zuverlässig. Zugelassen sind Antacida auf Basis von Magnesium- und Calciumcarbonat zur symptomatischen Behandlung säurebedingter Beschwerden. Calcium- und magnesiumhaltige Antacida sind sehr gut verträglich. Es gibt keinerlei Hinweise auf schädliche Wirkungen bei Einnahme während der Schwangerschaft und in der Stillzeit.

Magnesium wirkt mehrfach

Da Magnesiumsalze zudem den Stuhl erweichen, hilft das Arzneimittel zusätzlich vor allem Schwangeren mit Verstopfungen. Außerdem verordnen Ärzte Schwangeren Magnesium in hoher Dosierung, wenn diese eine Schwangerschaftshypertonie entwickeln oder vorzeitige Wehen drohen. Magnesium relaxiert die Muskulatur, in Verbindung mit Calcium auch die glatte Gefäßmuskulatur der Gebärmutter.

Helfen Antacida nicht ausreichend gegen das Sodbrennen, kann in einem nächsten Schritt ein H2-Rezeptorenblocker oder ein Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol (wie Antra®) notwendig werden. Zwar sind auch diese beiden Wirkstoffgruppen in niedriger Dosierung ohne Rezept erhältlich, dennoch sollten Schwangere vor einer Einnahme den Arzt befragen, der die Indikation sorgfältig prüft und das Nutzen-Risiko-Verhältnis abschätzt. Diese Vorsichtsmaßnahme ist nötig, weil H2-Rezeptorenblocker und Protonenpumpenhemmer über die Plazenta in den kindlichen Blutkreislauf gelangen.