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Beratung

Paracetamol richtig dosieren

19.10.2012  17:36 Uhr

Von Sven Siebenand, München / Mit mehr als 50 Millionen Packungen war Paracetamol im vergangenen Jahr das meistverkaufte verschreibungsfreie Schmerzmittel in Deutschland. Daher ist es bei diesem Wirkstoff besonders wichtig, dass PTA oder Apotheker für die Beratung den aktuellen Stand bezüglich neuer Darreichungsformen oder Nebenwirkungen kennen.

Die Hersteller Paracetamol-haltiger Arzneimittel empfehlen in den Fach- und Gebrauchs­informationen, den Arzneistoff abhängig vom Körpergewicht und Alter zu dosieren. Die Einzeldosis beträgt 10 bis 15 mg/kg Körpergewicht und die maximale Tagesdosis 60 mg/kg Körpergewicht. Allerdings ist die maximale Einzeldosis 1000 mg. Diese gilt für Patienten ab zwölf Jahren und ab einem Körpergewicht von 43 kg. Grundsätzlich sollten Erwachsene zur Schmerz- und Fieber­bekämpfung mit einer Dosis von 1000 mg Paracetamol starten, betonte Dr. Gerald Untersteiner von Bene-Arzneimittel bei einer Presseveranstaltung anlässlich der Fachmesse Expopharm in München. Um ein Therapieversagen zu verhindern, sollten die Patienten den Wirkstoff sofort ausreichend hoch dosieren und dann – falls nötig – im Abstand von sechs bis acht Stunden nach Bedarf jeweils weitere 1000 mg nachdosieren. Die maximale Tagesdosis liegt bei 4 g des Wirkstoffes.

Da die meisten Paracetamol-Tabletten 500 mg pro Dosis enthalten, müssten Erwachsene also gleich zwei Tabletten auf einmal einnehmen, damit sie die vorgeschlagene Startdosis erreichen. Davor schrecken jedoch einige Patienten zurück, so der Referent. Vielen sei unbekannt, dass auch Tabletten und Brausetabletten mit je 1000 mg Paracetamol pro Einzeldosis im Handel sind. Das Angebot wurde mit Ben-u-ron® direkt durch ein ohne Wasser einnehm­bares Granulat ergänzt. Wie Untersteiner informierte, unterscheidet sich das Granulat hinsichtlich Pharmako­kinetik und -dynamik nicht von Tabletten. Es wirkt also nicht schneller. Allerdings bietet es Patienten eine Alternative, die zum Beispiel keine Tabletten oder Kapseln schlucken wollen. Den sehr bitteren Geschmack von Paracetamol überdeckt ein nach Cappuccino schmeckender Aromastoff.

Das Paracetamol-Granulat steht – auch mit anderen Geschmacksrichtungen – zudem in den Stärken 250 und 500 mg zur Verfügung. Sie sind beispielsweise für Kinder geeignet, die sich gegen die Gabe eines Zäpfchens wehren.

Leberrisiko – ja oder nein?

Bei Schwangeren ist Paracetamol Anal­getikum und Antipyretikum der Wahl. Grundsätzlich sollten die Frauen den Wirkstoff aber nur anwenden, wenn sie ihn dringend benötigen. In diesen Fällen gilt insbesondere, dass Paracetamol wie andere Analgetika nur in der niedrigsten wirksamen Dosierung und über den kürzesten, erforderlichen Zeitraum eingenommen werden sollte.

Schon bei bestimmungsgemäßem Gebrauch wurden häufige Fälle von Leberversagen beobachtet sowie ein erhöhtes Asthmarisiko für Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Paracetamol einnahmen. Daher wurden diese Risiken in den vergangenen Jahren immer wieder in Verbindung mit dem Wirkstoff genannt. In der Septemberausgabe seines Bulletins zur Arzneimittelsicherheit entkräftet das Bundes­institut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) derartige Vermutungen. Halten sich die Patienten an die therapeutische Dosierung, seien weder klinisch relevante Leberschäden zu beobachten, noch bestehe ein erhöhtes Risiko für Asthma oder Lageanomalien des Hodens nach Anwendung in der Schwangerschaft. Im Gegensatz zu den nicht-steroidalen Antirheumatika konnte für Paracetamol zudem kein signi­fikanter Einfluss auf den Blutdruck, das Herz-Kreislauf-System und den Verdauungstrakt belegt werden.

Auf der Basis dieser Aussagen hat das BfArM schon im Juni 2012 in einer Sondersitzung entschieden, dass Paracetamol bis zu einer Menge von 10 g pro Packung weiterhin OTC-Medikament bleibt. /

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