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BVpta

Eigenständige Position erarbeiten

26.07.2013  09:04 Uhr

Von Annette van Gessel / Der Beruf der pharmazeutisch-­technischen Assistenten wurde im Jahr 1969 neu geschaffen. ­Seitdem gehören PTA zu den pharmazeutischen Mitarbeitern ­ In der Apotheke und unterstützen Apotheker unter anderem in Offizin und Rezeptur. Sabine Pfeiffer, die Vorsitzende des ­Bundesverband PTA, BVpta, e.V. nimmt im Interview Stellung zu der aktuellen Situation der PTA.

PTA-Forum: Wie haben sich die Tätigkeiten der PTA in den zurückliegenden mehr als 40 Jahren verändert?

Pfeiffer: Die Diskussion über einen Assistenzberuf an der Seite des Apothekers wurde schon in den sechziger Jahren geführt. Akut und ganz schnell ins Leben gerufen wurde der PTA- Beruf dann, als das Pharmaziestudium novelliert wurde und somit das Praktikum beziehungsweise Vorexamen als Voraussetzung für das Studium weg fielen. Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung: als Hilfskraft dem Apotheker zur Seite gestellt. Wir PTA sollten eigentlich die Praktikanten und in Teilen auch die Vorexaminierten ersetzen.

Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Die Aufgaben der öffent­lichen Apotheken haben sich grundlegend geändert und die Ansprüche an das pharmazeutische Personal erst recht.

Früher wurden in den Apotheken noch im Defekturmaßstab große Mengen an Säften und Zäpfchen hergestellt. Wer erinnert sich noch an die Vitasellan-Produktion? Heute sind es in der Regel nur noch Salbengrundlagen für die Rezeptur.

Die Bewertung von Rezepturen, im Sinne einer Kompatibilitäts- und Plausibilitätsprüfung, andere Prüfverfahren von Ausgangsstoffen, beispielsweise mit DCs, und vor allen Dingen die fachkundige Beratung von Kunden in der Selbstmedikation stehen heute im Mittelpunkt der täglichen Arbeit, vor 40 Jahren undenkbar.

Hinzu kommt, dass PTA Eingang in andere Arbeitsfelder außerhalb der öffentlichen Apotheke gefunden haben. So arbeiten viele Kolleginnen in der Industrie, der Verwaltung, an Schulen und Instituten oder im Öffentlichen Dienst.

PTA-Forum: Wie viel Prozent der PTA-Schüler gehen nach ihrer Ausbildung in die öffentliche Apotheke und wie war das früher?

Pfeiffer: Die meisten Kolleginnen haben – ebenso wie ich – den Beruf ergriffen mit dem Bewusstsein: Unser Arbeitsfeld ist die öffentliche Apotheke oder die Krankenhausapotheke. Heute stehen den Kolleginnen ganz andere Türen offen, manche ergreifen diesen Beruf und wissen schon: In die Apotheke gehe ich nie. Nach dem halbjährigen Praktikum in der Apotheke sehen diese PTA ihre weitere berufliche Chance in der Industrie, im öffentlichen Dienst, an Instituten, wo ihr erworbenes Wissen oft auch ganz anders gewertet wird. Nach unseren Schätzungen wandern inzwischen durch die oft besseren beruf­lichen Möglichkeiten circa 35 Prozent unserer Kolleginnen in diese anderen Arbeitsfelder ab, Tendenz steigend.

PTA-Forum: Warum ergreifen hauptsächlich Frauen diesen Beruf?

Pfeiffer: Frauenlastig war dieser Beruf, ebenso wie viele andere Gesundheitsberufe, schon immer. Aber dies liegt auch an der Mentalität der Frauen, wir haben eben ein Helfersyndrom, was in der Gesundheitspolitik häufig ausgenutzt wird. Man denke nur an die schlechte Bezahlung. So ist es für einen Berufseinsteiger sehr schwierig, sich von den tariflich garantierten Gehältern eine eigene Existenz aufzubauen.

Nicht zu vergessen: Der PTA-Beruf wird ein Frauenberuf bleiben, denn er bietet fantastische Möglichkeiten durch Teilzeitarbeit, Familie und Beruf zu kombinieren.

PTA-Forum: Wo arbeiten die wenigen Männer, die eine PTA-Ausbildung absolviert haben?

Pfeiffer: Die meisten männlichen PTA-Kollegen finden Sie hauptsächlich in der Industrie oder in Software-Häusern wieder. Dort sehen sie ihre Karriere-Chancen. Die wenigen Kollegen, die in Apotheken arbeiten, werden dort oft als rechte Hand des Apothekers gesehen und auch entsprechend bezahlt. Wir würden uns übrigens über die aktive Mitarbeit männlicher Kollegen im BVpta sehr freuen, denn so können wir, auch für sie, noch mehr erreichen.

PTA-Forum: Wie wird sich nach Ihrer Einschätzung das Berufsbild der PTA in Zukunft verändern?

Pfeiffer: Für den Arbeitsplatz in der öffentlichen Apotheke gibt es derzeit keine grundsätzlich positiven Ausblicke in die Zukunft. Ich erinnere aktuell nur an das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz!

Jetzt sind wir gefordert, uns eine eigenständige Position im Gesundheitswesen zu erarbeiten. Um dies für uns PTA zu erreichen, dafür sind meine Vorstandskolleginnen und ich tagtäglich unterwegs.

PTA-Forum: Was tut der BVpta dafür, dass der Beruf auch weiterhin attraktiv bleibt beziehungsweise noch attraktiver wird?

Pfeiffer: Der BVpta unternimmt viele Aktivitäten, um den Beruf und seine Belange in der Politik und anderen relevanten Stellen wie Apothekervertretungen, Vertretern der Industrie sowie bei den Krankenkassen bekannt zu machen. Man denke nur an das Igl-Gutachten, das wir im vergangenen Jahr erstellen ließen. In diesem wird die Politik aufgefordert, sich konkret mit dem PTA-Beruf auseinander zu setzen und das PTA-Berufsgesetz, welches ja mehr als 40 Jahre alt ist und nicht mehr den heutigen Gegebenheiten entspricht, zu novellieren.

Daneben sind wir aktiv in Gesundheitsforen vertreten, pflegen den Kontakt zu Schwesterverbänden und arbeiten aktiv in einer ARGE Gesundheitsberufe mit, um der Politik immer wieder die Wichtigkeit unserer Arbeit an und mit den Menschen vor Ort vor Augen zu führen.

PTA-Forum: Der BVpta möchte die PTA-Ausbildung gerne auf drei Jahre erweitern. Warum und welche Inhalte kämen dann hinzu?

Pfeiffer: In absehbarer Zeit ist der Beruf der pharmazeutisch-technischen Assistenten der einzige bundesrechtlich geregelte Gesundheitsberuf mit einer zweijährigen Ausbildung, dazu kommt ein halbes Jahr Praktikum. Das entspricht in keiner Weise den Ansprüchen, die heute an PTA gestellt werden.Darum fordern wir als Berufsverband mit Nachdruck, die Ausbildungszeit zu verlängern und die Inhalte an die aktuellen Anforderungen anzupassen.

Dies bedeutet, dass die Fächer Apothekenpraxis – mit Kommunikation und Wirkstoff- und Arzneimittelkunde – dringend erweitert werden müssen. Auch muss in der Ausbildung mehr auf die anderen, neuen Arbeitsfelder der PTA eingegangen werden. Andere Fächer können dann im Gegenzug zurückgefahren werden. Außerdem muss der Beruf im europäischen Vergleich bestehen.

Grundsätzlich gebietet das ein für alle Schüler durchgängiges Bildungssystem, damit die Berufsfachschule mit einer Fachhochschulreife beendet werden kann. Jeder Fachoberschüler hat nach einem zweijährigen allgemeinen Schulbesuch die Möglichkeit der Fachhochschulausbildung. Das fordern wir auch für Schüler mit einer hochwertigen Fachausbildung. In Baden-Württemberg wird diese Möglichkeit an vielen PTA-Schulen angeboten, allerdings zusätzlich zum eigentlichen Fachunterricht.

Selbstverständlich kann ich diese Arbeit nicht alleine leisten. Meine Vorstandskolleginnen arbeiten in ihren Fachgebieten und so hole ich mir regelmäßig Rat und Fachwissen bei ihnen. Für diese aktive Mitarbeit möchte ich mich auch an dieser Stelle bei ihnen sehr herzlich bedanken. /