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COPD

Husten, Auswurf, Atemnot

26.07.2013
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Von Brigitte M. Gensthaler, Meran / Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, kurz COPD, gehört weltweit zu den großen Volkskrankheiten. Und die Zahl der Erkrankten nimmt zu. Eine Heilung ist nicht möglich, aber eine frühzeitige Therapie kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Eine einfache Maßnahme hilft, COPD vorzubeugen: nicht rauchen.

Weltweit leiden etwa 10 Prozent der Erwachsenen über 40 Jahren an COPD, berichtete Professor Dr. Michael Pfeifer vom Zentrum für Pneumologie in Do­naustauf beim diesjährigen Fortbildungskongress Pharmacon in Meran. In Deutschland leben schätzungsweise 6,8 Millionen COPD-Patienten; neun von zehn haben geraucht oder rauchen. »Der wichtigste Risikofaktor für eine COPD ist das Rauchen«, warnte der Lungenspezialist. Eher selten entwickelt sich die Erkrankung allein durch das dauerhafte Einatmen von Stäuben oder Gasen oder auf der Basis einer genetischen Veranlagung. Die wirksamste Präventionsmaßnahme ist daher der Verzicht auf die Zigarette.

Schleichender Beginn

Eine COPD beginnt unspektakulär mit Husten und Auswurf, die allmählich chronisch werden. Als weiteres klassisches Symptom kommt Atemnot bei körperlicher Belastung hinzu. Da ihre Leistungsfähigkeit abnimmt, schonen sich die Patienten, wodurch ihre Leistungsfähigkeit weiter sinkt. Aufgrund des schleichenden Fortschreitens nehmen viele ihre Erkrankung aber gar nicht ernst und gehen viel zu spät zum Arzt. Hier haben PTA und Apotheker eine wichtige Aufgabe: Berichtet ein Patient in der Apotheke über chronischen Husten, Auswurf und Atemnot, sollte das Team ihm unbedingt zum Arztbesuch raten.

Nach der Definition der »Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease« (GOLD) ist die COPD gekennzeichnet durch eine nur teilweise reversible Verengung der Atemwege (Ob­struktion), einen progredienten Verlauf und eine krankhafte Entzündungsreaktion der Atemwege und der Lunge. Nach der 2011 aktualisierten GOLD-Leitlinie werden die Patienten in vier Risikogruppen (von A bis D) eingeteilt. Die Klassifikation richtet sich nicht mehr nur nach der objektiv messbaren Einschränkung der Lungenfunktion. Vielmehr werden auch subjektive Beschwerden, die der Patient in einem Fragebogen angibt und bewertet, sowie das Risiko für Exazerbationen (akute Verschlechterungen) berücksichtigt.

COPD führt zu einem allmählichen Um- und Abbau von Lungengewebe, erklärte Pfeifer. Die kleinen Atemwege, die Alveolen, gehen zugrunde und verschmelzen miteinander, die Lungen­wege kollabieren. Im späteren Stadium kommt es zu einer Überblähung der Lunge. Fachleute sprechen von einem Lungenemphysem, das nicht mehr rückgängig zu machen ist. Den zunehmenden Verlust an funktionsfähiger Lungenstruktur könne der Patient nur durch den Verzicht aufs Rauchen aufhalten.

»Während bei der COPD die kleinen Atemwege erkranken, betrifft Asthma die mittleren und großen Atemwege«, erklärte Pfeifer. Und ergänzte noch einen wichtigen Unterschied: Die Entzündungsreaktion bei Asthma werde maßgeblich durch eosinophile Granulozyten unterhalten, während bei COPD neutrophile Granulozyten im Vordergrund stehen. Diese sprechen kaum auf inhalative Corticosteroide an, die in der Asthmatherapie so wichtig sind. Nur an der Exazerbation sind beim COPD-Patienten Eosinophile beteiligt: Dann sind Steroide hilfreich.

COPD ist keine reine Lungenerkrankung, betonte der Arzt in Meran. Sie könne vielmehr schwere systemische Auswirkungen haben. Dazu zählen beispielsweise Herzinsuffizienz und koronare Herzkrankheit, Kachexie (Auszehrung) und Depression.

Richtige Atmung

Die nicht-medikamentöse Therapie und der Verzicht aufs Rauchen bilden die Basis jeder COPD-Behandlung. Zu empfehlen sind ferner Ausdauerbewegungen wie Spazierengehen, Wandern oder Gartenarbeit sowie regelmäßiges körperliches Training, zum Beispiel in einer Lungensportgruppe. Spezielle Atemgymnastik hilft Patienten, Fehlatmung zu vermeiden und die Lunge besser zu belüften. Tipp für das Beratungsgespräch: COPD-Patienten sollten sich gegen Influenza-Viren und Pneumo­kokken impfen lassen, da sowohl die echte Grippe als auch Lungenentzündungen die Lunge weiter schädigen.

Jeder COPD-Patient sollte wissen, wie er sich bei akuter Atemnot verhalten soll. Wenn er die Lippen locker aufeinanderlegt und gegen diesen Widerstand ausatmet (»Lippenbremse«), steigt der Druck in den tiefen Atemwegen. Das wirkt einem Kollaps der Bronchien entgegen. Ähnliches bewirkt die Gähn- oder Schnüffelatmung. Auch verschiedene Körperhaltungen wie der Kutscher- oder Reitsitz erleichtern die Atmung. Übungen zur Atemgymnastik stellt zum Beispiel die Initiative Lungensport Bamberg vor.

Frühzeitig Medikamente

Die moderne COPD-Therapie soll nicht nur die Lungenfunktion verbessern und akute Exazerbationen lindern, sondern auch das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Patienten verbessern, betonte Pfeifer. Heute werde ein frühzeitiger Einsatz von bronchienerweiternden Medikamenten (Bronchodilatatoren) zur Dauertherapie empfohlen, da diese den Luftstrom durch die Atemwege verbessern und die Häufigkeit von Exazerbationen senken. Damit werde der Verlauf der Erkrankung günstig beeinflusst, sagte der Arzt. Da die Medikamente inhaliert werden, brauche der Patient unbedingt eine Schulung zum korrekten Umgang mit den Geräten.

Zu den Bronchodilatatoren für die Dauertherapie gehören

  • die lang wirksamen (long acting) Muscarinrezeptor-Antagonisten (LAMA; Anticholinergika) Tiotropium, Aclinidium und Glycopyrronium sowie
  • die lang wirksamen Beta-2-Agonisten (LABA; Sympathomimetika) Formoterol, Salmeterol und Indacaterol.

Bei leichteren bis mittleren Beschwerden verordnet der Arzt die Medikamente als Monotherapie. Inhalativa mit Tiotropium und Glycopyrronium (seit November 2012 neu auf dem deutschen Markt) muss der Patient nur einmal täglich anwenden, Aclinidium (seit Oktober 2012 im Handel) zweimal täglich. Pfeifer empfahl, das Medikament abends zu inhalieren, um morgendliche Beschwerden zu lindern.

Die Kombination der beiden Wirkprinzipien – Hemmung der cholinergen Rezeptoren und Stimulation der Beta-2-Rezeptoren – könne die Wirkung weiter verbessern, sagte Pfeifer. Außerdem treten möglicherweise weniger Nebenwirkungen auf als bei Erhöhung der Dosis eines einzelnen Bronchodilatators. Er erwartet, dass künftig auch Fixkombinationen von LABA und LAMA auf den Markt kommen werden.

Die Experten der GOLD-Initiative nennen Methylxanthine wie das alt­bekannte Theophyllin als Alternative. Die therapeutische Breite des Wirkstoffs ist gering. PTA und Apotheker sollten den Patienten empfehlen, Theophyllin abends einzunehmen.

In späteren Stadien

Inhalative Corticosteroide (ICS) wie Beclomethason, Budesonid und Fluticason sind laut Pfeifer bei COPD-Patienten – anders als bei Asthma – erst spät indiziert. Sie kommen in fortgeschrittenen Stadien oder bei häufigen Exazerbationen zum Einsatz. Dann werden sie mit lang wirksamen Bronchodilatatoten (LABA oder LAMA) kombiniert.

Die Entzündungshemmung werde künftig eine zunehmende Rolle spielen, sagte Pfeifer und stellte Roflumilast als Vertreter einer neuen Substanzklasse vor. Der oral einzunehmende Phosphodi­esterase(PDE4)-Hemmer ist seit August 2010 zur Dauertherapie bei Erwachsenen mit schwerer und sehr schwerer COPD, chronischem Husten mit viel Auswurf sowie häufigen Exazerbationen auf dem Markt. In Studien senkte Roflumilast, zusätzlich zur bronchodilatatorischen Medikation gegeben, die Rate an Exazerbationen signifikant und verbesserte die Lungenfunktion. Allerdings könne das Medikament Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Gewichtsverlust auslösen, mahnte Pfeifer.

In den nächsten Jahren seien wei­tere PDE-4-Hemmer, auch in inhalativer Form, zu erwarten. Die orale Gabe von Roflumilast bringe Patienten aber einen Vorteil, die mit der Inhalation Probleme haben. Bis ein Therapieeffekt nachweisbar ist, können einige Wochen vergehen. Zudem erwartet Pfeifer eine Renaissance von Theophyllin zur Entzündungshemmung.

Vorsicht vor Exazerbationen

Bei einer Exazerbation verschlechtern sich die Symptome innerhalb kurzer Zeit. Der Patient leidet an stärkerer Atemnot, hustet mehr und produziert mehr Auswurf. Dieser kann gelb oder grün sein. Manchmal kommt Fieber hinzu. Eine Exazerbation kann die Lungenfunktion dramatisch verschlechtern. Dann sollten PTA oder Apotheker den Patienten sofort an den Arzt verweisen. Patienten mit fortgeschrittener COPD oder mit massiver Atemnot müssen im Krankenhaus behandelt werden.

Bei einer Exazerbation muss der Patient meist für fünf bis 14 Tage orale Corticosteroide einnehmen. Ein Ausschleichen der Medikation ist laut Pfeifer nicht nötig. Die Dosis der Bronchodilatatoren wird angepasst. Bei Anzeichen eines bakteriellen Infekts – grünes Sputum – sind Antibiotika indiziert. /

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