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Neuer Wirkstoff im Juli

Neues Ophthalmicum

26.07.2013  09:04 Uhr

Von Sven Siebenand / Sommerloch auch bei den neuen Arzneistoffen: Im Juli kam nur ein Medikament mit einem bisher unbekannten Inhaltsstoff auf den Markt. Es handelt sich dabei um ein Analgetikum und Antiphlogistikum zum Einsatz nach bestimmten Augenoperationen.

 

Seit dem 1. Juli ist Nepafenac (Nevanac® 1 mg/ml Augentropfensuspension, Alcon) auf dem deutschen Markt erhältlich. Das Arzneimittel wird einerseits zur Prophylaxe und Behandlung von Schmerzen und Entzündungen nach einer Operation des Grauen Stars (Katarakt) angewendet. Zur Erinnerung: Beim Grauen Star trübt sich nach und nach die Augenlinse, bis die Betroffenen ihre Sehkraft ganz verlieren. Um dies zu verhindern, wird oft eine Operation notwendig. Danach leiden manche Patienten unter Schmerzen, und das Auge entzündet sich. Dies soll der neue Arzneistoff verhindern. Des Weiteren ist Nepafenac zugelassen zur Verminderung des Risikos postoperativer Makulaödeme, die bei Diabetikern nach einer Katarakt-Operation auftreten können.

 

Von den verschreibungspflichtigen Augentropfen muss der Patient dreimal täglich einen Tropfen in das betroffene Auge beziehungsweise die betroffenen Augen geben und damit bereits am Tag vor der Katarakt-Operation beginnen. Soll das Präparat Schmerzen und Entzündungen vorbeugen, muss er die Behandlung nach der Operation bis zu 21 Tage fortsetzen. Die Therapiedauer beträgt bis zu 60 Tagen, wenn das Risiko eines Makulaödems verringert werden soll. In der Fachinformation des Medikamentes wird empfohlen, 30 bis 120 Minuten vor Beginn der Operation einen zusätzlichen Tropfen zu applizieren. Muss der Patient weitere Ophthalmika anwenden, sollten er zwischen den einzelnen Präparaten mindestens fünf Minuten Zeit verstreichen lassen.

 

Sonnenlicht meiden

PTA und Apotheker sollten darauf hinweisen, die Flasche vor Gebrauch gut zu schütteln, da es sich um eine Suspension handelt. Ferner sollten sie die Patienten darüber informieren, dass sie während der Therapie mit Nepafenac direktes Sonnenlicht meiden.

 

Nepafenac ist ein Prodrug. Im Auge wird es zur aktiven Substanz Amfenac umgewandelt. Wie die ähnlich klingenden Wirkstoffe Diclofenac und Bromfenac gehört auch Amfenac zu den nicht-steroidalen Antiphlogistika (NSAR). Indem es das Enzym Cyclooxygenase (COX) hemmt, vermindert Amfenac die Produktion von Prostaglandinen, die an Entzündungs- und Schmerzprozessen beteiligt sind.

 

In Studien traten bei etwa 3 Prozent der Patienten Nebenwirkungen auf, jedoch keine schwerwiegenden. Am häufigsten waren Hornhautentzündung (Keratitis), Augenschmerzen und Verkrustungen des Lidrands. Auf das mögliche Auftreten von Nebenwirkungen an der Hornhaut wird in der Fachinformation noch einmal gesondert eingegangen, da der wiederholte Gebrauch topischer NSAR dieses Risiko erhöht. Sollten Schäden am Hornhautepithel auftreten, muss Nevanac sofort abgesetzt werden.

 

Nepafenac ist kontraindiziert bei Patienten, die auf NSAR allergisch reagieren. Wie andere Substanzen dieser Gruppe darf Nepafenac zudem nicht bei Patienten angewendet werden, bei denen nach der Anwendung von Acetylsalicylsäure oder anderen NSAR Asthmaanfälle, Ausschlag oder Entzündungen der Nasengänge aufgetreten sind. Vorsicht geboten ist auch bei der Kombination von Nepafenac mit topischen Corticosteroiden, da beide Heilungsprozesse verzögern können und sich dieser Effekt noch verstärken kann.

 

Keine Kontaktlinsen tragen

Weiterhin ist zu bedenken: Das neue Präparat enthält das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid, das weiche Kontaktlinsen verfärbt. Generell sollten die Patienten während der postoperativen Phase nach der Katarakt-Operation keine Kontaktlinsen tragen. Wer während der Behandlung nicht auf diese verzichten kann, sollte informiert werden, dass er diese vor der jeweiligen Anwendung von Nepafenac heraus nimmt und mindestens 15 Minuten wartet, bis er sie wieder einsetzt.

 

Schwangere sollten Nepafenac nicht anwenden und ebenso Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten. Stillende können das Präparat dagegen verwenden. /

Neues Immunglobulin-Präparat

Mit HyQvia® hat die Firma Baxter Anfang Juli ein weiteres Arzneimittel auf den Markt gebracht, das humanes Immunglobulin vom Menschen zur subkutanen Anwendung ent- hält. Es wird bei Erwachsenen mit Immundefektsyndromen angewendet. HyQvia wird als »Substitutionstherapie« zur Behandlung folgender Erkrankungen angewendet:

  • primäre Immundefektsyndrome (angeborene Unfähigkeit, ausreichend Antikörper zu bilden);
  • niedrige Antikörperspiegel im Blut bei Patienten mit chronisch-lymphatischer Leukämie oder Myelom, die unter häufigen Infektionen leiden.

Das Besondere an dem Arzneimittel ist, dass es als weiteren Bestandteil rekombinante humane Hyaluroni­dase enthält. Dieses Enzym verteilt das normale Immunglobulin unter der Haut, sodass es vom Körper leichter aufgenommen werden kann.

E-Mail-Adresse des Verfassers

s.siebenand(at)govi.de

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