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Jubiläumsfeier

60 Jahre und kein bisschen leise

28.07.2014
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Von Sigrid Joachimsthaler / Adexa hatte zum sechzigjährigen Jubiläum in den ehemaligen Wasserturm im Hamburger Schanzenpark geladen. Über 120 Gäste aus dem In- und Ausland waren gekommen, um auf die erfolgreiche Arbeit der Interessenvertretung aller Berufsgruppen in der öffentlichen Apotheke zurückzublicken. Gleichzeitig wurde klar: Auch im siebten Jahrzehnt gibt es noch viele Herausforderungen für die Tarif- und Berufspolitik der Apothekengewerkschaft.

Adexas Erste Vorsitzende Barbara Neusetzer ging in ihrer Begrüßungsrede auf die Erfolge der tarifpolitischen Arbeit ein: »1954 startete die Apothekengewerkschaft mit einer Wochenarbeits­zeit von 48 Stunden, einem Urlaubs­anspruch von 18 bis 24 Werktagen – je nach Betriebszugehörigkeit, ohne »Sonderzahlung« und mit unentgeltlichem Notdienst.« Seitdem sind 30 Rahmentarifverträge und 49 Gehaltstarifverträge abgeschlossen worden.

Die notwendigen Gehaltssteigerungen für die Mitarbeiter seien gegenüber der Politik oft als Argument genutzt worden, um den Kostendruck auf die Apotheken zu mildern, so Neusetzer. Sie wünsche sich aber »eine noch größere Wertschätzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und zwar zu jeder Zeit, nicht nur, wenn es gerade in die Argumentation der ABDA oder der Apothekeninhaber passt.«

Und es gebe auch weiter viel zu tun: »Einer der größten Einschnitte und Rückschritte aus heutiger Sicht war der Austritt des Sächsischen Arbeitgeberverbands SAV aus dem ADA – dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken – im Jahr 1996. Das hat dazu geführt, dass es in Deutschland zweierlei Klassen im Gehaltsniveau und bei den übrigen Arbeitsbedingungen gibt. Eines der Ziele von Adexa und auch mein persönliches ist es, diesen Zustand zu beenden – es wird allerhöchste Zeit!«

Vom inneren und äußeren Team

Am Vormittag standen dann vier Fortbildungsthemen auf dem Programm. Karen Knipping vom Schulz von Thun-Institut für Kommunikation referierte über Gruppenentwicklung und Solidarität. Adexa-Juristin Iris Borrmann und Adexas Zweite Vorsitzende Tanja Kratt erläuterten das Zusammenspiel von Gesetz, Tarif- und Arbeitsvertrag. Anschließend gab es für PKA und andere interessierte Teilnehmer ein Seminar mit Kommunikationsexpertin Marion Nagel. Zeitgleich stellte Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz vielversprechende Arzneimittel vor, deren Zulassung kurz bevorsteht.

Glückwünsche und Grußworte

Beim Festakt am Nachmittag freuten sich alle Adexa-Aktiven aus Haupt- und Ehrenamt über die zahlreichen Glückwünsche und Grußworte. Die Freie und Hansestadt Hamburg vertrat Staats­rätin Elke Badde von der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz. Sie war erfreulich gut informiert über die Situation in den Apotheken und betonte, wie wichtig gut ausgebildete, fachlich versierte und motivierte Mitarbeiter für die Patienten und Kunden sind.

Auch ABDA-Präsident Friedemann Schmidt ging in seinem Grußwort auf die zentrale Rolle der Angestellten ein. Dass Apotheken Orte des Vertrauens und der Hoffnung, der Zuwendung, Hilfe und Menschlichkeit sind und sein können, »verdanken sie und verdanken damit wir Apothekenleiter den weit mehr als hunderttausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in unseren Apotheken jeden Tag tätig sind.«

»Der Honigtopf muss erst gefüllt werden«

Hamburgs Kammerpräsident Kai-Peter Siemsen sieht eine Versorgungskatas­trophe auf Deutschland zukommen, wenn die Apothekenberufe nicht finanziell attraktiver würden und die Ausbildung weiter geschwächt werde. Insbesondere kritisierte er die niedrigen Gehälter von PKA und PTA. Bedingung für höhere Tarifgehälter sei allerdings eine bessere Honorierung der Apotheken durch die Gesundheitspolitik.

Zu einer persönlichen Zeitreise durch die letzten drei Jahrzehnte lud Adexa-Ehrenmitglied Reinhild Berger ein. Als ganz wichtigen Meilenstein nannte sie dabei die deutsche Wiedervereinigung. Dass die Apothekengewerk­schaft in den neuen Bundesländern eindruckvoll Fuß fasste, sei vor allem das Verdienst der damaligen Vorsitzenden Magdalene Linz und ihrer Vorgängerin Irmgard Engelke, die dafür »ihren beruflichen Ruhestand sausen ließ«.

Nachwuchssorgen und gemeinsame Interessen

Als Vertreter der Pharmaziestudierenden mahnte BPhD-Präsident David Reiner, die Apotheke müsse »attraktiv für Absolventen sein«. Adexa habe hier eine verantwortungsvolle Funktion zu erfüllen.

Grüße wurden auch von beiden Tarif­organisationen der Arbeitgeber überbracht. Für die TGL-Nordrhein unterstrich Dr. Heidrun Hoch, dass eine grundlegende Reform der PTA-Ausbildung notwendig sei. Davon sind sowohl Adexa als auch die TGL überzeugt; deshalb werden im August Gespräche für ein gemeinsames Konzept stattfinden.

»Wir wollen faire Arbeitsbedingungen und regelmäßige Gehaltserhöhungen.« Diese Forderung sei bei allen Apothekenangestellten in Europa gleich, so die Präsidentin der österreichischen Gewerkschaft VAAÖ, Ulrike Mayer. Auch für den von Land zu Land ganz unterschiedlich ausgestalteten Fortbildungssektor gelte: Es könne nicht angehen, dass Angestellte sich in der Freizeit auf eigene Kosten fortbilden müssten.

Solidarität mit Ostafrika

Katarzyna Ostendorf von Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V. bedankte sich für Adexas Unterstützung eines Schulungsprojektes in Kenia und Tansania: Neben einem Scheck in Höhe von 600 Euro hilft Adexa auch durch Öffentlichkeitsarbeit.

Bei so vielen wichtigen Themen sollten aber auch die Lachmuskeln nicht zu kurz kommen. »Die Spieler«, ein Hamburger Improvisationstheater, luden das Publikum ein, sich als Stichwort­geber für ihre Standup-Acts zu betätigen. Und es zeigte sich, dass auch im Apothekenalltag und in der Gewerkschaftsarbeit jede Menge Situationen schlummern, die – artistisch vorge­tragen – für Heiterkeit sorgten. Fazit: Lachen verbindet und ist gesund! /