PTA-Forum online
Pro und contra

Ausbildungsverlängerung

28.07.2014  10:53 Uhr

Von Annette van Gessel / Alle Beteiligten sind sich einig: Die PTA-Ausbildung muss dringend überarbeitet werden. Uneinigkeit besteht allerdings hinsichtlich der Ausbildungsdauer. Genügen weiterhin »nur« zweieinhalb Jahre oder muss sie auf drei Jahre verlängert werden? PTA-Forum befragte dazu PTA, die sich in der Apothekengewerkschaft Adexa und im Berufsverband BVpta engagieren, sowie den Präsidenten der Bundesapothekerkammer Dr. Andreas Kiefer.

Anforderungen gestiegen

Eine Verlängerung der PTA-Ausbildung ist unbedingt erforderlich. Die Anforderungen an PTA sind immer weiter gestiegen, wir haben es mit immer besser informierten Kunden und Patienten zu tun. All das erfordert ein Mehr an Ausbildung. Dafür genügt es nicht, die Stundenpläne zu korrigieren. In die Ausbildung muss zum Beispiel mehr Zeit für die Arzneimittelkunde und Kommunikation integriert werden. Seit der letzten Novellierung sind schon viele Jahre vergangen, und es wird Zeit, dass die PTA-Ausbildung an die gestiegenen Anforderungen angepasst wird. Auch die Attraktivität des Berufes hängt davon ab. Um neue Tätigkeitsfelder für die PTA zu eröffnen, gehört auch die Möglichkeit dazu, den Fachhochschulabschluss zu erreichen, so wie es an einzelnen Schulen schon möglich ist. Wenn wir auch in Zukunft einen attraktiven Beruf wollen, der PTA ein gutes Auskommen ermöglicht, dann brauchen wir eine Verlängerung der PTA-Ausbildung auf drei Jahre.
Ingrid Heberle, Adexa-Fachgruppenleiterin PTA

Zukunft sichern

Ein weiterer Aspekt für eine Verlängerung der Ausbildung sollte das Erlernen der »Selbstständigkeit« sein. In den meisten PTA-Schulen findet ein Frontal­unterricht statt, und die Schüler handeln nur nach Anweisung. Zielorientiert zu arbeiten bedeutet auch, dass die Auszubildenden genügend Zeit haben, selbst verschiedene Lösungswege zu erarbeiten. In der Apothekenpraxis müssen PTA eigenverantwortlich und schnell Aufgaben lösen können, die in ihren Tätigkeitsbereich fallen. Nach der neuen Apothekenbetriebsordnung von 2012 müssen alle Apotheken nach QMS arbeiten. In der jetzigen PTA-Ausbildung spielt QMS keine Rolle und in vielen Schulen wird auch nicht das Wissen vermittelt, was QMS bedeutet! Mein Fazit lautet: Nur durch eine Verlängerung der Ausbildung und Anpassung kann die Zukunft der PTA gesichert werden.
Angelika Döring, PTA, Adexa-Landesvorsitzende Hessen

Mangel an PTA

Die Anforderungen an PTA sind in den letzten 20 Jahren gestiegen. Neben den vielen Neuheiten im Arzneimittelbereich bieten Apotheken heute viele Serviceleistungen an, die mehr Wissen erfordern. Zudem sind PTA die Spezialisten in der Rezeptur, dem muss in der Ausbildung mehr Rechnung getragen werden. Wenn das Medikations­management flächendeckend umgesetzt werden soll, müssen PTA sicher unterstützend tätig werden. Und nicht zuletzt ist in den nächsten Jahren mit einem Mangel an PTA zu rechnen. Gut ausgebildete Mitarbeiter werden notwendiger sein denn je. Für die Veränderungen in den Apotheken, auch die zukünftigen, müssen die PTA gut ausgebildet sein.
Petra Knietsch, PTA

Wichtige neue Themen

Eine Verlängerung der Ausbildung ist dringend erforderlich. Seit der letzten Novellierung 1997 hat sich viel geändert. Die Ausbildung muss modernisiert und den heutigen Bedingungen in der Apotheke angepasst werden. Allein die Anforderungen der neuen Apothekenbetriebsordnung, das Qualitäts­managementsystem und die Plausibi­litätsprüfung sind einige Inhalte, die umfassender gelehrt werden müssen. Der Einsatz von Medien, gerade im Hinblick auf die gefälschten Medikamente, die auf den Markt kommen, Teambildung, Teamschulungen und mehr Wissen zur Beratung sind wichtige Themen, die verstärkt in die Ausbildung gehören. Der Beruf muss attraktiver werden. PTA brauchen auch die Möglichkeit, nach drei Jahren Ausbildung die Fachhochschulreife zu erlangen. Dazu gehören auch ein besseres Gehalt und umfangreiche Kompetenzen. Schon jetzt fehlen an vielen Stellen PTA. Damit das nicht so bleibt, sollten wir mit einer exzellenten Ausbildung für einen tollen und interessanten Beruf werben.
Jutta Brielich, PTA, Adexa- Landesvorsitzende Niedersachsen

Im europäischen Vergleich bestehen

Die PTA-Ausbildung ist in die Jahre gekommen. Das Berufsbild der PTA hat sich gravierend gewandelt. Klar ist, dass die Ausbildung in ihrer heutigen Form den Anforderungen, die an PTA im Berufsleben gestellt werden, nicht mehr gerecht wird. Politik, Krankenkassen, nicht zuletzt die Patienten und Kunden haben ganz andere Erwartungen an PTA als noch vor 40 Jahren. Das erfordert gut ausgebildete PTA und damit eine an die geänderten Bedingungen angepasste PTA-Ausbildung. Dabei dürfen die Grundlagen nicht in Vergessenheit geraten: die Herstellung von Arzneimitteln ebenso wie die Überprüfung der Qualität der Inhaltsstoffe. Vor allem aber muss die Abgabe von Arzneimitteln inklusive pharmazeutischer Beratung einen größeren Teil der Ausbildung ausmachen. Das spricht alles für eine dreijährige Ausbildung, die den PTA zusätzlich die Erreichung der Fachhochschulreife ermöglicht. Damit würde auch den PTA – genauso wie anderen Gesundheitsfachberufen, deren Ausbildungszeit grundsätzlich dreijährig ist – die Möglichkeit gegeben, im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) eingestuft zu werden. Im Moment ist dies wegen der zweieinhalbjährigen Ausbildung nicht der Fall, sondern PTA werden eine Stufe tiefer als vergleichbare Gesundheitsfachberufe eingestuft. Sollte der PTA-Beruf aufgrund einer Ausbildungsverlängerung in Level vier eingestuft werden, profitieren auch wir »Alt-PTA« von dieser Regelung. Zudem könnte unser Beruf dann auch im europäischen Vergleich bestehen. Je höher PTA im DQR eingestuft sind, desto besser sind ihre Chancen, im europäischen Ausland im Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) anerkannt zu werden. Wenn wir weiterhin den Patienten und Kunden eine gute pharmazeutische Rundumversorgung wohnortnah zukommen lassen wollen, dann müssen wir die PTA-Ausbildung neu überdenken. Nur dann wird es gelingen, weiterhin viele Jugendliche für diesen anspruchs- und verantwortungsvollen Beruf zu interessieren.
Sabine Pfeiffer, erste Vorsitzende des BVpta

Fächer anders gestalten

Ich finde eine Verlängerung der PTA-Ausbildung nicht gut, da es bei uns nur private PTA-Schulen gibt. Mit einer Verlängerung würde die Ausbildung ja noch teurer und ein halbes Jahr mehr Schulgeld sprengt sicher das Budget vieler Eltern. Ich bin noch nicht so lange im Beruf, habe aber schon festgestellt, dass ich vieles, was ich gelernt habe, gar nicht brauche. Vielleicht genügt es, die Fächer anders zu gestalten und zum Beispiel weniger Rezeptur und Prüfung von Ausgangsstoffen zu lehren. Augenblicklich arbeite ich in einer Apotheke, in der wir keine Rezepturen machen. Die Herstellung von Rezepturen könnte man ja dann lernen, wenn man in einer Apotheke arbeitet, in der viele Rezepturen vorkommen. Oder man könnte später noch einen speziellen Kurs besuchen. Dafür könnten die PTA-Schülerinnen zum Beispiel mehr Gespräche mit Patienten und Kunden üben. So wären sie besser auf schwierige Situationen im Apothekenalltag vorbereitet.
Mathilda Herbst, PTA

Kompakt und modern

Unbestritten – die PTA-Ausbildung muss an die aktuellen Anforderungen der Praxis angepasst werden. Die Bundesapothekerkammer hat dafür nach intensiven Diskussionen Vorschläge vorgelegt. Die Verlängerung der Ausbildung ist nicht erforderlich. Aktualisierung bedeutet nicht, dass nur neue Ausbildungsinhalte aufgenommen werden können. Aktualisierung heißt auch, vorhandene Ausbildungsinhalte auf den Prüfstein zu stellen und gegebenenfalls zu kürzen oder gar zu streichen. Dies hat die Bundesapothekerkammer mit ihren Vorschlägen getan! Mit einer kompakten und modernen zweieinhalbjährigen Ausbildung, die für Eltern und Schüler/innen bezahlbar ist, werden auch zukünftig hochqualifizierte PTA ausgebildet. Sie haben heute schon aufgrund der landesrechtlichen Regelungen die Möglichkeit, ohne Abitur zu studieren. Im europäischen Vergleich brauchen sie keine Nachteile zu befürchten – weder aufgrund der Berufsqualifikationsrichtlinie für die gegenseitige Anerkennung der Diplome noch aufgrund des Europäischen Qua­lifikationsrahmens. Wie alle anderen Assistenzberufe sind die PTA im Deutschen Qualifikationsrahmen der Stufe 4 zugeordnet. Auf jeden Fall: Die Bundesapothekerkammer setzt sich nachdrücklich für die inhaltliche Überarbeitung der PTA-Ausbildung ein!
Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer

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