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Steinkohlenteer

Nur wenige Wochen anwenden

28.07.2014
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Von Andreas Melhorn / Steinkohlenteer ist ein Stoffgemisch, das bei der Verarbeitung von Steinkohle gewonnen wird. Bei chronisch-entzündlichen Hautleiden greifen Hautärzte gern auf Steinkohlenteerpräparate zurück, wenn andere Therapien nicht den gewünschten Effekt erzielen.

Steinkohlenteer DAC, auch Pix Lithanthracis genannt, ist eine zähflüssige schwarz-braune Masse. Er wirkt antientzündlich und antiseptisch. Das Gemisch enthält allerdings viele polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, von denen einige als krebserregend eingestuft sind. Die Kanzerogenität hängt jedoch maßgeblich von der Anwendungsdauer ab, weshalb diese bei entsprechenden Dermatika normalerweise auf wenige Wochen begrenzt ist. Steinkohlenteer unterliegt aus diesem Grund auch der Verschreibungspflicht. Der Einsatz in Kosmetika ist verboten. Unter strenger Indikation dürfen Ärzte Steinkohlenteer als Alternative zu risikoärmeren Therapien einsetzen. Allerdings empfinden viele Patienten den starken Eigengeruch des Gemischs als unangenehm, sodass einige eine solche Behandlung ablehnen.

Am häufigsten findet Steinkohlenteer zur Behandlung der Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris) Anwendung. Besonders charakteristisch für die vielen verschiedenen Unterarten der Krankheit sind die meist abgegrenzten roten, schuppigen Hautareale, deren Schuppen je nach Art der Psoriasis silbrig oder grau-weiß aussehen. Die roten Hautstellen können flächig oder punktförmig gestreut vorliegen.

Seborrhoische Ekzeme behandeln Hautärzte ebenfalls mit Steinkohlenteer. Bei den Betroffenen bilden sich an verschiedenen Stellen des Körpers abgegrenzte rote oder rotbraune Flecken, die mit Hauterhebungen (Pappeln oder Plaques) einhergehen können. Die erkrankte Haut dieser Patienten schuppt und juckt ebenfalls häufig.

Auch bei anderen chronisch entzündlichen Hautkrankheiten verordnen Ärzte Steinkohlenteerpräparate. Dazu gehören verschiedene andere Ekzeme, Neurodermitis und fettige, schuppige Kopfhaut.

Im Handel sind mehrere steinkohlenteerhaltige Fertigarzneimittel. Da deren Verfügbarkeit nicht immer sichergestellt ist, sind Rezepturarzneimittel eine gute Alternative.

Einsatz in der Rezeptur

Wer Steinkohlenteer in der Rezeptur verarbeitet, muss aufgrund der Kanzerogenität des Gemischs entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen einhalten. Mit den von der Bundesapothekerkammer empfohlenen Maßnahmen kann das Risiko auf ein Minimum reduziert werden. Durch Schutzbrille, Atemschutz und Handschuhe ist es weitgehend möglich, jeden Kontakt mit dem Steinkohlenteer zu vermeiden. Weitere Maßnahmen finden PTA und Apotheker in den entsprechenden Gefährdungsbeurteilungen.

Das DAC/NRF enthält eine ganze Reihe Monographien für steinkohlenteerhaltige Präparate. Für die Verarbeitung in der Apotheke stehen mehrere Rezeptursubstanzen zur Verfügung:

  • Steinkohlenteer DAC
  • Steinkohlenteerlösung DAC, Synonym: Liquor Carbonis detergens
  • Steinkohlenteerspiritus DAC, Synonym: Spiritus Picis Lithranthracis

Steinkohlenteerdestillat erhielt eine Negativmonographie und darf daher nicht eingesetzt werden. Holzteere sehen dem Steinkohlenteer zwar ähnlich und riechen vergleichbar, sollten aber auf keinen Fall mit diesem verwechselt werden. Die Anwendung von Holzteer ist nur unter starken Einschränkungen für Bäder zugelassen. Eine Zubereitung in Salben, Cremes oder anderen Externa ist wahrscheinlich nicht zu begründen. Im Normalfall sollte Holzteer daher nicht in Rezepturen verarbeitet werden.

In Wasser, flüssigen Paraffinen und Glycerol ist Steinkohlenteer DAC praktisch unlöslich und lässt sich nur schwer in Grundlagen mit diesen Stoffen einarbeiten. Seine Bestandteile fallen in vielen Grundlagen aus oder trennen sich ab. Mit Fetten oder fetten Ölen ist Steinkohlenteer dagegen gut mischbar. In der NRF-Rezeptur »Lipophile Steinkohlenteer-Salbe 2 % bis 20 % (NRF 11.46.)« wird deshalb auf hydriertes Erdnussöl und Triglyceride als Grundlage zurückgegriffen, mit denen sich der Teer gut mischt.

Bei Steinkohlenteerlösung beziehungsweise -spiritus DAC handelt es sich um tensidhaltige Steinkohlenteerextrakte. Als solche sind sie oberflächenaktiv. Daher ist mit entsprechenden Wechselwirkungen und Imkompatibilitäten zu rechnen. Das DAC/NRF führt Rezepturen für verschiedene Zubereitungen mit den beiden Lösungen auf: sowohl lipophile als auch hydrophile Präparate mit unterschiedlichen Grundlagen und Wirkstoffkombinationen. Der pH-Wert der Rezeptur muss für beide Lösungen bei pH 2 bis 8 liegen. Auf eine Konservierung kann aufgrund der antiseptischen Eigenschaften der Extrakte verzichtet werden.

Für Psoriasispatienten mit juckender, roter und schuppiger Kopfhaut bieten Shampoos mit Steinkohlenteer eine gute Therapiemöglichkeit. Da ein entsprechendes Fertigarzneimittel lange nicht lieferbar war, wurde in das DAC/NRF ein Rezepturarzneimittel aufgenommen (NRF-Rezeptur 11.143). Die Herstellung erfordert nur wenige Komponenten und ist unkompliziert.

Da Steinkohlenteerpräparate in der Rezeptur nicht unproblematisch sind, sollte im Zweifelsfall immer Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden, um jede Unklarheit auszuräumen. /

Weitere Informationen im Netz

Unter www.dac-nrf.de stehen ausführliche Rezepturhinweise über Steinkohlenteer, -spiritus und -lösung zur Verfügung mit detaillierten Informationen zu den Eigenschaften der Stoffe und zu verschiedenen Rezep­turen. Der »Rezepturenfinder« bietet für den Bedarfsfall außerdem Kommentare zu vielen Rezepturarznei­mitteln an.